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F.A.Z.-Serie: Gehirntraining : Wer hören will, muss fühlen

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Wie sich die Aktivitäten der Hirnregionen beim Anhören (Ohr) und mit dem Spielen (Hand) von Klavier verändern Bild: Institut für Musikphysiologie Hannover

Die Gehirne von Musikern sehen anders aus als die von Laien. Sie verfügen über mehr graue Substanz. Macht Musik schlau? Auf jeden Fall steigert sie die geistige Beweglichkeit und wirkt sich auch auf das Sprachvermögen aus. Warum es sich immer lohnt, Klavier zu üben.

          Kein anderes Sinnesorgan benutzt so wenig Sinneszellen wie das Ohr. Während im Auge etwa hundert Millionen Lichtrezeptoren sitzen, liegt die Anzahl der inneren Haarzellen im Innenohr nur bei etwa 3500. Und doch kann das Hören von Musik, kanadische Forscher haben das nachgewiesen, auf eine Weise die Ausschüttung von Endorphinen – von körpereigenen Glücksboten – stimulieren, wie es sonst nur Sex oder Drogen tun. Musikalische Aktivitäten zählen jedoch nicht nur zu den beglückendsten, sondern auch zu den komplexesten Leistungen, die wir vollbringen können. Allein um die beim Hören von Musik entstehenden Eindrücke zu verarbeiten, benötigen wir etwa hundert Milliarden Nervenzellen.

          Musik zu machen beansprucht ein kompliziertes Zusammenspiel sehr verschiedener Fähigkeiten. Der Gehörsinn, eine hochentwickelte Feinmotorik, eine sensible Körperwahrnehmung, das sichere Erfassen einer sich sequentiell entfaltenden Gesamtgestalt und die Verarbeitung von Emotionen sind gleichzeitig gefordert. So erstaunt es kaum, dass Wissenschaftler auf ihrer Suche nach der für die Verarbeitung von Musik zuständigen Hirnregion entdeckten, dass ein spezielles „Musikzentrum“ überhaupt nicht existiert. Moderne bildgebende Verfahren wie die funktionelle Kernspintomographie zeigen vielmehr, dass Musik die unterschiedlichsten Hirnregionen gleichzeitig aktiviert: Areale, die für die bloße Tonwahrnehmung zuständig sind, ebenso wie Bereiche, die die Motorik steuern oder die räumlich visuelle Wahrnehmung. Neueste Forschungen haben zudem gezeigt, dass an der Verarbeitung von Musik auch das sogenannte Broca-Areal beteiligt ist, eines der beiden Sprachzentren. Ja, es scheint beinahe, als wäre das gesamte Gehirn involviert, wenn wir uns mit Musik beschäftigen.

          Musik als stärkster Reiz für neuronale Umstrukturierung

          Entscheidender noch ist die Feststellung, dass Musik nicht in jedem Kopf auf die gleiche Weise repräsentiert wird: Wenn sich ein musikalisch ungeschulter Laie ein spätes Beethoven-Quartett anhört, werden dabei andere und weniger Bereiche in seinem Gehirn aktiv, als es bei einem professionellem Musiker der Fall ist. Die Unterschiede prägen sich sogar strukturell aus: Forscher der Universität Jena haben in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School in Boston herausgefunden, dass sich die Gehirne von Berufsmusikern anatomisch auffällig von jenen der Nichtmusiker unterscheiden. Bereiche, die für das Hören, das räumliche Sehen und das Umsetzen von Bewegung zuständig sind, sind bei Musikern deutlich vergrößert. Die dreidimensionalen Hirnlandschaftsaufnahmen der Magnetresonanztomographen zeigen außerdem, dass der Balken zwischen rechter und linker Gehirnhälfte, das sogenannte Corpus callosum, kräftiger ausgebildet ist. Schließlich verfügen Musikerhirne auch über mehr graue Substanz. Und der Heidelberger Neurowissenschaftler Peter Schneider entdeckte bei Berufsmusikern sogar instrumentenspezifische Unterschiede in einer bestimmten Hörregion der Großhirnrinde, der so genannten Heschlschen Querwindung. Bis zu 130 Prozent größer sei der Hörkortex bei Musikern und die Nervenzellen doppelt so aktiv wie bei Laien, sagt er. Mit seiner Beobachtung, es handle sich um möglicherweise angeborene, vermutlich nicht veränderbare Strukturen, steht Schneider allerdings alleine da. Denn gerade im Bereich der Musik ist die hohe Plastizität des Gehirns immer wieder erforscht worden.

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