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Einfluss der Familie : Ältere Geschwister wählen seriösere Studienfächer

Spielt eine Rolle fürs ganze spätere Leben: die Familienkonstellation Bild: dpa

Erstgeborene Söhne oder Töchter studieren mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Medizin oder Ingenieurwesen, jüngere Brüder oder Schwestern lieber Journalismus oder Kunst. Woran liegt das?

          Mach was Anständiges: Medizin oder Ingenieurwesen! Das denken sich – mindestens insgeheim – immer noch viele Eltern. Tatsächlich treffen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erstgeborene Söhne und Töchter die Wahl eines dem Rufe nach seriösen Studienfaches. Jüngere Geschwister wählen dagegen häufiger „weichere“ Fächer wie Kunst, Journalismus oder Lehramt. Das haben Bevölkerungsforscher des Max-Planck-Instituts in Rostock und der Universität Stockholm in einer aktuellen Studie herausgefunden.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Aus früheren Forschungsarbeiten war schon bekannt, dass jüngere Geschwister tendenziell geringere Einkommen erzielen als ihre erstgeborenen Brüder und Schwestern. Die neue Arbeit, in die Daten von 146 000 schwedischen Studenten eingeflossen sind, zeigt nun, dass sich etwa die Hälfte dieser langfristigen Einkommensunterschiede durch eine unterschiedliche Studienfachwahl erklären lässt.

          „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Eltern mehr in ihre zuerst geborenen Kinder investieren als in die folgenden“, sagt Kieron Barclay, einer der Autoren der Studie. Das älteste Kind einer Familie profitiere naturgemäß in einer sehr frühen Lebensphase von der ungeteilten Elternaufmerksamkeit. Eine größere Risikofreude jüngerer Geschwister, die in früheren Studien nachgewiesen werden konnte, sei hingegen nicht für die unterschiedliche Studienfachwahl verantwortlich: Diesen Effekt haben die Forscher nämlich herausgerechnet, ebenso wie den Einfluss von Schulnoten.

          Ob die Eltern arbeiten, hat keinen Einfluss

          Die Forscher legen allerdings Wert darauf, dass aus ihren Ergebnissen keine Schlüsse dahin gehend gezogen werden sollten, ob Eltern arbeiten oder ein Elternteil zu Hause bleibt. Denn eigentlich liegt ja die Idee nahe, dass auch arbeitende Eltern ihren Kindern weniger „ungeteilte Aufmerksamkeit“ widmen können und dies die Studienfachwahl beeinflussen könnte. „Es ist aber wichtig, festzustellen, dass wir Unterschiede zwischen Geschwistern beobachten, obwohl wir Kinder aus derselben Familie vergleichen“, sagt Barclay. Die Kinder hätten dieselben Bedingungen, entweder arbeitende Eltern oder einen zu Hause bleibenden Elternteil. „Die Unterschiede bestehen aber ganz unabhängig vom Beschäftigungsstatus der Eltern.“ Zudem sei zwar die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern in den ersten Jahren verbringen, wichtig, aber auch eine gute Bildung und ein guter Beruf der Eltern wirkten positiv auf Karrierechancen.

          Übrigens: Nicht nur das erstgeborene Kind wählt mit höherer Wahrscheinlichkeit ein „seriöses“ Studienfach. Auch das zweite sucht die Studienrichtung konservativer aus als das dritte und so weiter. So hatten etwa laut Studie Kinder mit drei älteren Geschwistern eine zu 82 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, Kunst zu studieren. Für Kinder mit nur einem älteren Bruder oder einer älteren Schwester war die Wahrscheinlichkeit nur um 27 Prozent erhöht. Dagegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass viertgeborene Kinder Medizin studieren, verglichen mit Erstgeborenen, um 57 Prozent geringer.

          Die Daten für die Studie stammen aus schwedischen Verwaltungsregistern. Sie bezogen Familien ein, in denen sich mindestens zwei Kinder zwischen den Jahren 2001 und 2012 für ein Studium eingeschrieben hatten.

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