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Einfluss von Vornamen : Im Zweifel lieber für das Wohl des Kindes

  • -Aktualisiert am

Schauspieler Devid Striesow wollten seine atheistischen Eltern bewusst nicht wie den biblischen König „David“ nennen. Bild: WDR/Bernd Spauke

Borussia, Satan oder Porsche sind verboten, Pepsi-Carola, Darth oder Ikea erlaubt: Gabriele Rodríguez erforscht, was sich Eltern alles für ihre Kinder einfallen lassen. Die Opfer sind wehrlos.

          Ursula ist sympathisch, aber wenig attraktiv, Emma gesellig und sehr intelligent. Frank ist männlicher als Jens und Felix sportlicher als Constantin. Vornamen lösen solche Assoziationen aus; ihre Träger müssen damit leben. Welches Image Namen entwickeln, welche Moden die Namenlandschaft prägen und wie sich gesellschaftliche Entwicklungen in ihr spiegeln, wird am Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig erforscht.

          Gabriele Rodríguez, die dort Eltern und Standesbeamte bei Fragen zur Namenwahl berät und Gutachten für Gerichte erstellt, hat ein Buch geschrieben, das die bunte Welt dieser ganz besonderen Wörter auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise durchstreift. Eine halbe Million Vornamen kursieren mittlerweile in Deutschland, pro Jahr kommen rund tausend dazu.

          Viele neue Namen gelangen mit Immigranten nach Deutschland. Das stellt die Standesämter mitunter vor Herausforderungen: Sollen sie Namen wie „Ussama“ oder „Jehad“ akzeptieren? Hierzulande sind sie negativ besetzt, im arabischen Raum aber gelten sie als normale, traditionsreiche Namen, die nicht automatisch für einen islamistischen Hintergrund stehen.

          Lediglich amtlich sind der Phantasie heute Grenzen gesetzt

          Hier wie in allen Fällen muss die Wahlfreiheit der Eltern gegen das Wohl des Kindes abgewogen werden, für das mancher Name zur Belastung werden kann. Bei „Adolf“, dem deutschen Tabunamen schlechthin, stellt sich diese Frage gar nicht erst: Sein berüchtigtster Träger hat den Namen so kontaminiert, dass ihn auch der Hinweis auf seine lange Geschichte und den Heiligen, der ihn trägt, nicht rehabilitieren kann.

          Gabriele Rodríguez: „Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen.“, Komplett-Media, München 2017. 248 S., geb., 19,99 €
          Gabriele Rodríguez: „Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen.“, Komplett-Media, München 2017. 248 S., geb., 19,99 € : Bild: Komplett-Media

          Verlief die Namengebung vergangener Zeiten in einigermaßen überschaubaren Bahnen, so existiert heute eine geradezu überbordende Vielfalt. Der Phantasie der Eltern sind zwar noch amtliche Grenzen gesetzt, aber sie sind viel weiter gezogen als früher. Der Wunsch, sich kreativ abzuheben, bringt Namen wie Afrope, Jax oder Tashunka Witko hervor. Letzterer ist das Sioux-Original für „Crazy Horse“ und diente indianerverrückten Eltern als Ersatz für die englische Version, die ihnen dann doch verwehrt wurde. Von den Standesämtern abgelehnt wurden bislang auch „Borussia“, „Porsche“, „Satan“ oder „Rumpelstilzchen“.

          Meist sind die Kinder die Verlierer

          Hingegen gibt es Menschen, die „Pepsi-Carola“, „Galeria“ oder „Ikea“ heißen, wobei sich für die Möbelhausmarke ins Feld führen lässt, dass es einen gleichlautenden ostfriesischen Mädchennamen gibt. Mehr als die Hälfte aller in einem Jahrgang eingetragenen Namen wird in diesem Zeitraum nur ein einziges Mal vergeben. Das zeugt von einem elterlichen Drang zur Originalität, der oft genug auf Kosten der Kinder geht. Viele scheinbar ausgefallene Namen speisen sich aus populären Büchern und Filmen. Ein ebenso frühes wie berühmtes Beispiel bot der 1927 geborene Berliner Museumsarchitekt Winnetou Kampmann, dessen gleichnamiger Sohn heute als Kieferorthopäde praktiziert. In den fünfziger Jahren waren es die Bücher von Astrid Lindgren, die eine Welle nordischer Namen auslösten.

          Den „Star Wars“-Filmen wiederum verdanken Mitbürger Namen wie „Darth“, „Vader“, „Boba“ oder „Qui“, und aktuell steuert die „Game of Thrones“-Serie „Khaleesi“, „Daenerys“ und „Sansa“ bei. Auch der Glaube an die Weltrevolution kann die Namenwahl bestimmen, und zwar nicht erst, seit Achtundsechziger-Eltern ihre Kinder „Che“ nennen wollten. 1927 ließ ein Amtsgericht den Namen „Heinz Lenin“ zu, ein Jahr später wurde ein Mädchen nach Lenins Frau „Krupskaja“ genannt. Solche Namen haben später im real existierenden Sozialismus der DDR keine wesentliche Rolle gespielt. Aber deutsch-deutsche Unterschiede lassen sich durchaus feststellen. Eine ostdeutsche Vorliebe ist die Eindeutschung fremdsprachiger Namen als „Maik“, „Gorden“ oder „Nadin“. Häufig haben die Eltern in der DDR diese Namen, die sie gedruckt nicht kannten, nach Gehör geschrieben.

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