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F.A.Z.-Serie: Gehirntraining : Eine betörende Flucht aus der Gedankenflut

  • -Aktualisiert am

Konzentrieren Sie sich und finden Sie heraus, welches Symbol auf beiden Tafeln erscheint. AUFLÖSUNG AM ENDE DES ARTIKELS! Bild: New Scientist

Wer meditiert, will seinen Geist beruhigen und entspannen. Die Übungen bewirken aber den neuesten Befunden zufolge noch viel mehr: Wer still sitzt und sich konzentriert, der bringt gezielt einige Hirnareale auf Trab.

          Ist es denkbar, dass unser Gehirn allein durch die andauernde Konzentration auf einen einzelnen Moment, auf einen bestimmten inneren Bewusstseinszustand, irgendwie profitieren könnte? Dass es womöglich beim stillen Sitzen reift oder gar an Volumen zulegt? Mit anderen Worten: Könnte es sein, dass man mit Meditationen etwas Ähnliches erreicht wie mit intensiven Lern- oder Bewegungsübungen? Die alte indische Philosophie zumindest lehrt, dass man durch das Meditieren in der Tat die Gesunderhaltung des eigenen Geistes fördern kann.

          Dabei geht es nicht nur um körperliche Entspannung. Es sind in erster Linie jahrhundertealte Praktiken, die zum Ziel haben, die menschliche Psyche durch systematische Sebstbeobachtung besser zu verstehen und zu stärken. Warum sollte sich nicht auch die moderne westliche Psychologie dieser uralten Erkenntnisse bedienen und mit ihren Mitteln nach den offenkundig positiven Effekten der Meditation im Kopf suchen? Seit etwa zehn Jahren geht die Hirnforschung dieser Frage tatsächlich intensiver denn je nach, nicht zuletzt am Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen, wo wir von Beginn unserer Meditationsstudien der Frage nachgegangen sind, wie sich Meditationstraining auf die Funktion und Struktur des Gehirns auswirkt. Welche Spuren, außer dem gefühlten Glück, finden wir im Kopf?

          Intensiveres Erleben

          Die von uns in Gießen hauptsächlich untersuchte Meditationstechnik ist die Achtsamkeitsmeditation. Achtsamkeit wird trainiert, indem die Probanden ihre Empfindungen, die im gegenwärtigen Moment spontan auftreten, in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Die Meditierenden üben dabei, diesen Empfindungen eine wohlwollende und akzeptierende Haltung entgegenzubringen. Die Ausrichtung auf das Hier und Jetzt verhindert ein „Wegdriften“ in Erinnerungen und Grübeleien. Viele, die das beherrschen lernen, stellen fest, dass sie die Umwelt und die eigene Person anders erleben. Sie berichten, dass Meditieren ihren Alltag verändert, dass sie mit ihrer Aufmerksamkeit und ihren Gefühlen kontrollierter umgehen, dass sie sie intensiver erleben. Viele sind überzeugt, Körperempfindungen sensibler wahrzunehmen.

          Bild: New Scientist

          In der Schule bekommen wir das nicht beigebracht. Wir sind hierzulande weit davon entfernt, solche Fertigkeiten zu kultivieren. Umso mehr erleben es diejenigen, die es mit der Meditation ernsthaft versuchen, als etwas Bereicherndes. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Meditationstechniken zunehmend und mit gutem Erfolg auch in psychotherapeutische Behandlungen integriert werden. Was aber passiert dabei im Kopf?

          Veränderung durch Wiederholung

          Bei jeder Tätigkeit, die wir ausüben, ist unser Gehirn aktiv. Und je öfter wir sie ausüben, desto leichter und routinierter absolvieren wir diese Tätigkeiten. Heute wissen wir, dass durch die Wiederholungen die entsprechenden Strukturen im Gehirn verändert werden. Das scheint bei den Meditierenden nicht grundlegend anders zu sein. In mehreren Studien haben wir in den letzten Jahren die neurologischen Prozesse untersucht, die diesen Veränderungen zugrunde liegen. Die Ergebnisse dieser Studien untermauern die Feststellung, dass das mentale Training zu Verbesserungen kognitiver Funktionen führt und mit Veränderungen in der Architektur bestimmter Hirnareale einhergeht.

          Die Kollegin Amishi Jha von der Universität in Pennsylvania hat gezeigt, dass verschiedene Aufmerksamkeitsnetzwerke durch Meditationsübung trainiert werden. Sie konnte zeigen, dass geübte Meditierende im Vergleich zu den ungeübten Versuchsteilnehmern eine bessere Leistung im Ausblenden von ablenkenden Störreizen aufweisen. Ihre Konzentrationsfähigkeit wächst, ein angepeiltes Ziel kann leichter verfolgt werden. Eine der Hirnregionen, die diese Aufmerksamkeitsfunktion unterstützt, ist der sogenannte anteriore cinguläre Kortex. Vermutlich kann die Aktivierung dieser Region durch wiederholtes Üben regelrecht trainiert werden. Und tatsächlich fanden wir in einer Gießener Studie mit dem Kernspintomographen, dass Meditierende dort eine stärkere Aktivierung aufweisen als ungeübte Kontrollpersonen.

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