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Christian Ulmen im Gespräch : „Ich musste nie stärker und härter sein als als Vater“

  • -Aktualisiert am

Dass er mal „Pascha des Monats“ wurde, amüsiert ihn heute: Christian Ulmen Bild: Frank Röth

Wann ist ein Mann ein Mann? Schauspieler Christian Ulmen teilt sich die Familienarbeit mit seiner Frau und Kollegin Collien Fernandes. Hier berichtet er von der Kritik, die beiden entgegenschlägt – und warum er trotzdem nicht an seiner Männlichkeit zweifelt.

          Herr Ulmen, für die Männer hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Wenn Sie sich vergleichen mit Ihrem Vater: Was ist anders?

          Ich habe das Glück, dass ich in einem Haushalt groß geworden bin, in dem Gleichberechtigung gelebt wurde. Mein Vater hat uns ebenfalls die Brötchen geschmiert, er hat uns gepflegt, wenn wir krank waren, er hat gekocht. Ich bin damit aufgewachsen, dass ein Mann auch männlich ist, wenn er sich um Kinder kümmert, und kein Weichei. Es war maximal gleichberechtigt.

          Na ja, er ist arbeiten gegangen.

          Ja, mein Vater war der Alleinverdiener, solange wir klein waren. Das lag aber nicht daran, dass sie dachten, dass das der Job des Mannes sei. Meine Mutter ist dann wieder arbeiten gegangen, als meine kleine Schwester zwölf war.

          Das ist dann aber doch nicht maximal gleichberechtigt.

          Natürlich. Das Arrangement, dass der eine zu Hause bleibt und der andere arbeitet, steht ja in keinem Widerspruch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, solange die Aufteilung unabhängig von Geschlechterklischees geregelt wird. Es war ein anderes Arrangement als das, was ich jetzt habe. Meine Mutter hat zu Hause gearbeitet, ein kleines Kunstgewerbe betrieben. Mein Vater hat zwar um 9 das Haus verlassen und ist um 6 zurück gekommen, jeden Tag. Aber wenn wir krank waren, hat er die Nächte übernommen. Beim Kotzen helfen, die Brust eincremen – in meiner Erinnerung ist es immer mein Vater, der das macht.

          Trotzdem ist bei Ihnen heute alles anders?

          Die Abmachung ist, dass wir beide arbeiten gehen, meine Frau und ich – was ein organisatorischer Kraftakt ist. Wir haben Drehzeiten. Ich drehe insgesamt um die fünf Monate im Jahr, dann ist meine Frau hier. Wenn sie drehen muss, bin ich zu Hause. Wenn wir doch mal gleichzeitig Drehtage haben, kommen unsere Eltern und decken das ab. Das ist ein Unterschied zu meiner Kindheit. Meine Tochter wächst damit auf, dass es kurz Zeitabschnitte gibt, in denen beide Eltern nicht zu Hause sind. Dass immer einer weg ist, das ist auch etwas, das ich aus meiner Kindheit nicht kenne.

          Sie müssen das alles als Paar miteinander aushandeln. Ist das schwierig?

          Klar. Sobald es eine Drehanfrage gibt, muss der Familienrat tagen und erst einmal klären: Hast du da etwas in dieser Zeit? Wenn ja, ruft man die Produktion an und versucht umzuorganisieren. Es ist ein permanentes Jonglieren. Wir haben ein Au-Pair-Mädchen für die Nachmittage, und wir haben Großeltern. Nur so funktioniert es.

          Nervt es, das immer aushandeln zu müssen?

          Natürlich ist es nervig, aber es ist auch nervig, dass man nach dem Tanken immer bezahlen muss, trotzdem gehört das dazu. Ich sag deshalb nicht: „Bitte bleib du doch zu Hause.“ Meine Frau sagt ja auch nicht: „Bleib du doch zu Hause.“ Würden wir in einer Zeit leben, in der Frauen nicht arbeiten dürften, wäre meine Frau mit Sicherheit eine unglückliche Person. Insofern ist das ein Fortschritt. Den ich aber nur als Fortschritt erlebe, wenn ich darüber lese, dass das früher anders war.

          Finden Ihre Eltern das anstrengend, wie Sie das organisiert haben?

          Sie freuen sich, wenn sie helfen können. Mit dem Modell haben sie kein Problem. Im Netz erleben wir aber interessante Reaktionen zu unserer Organisation. Wenn meine Frau ein Interview gibt, dann stehen gleich Kommentare darunter: „Was fällt dir ein, arbeiten zu gehen, was bist du für eine schlechte Mutter.“ Oder sie bekommt E-Mails, meist von älteren Frauen, die sie wüst beschimpfen, weil sie arbeitet und nicht beim Kind bleibt. Die gar nicht wahrnehmen, dass es ja auch einen Vater gibt, der auch für Bindung zuständig sein könnte.

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