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Fake News : Warum man mit dem Zweiten jetzt noch besser sieht

Faktenfreund: ZDF-Intendant Thomas Bellut Bild: Kaufhold, Marcus

Die ARD baut eine Anti-Fake-News-Einheit auf, das ZDF sagt den Faktenfeinden den Kampf an. Nicht ganz uneigennützig, wenn man genauer hinschaut.

          Wer im Journalismus meint, den dicken Max geben zu müssen, sagt heute: „Ich tue etwas gegen Fake News! Fake News, das sind die anderen! Fakten, Fakten, Fakten, Recherche, Hintergrund, Analyse, Transparenz und plurale Meinungsbildung - das sind wir!“ In diesem Habitus übt sich seit jeher, im Augenblick aber ganz besonders, der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Das Motto: Ohne uns gibt es keinen Schutz vor Fake News. Die ARD baut darob eine zentrale Anti-Fake-News-Einheit auf.

          Da nimmt es nicht wunder, dass der ZDF-Intendant Thomas Bellut in der „Selbstverpflichtungserklärung“ seines Senders in die „We are the Champions“-Kakophonie einstimmt und sagt, warum man mit dem Zweiten jetzt noch besser sieht. Auch in den kommenden Jahren werde das ZDF „mit sachlichen Informationen, eigenrecherchierten Inhalten, verständlichen Erklärungen und pluralistisch besetzten Meinungsbeiträgen populistischen Parolen und Fake News“ entgegentreten, heißt es da. „Gerade in angeblich ,postfaktischen‘ Zeiten und angesichts der Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung muss das ZDF mit unabhängigem Journalismus seinen Zuschauern verlässlich und glaubwürdig Halt bieten“, sagt Bellut.

          Doch ist das nicht selbstverständlich? So selbstverständlich, dass man es nicht eigens betonen muss? Oder ist es das etwa nicht? Wenn man genauer hinhört und die neunzehn Seiten starke „Selbstverpflichtung“ durchliest, versteht man den eigentlichen Kontext. Auf dem Papier befindet sich eine Aufgabenbeschreibung (bis hin zu einzelnen Programmen und Sendungen), die mit dem Fake-News-Hinweis leichter unter die Leute zu bringen ist. Denn sie verfügt mit der forcierten Ausbreitung des Senders im Internet über ein beträchtliches politisches Konfliktpotential: Dass ARD und ZDF im Netz und auf allen digitalen Plattformen und in Netzwerken vertreten sein müssen, um das jüngere Publikum zu erreichen, versteht sich von selbst. Dass sie dabei mit ihren Online- und Mobilangeboten auch immer presseähnlicher werden und der nicht per Zwangsabgabe finanzierten, unabhängigen und staatsfernen Presse das Geschäft erschweren, versteht sich hingegen nicht von selbst und lässt sich auch nicht mit dem Hinweis erledigen, man sei in Sachen Fake News-Abwehr unschlagbar. Das ist eine durchsichtige Masche. Oder sollen wir sagen eine „postfaktische“?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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