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Vater von Drache Kokosnuss : Der Mann mit drei Berufen

  • -Aktualisiert am

Kinderbuchautor Ingo Siegner mit seiner bekanntesten Figur, dem kleinen Drachen Kokosnuss Bild: dpa

Am liebsten macht er alles selbst: Schreiben, Zeichnen, Vorlesen. Dann werden Ingo Siegners Figuren so lebendig wie sonst nur in der Fantasie seiner jungen Leser. In Frankfurt liest er zugunsten des Spendenprojekts „F.A.Z.-Leser helfen“.

          Ingo Siegner hat von seinen jungen Lesern schon viele Komplimente bekommen. Aber das schönste, sagt er, sei die Bemerkung eines Jungen gewesen, der nach einer Lesung gesagt habe: „Weißt du, du bist echt ein netter Typ.“ Was will ein Autor mehr, als echt ein netter Typ sein in den Augen seiner jungen Leser?

          Drei Berufe habe er, hat Ingo Siegner einmal gesagt. Drei Berufe, die er liebt, gerade weil sie so unterschiedlich sind: Zuerst einmal ist er Schriftsteller oder genauer: Kinderbuchautor. Im Frühjahr kommt der 24. „Kokosnuss“-Band in den Buchhandel. Ingo Siegners „Kokosnuss“ ist ein putziger, liebenswerter, orangefarbener Feuerdrache mit blauer Schiebermütze und der Held vieler lustiger Abenteuergeschichten. Gerade ist auch der erste „Kokosnuss“-Film erschienen, mit dem kleinen Drachen und seinen besten Freunden, dem Stachelschwein Matilda und dem Fressdrachen Oskar, einem Vegetarier. Für den Film hat Ingo Siegner zwar nicht selbst das Drehbuch geschrieben, aber als Drachenerfinder konnte er dennoch bei vielem mitreden.

          Alles selbst gezeichnet

          Ingo Siegners zweiter Beruf ist das Illustrieren. Anders als die meisten anderen Kinderbuchautoren zeichnet, malt und aquarelliert er die Bilder in seinen Büchern selbst, an seinem Schreibtisch, den er hoch, und runterfahren kann, je nachdem ob er schreibt oder malt. Das Illustrieren hat er sich, wie das Schreiben, selbst beigebracht. Learning by doing nennt er seine Ausbildung, die im Kinderzimmer seiner jüngeren Halbgeschwister begann. Denen las Siegner als Junge mit großer Begeisterung vor, für sie erfand und erzählte er seine ersten Geschichten. Und weil die kleinen Geschwister am liebsten Spaß und Quatsch hörten, entwickelte er einen Riecher für das, was Kinder besonders gerne mögen: lustige Geschichten mit witzigen Phantasiefiguren, voller Abenteuer, die immer gut ausgehen.

          Das klingt nun, als habe Ingo Siegner eine unbeschwerte Kindheit erlebt. Doch das Gegenteil war der Fall. Als er fünf Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Er lebte bei seinem Vater, und als er sieben Jahre alt war, starb seine Mutter. Für den Jungen war das schlimm, er zog sich ganz in sich selbst zurück. Doch damals erwachte auch seine Phantasie. Sie wurde zum Rettungsanker. Ingo Siegner dachte sich Geschichten aus, Geschichten, die ihn trösteten. Und aus dieser Zeit stammt wohl auch sein Bedürfnis, Kindern etwas zu erzählen, das Mut macht durch ein Happy End.

          Am liebsten Vorleser

          Und der dritte Beruf? Mehr als hundert Lesungen veranstaltet Ingo Siegner jedes Jahr. Das Vorlesen macht ihm eine Riesenfreude. Was man ihm ansieht, wenn er auf der Bühne steht und zeichnet, erzählt, vorliest und spielt. Da werden seine Figuren plötzlich quietschend und schnarrend lebendig, da sieht und hört man Kokosnuss und Matilda und Oskar und Trödel-Knödel höchstpersönlich!

          Ingo Siegner wurde 1965 in der Nähe von Hannover geboren. In Hannover lebt er heute noch, besser: wieder. Siegner ist ein fröhlicher Mann, er hat Lachfalten, die nahen fünfzig sieht man ihm kaum an. Er wirkt noch immer ein bisschen wie ein Junge. Wie der, der sich erst fürsorglich um seine Halbgeschwister kümmerte, später Kinderbetreuer bei der Stadt und bei einem Reiseveranstalter wurde und als Au-pair-Junge nach Frankreich ging. Und wie einer, dessen Traum in Erfüllung gegangen ist, der heute genau das macht, wozu er Lust hat: Kinderbücher und Bilderbücher schreiben und illustrieren. Dass sie richtig viel Erfolg haben, ist großartig. Siegners Buch „Der kleine Drache Kokosnuss bei den Dinosauriern“ kam mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren auf den Markt. Fast alle Kokosnuss-Abenteuer , egal ob sie in der Steinzeit spielen oder im Weltraum, im Spukschloss oder im Dschungel, sind für Kinder von sechs Jahren an gedacht.

          Nicht nur der Fressdrache Oskar, auch andere Figuren Siegners sind Vegetarier. Er selbst ist keiner. Aber er ernährt sich sehr bewusst, mit Müsli morgens und mit wenig Fleisch. Doch ab und zu dürfen es auch mal Pommes sein, und samstags gibt es zum Frühstück ein Schoko-Croissant und Toast mit viel Honig. Und abends Spaghetti Bolognese! Aber das muss ein Geheimnis bleiben, der vegetarische Oskar darf es auf keinen Fall wissen!

          Sonntagsgeschichten

          Ingo Siegner liest am nächsten Sonntag, 25. Januar, zugunsten des Spendenprojekts „F.A.Z.-Leser helfen“ im Polizeipräsidum Frankfurt, Adickesallee 70. Die Veranstaltung beginnt wie immer um 15 Uhr.

          Der Eintritt kostet für Kinder drei Euro, für Erwachsene fünf. Für die Lesung gibt es noch Restkarten. Sie können bestellt werden unter 0 69/75 91-12 51 oder per E-Mail an j.ruehmann@faz.de.

          Alle Künstler in der Reihe der Sonntagsgeschichten verzichten auf ein Honorar. Der Erlös aus der Veranstaltung kommt vollständig der Spendenaktion zugute. Mit dem Eintritt unterstützen Sie die Arbeit des Kinderschutzbundes in Frankfurt und von Cargo Human Care für ein Jugendhaus in Nairobi.

          Die nächste Lesung, die in dieser Saison die letzte sein wird, findet am 15. März statt, zu Gast ist Paul Maar.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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