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Identitätsdiebstahl : An Mosebach

Herr Mosebach, sind Sie noch da? Es wäre wichtig. Es geht um den Diebstahl Ihrer Identität. Bild: dpa

Lieber verehrter Herr Mosebach, Sie wurden beraubt, und zwar ihrer eigenen Persönlichkeit oder zumindest Person! Falls Sie sie nirgends mehr finden – sie befindet sich gerade auf Facebook.

          Martin Mosebach ist nicht gerade das, was man sich unter einem digital native vorstellt. Nicht nur, dass er überhaupt keinen Ehrgeiz hat, sozial netzzuwerken; der Frankfurter Schriftsteller liest Mitteilungen aller Art auch nur auf gedrucktem Papier. Deswegen und weil ein Anruf bei ihm ergebnislos blieb, fühlt sich dieser Kulturteil, der zu ihm langjährige und, wie zumindest wir meinen, auch gute, ja freundschaftliche Beziehungen unterhält, dazu verpflichtet, ihm an dieser Stelle Folgendes kund und zu wissen zu tun: Lieber verehrter Herr Mosebach, Sie wurden beraubt, und zwar ihrer eigenen Persönlichkeit oder zumindest Person! Falls Sie sie nirgends mehr finden – sie befindet sich gerade auf Facebook. Ihre Frau hat uns darauf aufmerksam gemacht, und weil wir nicht wissen, ob Sie vielleicht gerade auf Reisen sind – ein Handy haben Sie ja nicht –, sind wir der Sache sofort nachgegangen.

          Ihre Frau scheint recht zu haben: Ein Nutzer hat sich Ihren guten Namen angeeignet, um darunter Mitteilungen unterschiedlicher Thematik und Qualität zu verbreiten. Unser erster Eindruck: alles nicht Ihr Niveau, auch die Fotos nicht, auf denen zum Teil Katzen zu sehen sind (dabei haben Sie doch gar keine, oder?). Wie wir Sie kennen, ist Ihnen zumindest das mit den Katzen egal. Wenn wir Sie trotzdem auf den Vorgang aufmerksam machen, dann deswegen, weil es jetzt auch ganz offiziell einer ist: Auf der Internetseite katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, macht sich nämlich eine Person anheischig, den Diebstahl anzuzeigen. Das ist, wie Sie selbst am besten wissen, im Prinzip der richtige Ort dafür.

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          Unter der Überschrift „Pontius Pilatus und Facebook“ legt eine gewisse als Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin ausgewiesene Monika Metternich (eigentlich: Monika Gräfin Wolf Metternich) ganz richtig dar, „dass das Verbreiten von Lug und Trug nicht nur ein ärgerliches Phänomen unserer Zeit ist, sondern zerstörerisches Potential in sich trägt“, indem es die „Integrität des Gekaperten“ beschädige.

          Im Frankfurter Westend platzt eine Worscht

          Wir wissen nicht, ob Sie schon etwas unternommen haben, und wollten auf diesem Wege zunächst nur sicherstellen, dass Sie von der Sache erfahren und sich dann mögliche Schritte überlegen können. Vielleicht müssen Sie auch gar keine unternehmen; es ist am Ende ja doch nur eine Petitesse, kein Mensch käme auf die Idee, das Geschreibsel dieses angeblichen „Martin Mosebach“ mit Ihnen in Verbindung zu bringen, schon gar nicht diese unoriginellen Katzenbilder, aber dennoch . . ., huhu, Herr Mosebach, sind Sie noch da? Es wäre wichtig. Wie wir Sie kennen, würden Sie sogar noch die von Frau Metternich erwartbar traktierte Kernfrage des Pontius Pilatus, „Was ist Wahrheit?“, mit einem maliziösen Lächeln ins Leere laufen lassen.

          Aber: Woher wissen wir, Sie und Ihr alter Kulturteil, dass diese Gräfin nicht selbst ein „Fake“ ist? Diese Wortwahl ist, wie Sie sich denken können, von „Monika Metternich“, nicht von uns. Ein Fake fakt (sagt man so?) den anderen, oder: im Frankfurter Westend platzt eine Worscht. Und wenn schon! So gesehen, ist es wohl wirklich das Beste, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Aber was ist, wenn hinter der Gräfin Ihre eigene Frau steckt? Das fragt, bang und mit ergebenen Grüßen, Ihr

          edo.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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