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Veröffentlicht: 12.03.2009, 11:28 Uhr

Marie-Monique Robin: Mit Gift und Genen Hauptsache, wir haben mal darüber geredet

Verdacht ist gut, aber Fakten braucht es auch: Marie-Monique Robin weiß von Beginn an, dass der Agrarkonzern Monsanto ein gentechnischer Bösewicht ist. Statt investigativer Recherche liefert sie ein gesinnungsethisch instrumentiertes Firmenportrait.

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© Deutsche Verlags-Anstalt

Das Beste, was man über dieses Buch sagen kann, ist unter dem Strich auch das Schlechteste daran: der Zeitpunkt seiner Veröffentlichung. Dass gerade jetzt, da sich Deutschland unter der geistigen Führung einer christlich-sozialen Landwirtschaftsministerin und ihres christlich-sozialen bayrischen Parteichefs – ihrem Vorgänger im Agrarministerium – anschickt, zur gentechnikfreien Zone zu werden, dass also just in diesem Moment ein solches „Enthüllungsbuch“ von einem vielen als konservativ geltenden ehemaligen Münchener Verlag auf den Markt geworfen wird – riecht das nicht förmlich nach einer Verschwörung der Schwarzen? Ein Gedanke, der von Marie-Monique Robin stammen könnte. Wenn er nicht gegen sie selbst gerichtet wäre. Absurd genug wäre er jedenfalls. Und eine gewisse innere Logik kann, selbst von außen betrachtet und mit etwas passender Empirie unterfüttert, für eine Autorin wie sie schon Grund genug sein, solch kühnen Gedanken laut auszusprechen. Denn Robin ist schließlich Investigativjournalistin.

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Die Französin, Ende Vierzig und Dokumentarfilmerin über südamerikanische Todesschwadronen und Guerrilleros, hat sich drei Jahre lang an die Fersen des amerikanischen Agrarkonzerns und „Fast-Monopolisten“ Monsanto geheftet. Ihre Rechercheergebnisse wurden vor einem Jahr unter dem Titel „Monsanto – Mit Gift und Genen“ in Arte ausgestrahlt. Und das Buch mit dem fast gleichnamigen Titel enthält nun, kommentiert und erweitert um eine Reihe brisanter Details, ebendiese Geschichte ihrer Recherche. Einen Thriller darf man es guten Gewissens nennen. Vielleicht sogar ein politisches Enthüllungsbuch.

Planvolles Filtrieren der Fakten führt direkt in die Verschwörungstheorie

Robin hat die strategischen Netze, die der mit Skandalen geschlagene ehemalige Chemiekonzern schon vor Jahren von St. Louis aus über Washington geworfen hat, mühsam aufgedröselt. Offensichtlich wurde zwischen Ministerien, Zulassungsbehörden und dem Konzern das Personal hin- und hergeschoben. Doch Stimmen und Beobachtungen aus dem Hause Monsanto selbst, Aussagen von den Vorgesetzten der 17 500 Angestellten in sechsundvierzig Ländern weltweit, fehlen ihr dabei. Monsanto hat Robins Wunsch nach Interviews abgelehnt. Ein paar ehemalige Firmenangestellte, Verbindungsleute zu den Ministerien, Politiker, deren Interessen man oft nicht erfährt oder im Gegenteil wegen ihrer weltanschaulichen Positionen leicht erraten zu können meint – da kommt schon einiges an Belastungsmaterial zusammen. Aber nie wird man das Gefühl los, dass viele der bloßgelegten Seilschaften auch vielleicht ganz banale Stellenverschiebungen sind, so wie Vorstandschefs heute mal hier und mal da und dann wieder anderswo – aber immer an der Spitze – Unterschlupf finden.

Ein ungutes Gefühl stellt sich mit zunehmendem Verlauf der Lektüre vor allem deshalb ein, weil die akribischen Recherchen im politisch-ökonomischen Milieu, die überwiegend aus frei im Internet zugänglichen Quellen schöpfen und vor allem Monsantos „Fähigkeit zur Infiltration“ dokumentieren sollen, zusehends aufgeblasen daherkommen. Die Fakten wirken zusammengezimmert, die Zeugenzitate halb so verfänglich wie von der Autorin insinuiert. Der Gipfel dieses planvollen Filtrierens der Fakten ist erreicht, wenn Robin die Erfindung der Gentechnik schlechthin als „die große Intrige“ der Agrarlobby aufzudecken versucht.

Kein Interesse an glaubwürdigen Zeugen

Die Chronologien zur Entwicklung der Biotechnologie stimmen immerhin, grob jedenfalls. Doch wer auch nur einen bescheidenen Einblick in den Wissenschaftsbetrieb schon der frühen Jahre der grünen Gentechnik hat – und erst recht, wer sie in ihrer heutigen Form kennt –, durchschaut leicht jeden ihrer Versuche, den Fortschritt auf diesem Gebiet generell als eine Weltverschwörung böswilliger Forscher zu entlarven.

Pathetisch wird die Moralkeule geschwungen: Da „setzt der Mensch in seinem Bestreben, die Natur zu unterwerfen, Kriegstechnologie ein, um Zellen zu zwingen, Gene anderer Herkunft zu akzeptieren“. Und die Zauberlehrlinge sind Marionetten, ausnahmslos: „Das Unternehmen begriff, dass es, wenn es seinen Einfluss geltend machen wollte, die Wissenschaftler unter Kontrolle bekommen musste.“

Genau deshalb enttäuscht das Buch, weil die Autorin am Ende ihre Weigerung, sich unvoreingenommen auf die Motive und die durchaus ernsthaften Sicherheitsdiskussionen jenseits ihrer Monsanto-Unterwelt einzulassen, nicht aufgeben will. Marie-Monique Robin hat weniger Interesse an glaubwürdigen Zeugen als an der Widerspruchsfreiheit ihrer Weltanschauung. Deshalb ist daraus auch kein Buch über die grüne Gentechnik geworden, sondern ein gesinnungsethisch instrumentiertes Firmenporträt.

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