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Exil-Ausstellung in Berlin Letzte Zuflucht Mexiko

Er rettet tausenden Menschen das Leben: Ein Ausstellung in der Akademie der Künste ehrt den Diplomaten Gilberto Bosques, der Anfang der 1940er Jahre Anna Seghers, Walter Janka, Hanns Eisler und vielen anderen die Flucht nach Mexiko ermöglichte

© Katalog/Privatarchiv Renata von Hanffstengel Vergrößern Gilberto Bosques in Marseille, um 1941

“Damals hatten alle nur einen einzigen Wunsch: abfahren. Alle hatten nur eine einzige Furcht: zurückbleiben.“ So beschreibt die Hauptfigur in Anna Seghers’ Roman „Transit“ die Lage in Marseille Anfang der vierziger Jahre. Die Stadt am Mittelmeer war zu einem Sammelbecken von Menschen geworden, die vor den Nazis auf der Flucht waren, darunter Politiker, Künstler und Intellektuelle. Viele von ihnen hatte es wenige Jahre zuvor nach Frankreich verschlagen, etwa ins weltoffene Paris oder nach Sanary-sur-Mer. Doch im Mai 1940 war die deutsche Wehrmacht nach Westen vorgerückt, und nur etwa einen Monat später wehten die Hakenkreuzfahnen über den Dächern von Paris. Aus ganz Frankreich zogen nun die Flüchtlinge, immer in Gefahr, entdeckt zu werden, nach Süden in die unbesetzte Zone. Denn nur von Marseille aus gab es noch Rettung, nur hier konnte es gelingen, SS und Gestapo zu entkommen. Mit dem Schiff, irgendwohin, nur raus aus Europa. Aber wie?

Anna Seghers, um 1945 © Katalog/Privatarchiv Anne Radvanyi Vergrößern Anna Seghers auf ihrer Dachterrasse, um 1945

Man brauchte französische Ausreisepapiere, die man allerdings nur erhielt, wenn man ein spanisches Transitvisum besaß. Doch dafür brauchte man einen gültigen Pass, den viele nicht hatten. Also einen fälschen lassen. Aber von wem, auf welchen Namen? Und wie kam man an das Einreisevisum für ein Land in Übersee? Denn ohne Einreisevisum kein Transitvisum für Spanien und Portugal, wo in Lissabon die großen Überseeschiffe ablegten. In dieser Zeit waren die Flüchtlinge auf Helfer mit Einfluss und Verbindungen angewiesen. Einem von ihnen, Gilberto Bosques, mexikanischer Generalkonsul in Marseille von 1940 bis 1942, heute weitgehend unbekannt, widmet der Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste und anderen Institutionen jetzt eine kleine, sehr gelungene Ausstellung.

Verdächtige Westemigranten

In ihrem Zentrum stehen, neben Bosques und seinem herausragenden Engagement, die von ihm geretteten deutschsprachigen Exilanten in Mexiko, darunter so prominente Namen wie Walter und Charlotte Janka, Hanns Eisler, Alexander Abusch, Kurt Stern, Franz Pfemfert, Anna Seghers. In Vitrinen in Form von Koffern liegen Fotos, Briefe, Visa, Pässe - Erinnerungsfetzen, die vom Schicksal der Exilanten zeugen. Oft konnten sie nur sehr wenige Habseligkeiten aus ihrem früheren Leben in die neue Heimat hinüberretten. Mexiko war besonders für kommunistische und sozialistische Intellektuelle eine letzte Hoffnung, denn die Einreise in andere Länder wurde ihnen aus politischen Gründen erschwert. Nach der Revolution hatte Mexiko sich geöffnet, und seit 1934 stand mit Lázaro Cárdenas ein Präsident an seiner Spitze, der eine aktive Politik gegen den Faschismus und auch gegen die Appeasement-Politik der Alliierten vertrat.

Nach der Niederlage der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg im Jahr 1939 versprach Cárdenas, jeden einzelnen vor Franco nach Frankreich geflohenen Spanier aufzunehmen und finanziell zu unterstützen. Besonders ihnen, aber auch all den anderen europäischen Flüchtlingen galt das Engagement von Gilberto Bosques in Marseille. Er stellte für 40 000 Menschen mexikanische Einreisevisa aus. Die Ausstellung im Foyer der Akademie der Künste berichtet von Bosques’ Einsatz, den Bedingungen in Marseille, vom Alltag und kulturellen Leben im mexikanischem Exil, von politischen Konflikten und von den großen, oft unerwarteten Problemen nach der Rückkehr nach Deutschland. So galten die Rückkehrer aus Mexiko in den fünfziger Jahre in der DDR oftmals als verdächtige „Westemigranten“.

Mehr zum Thema

Letzte Zuflucht Mexiko. Gilberto Bosques und das deutschsprachige Exil nach 1939. Akademie der Künste in Berlin. Bis 14. April. Der reichbebilderte Katalog kostet 20 Euro.

Quelle: F.A.Z.

 
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