Tradition versteht sich von selbst in Bayreuth. Sie geht auf Richard Wagner zurück und wurde dann in der Stiftungssatzung von 1973 festgeschrieben: „Festliche Aufführungen der Werke Richard Wagners“. Für die Bewahrung des traditionellen Moments steht auch die spezifische Klangarchitektur des Hauses und die Weitergabe der Leitung an die Nachkommen Richard Wagners seit nunmehr 125 Jahren.
An dieser Bestimmung wollen wir festhalten. Obwohl große Kunst keines „Alleinstellungsmerkmals“ bedarf, weil sie ihren eigenen geschichtlichen und ästhetischen Kosmos darstellt, stellt das Festspielkonzept Wagners ein musikgeschichtliches Unikat dar, an dessen Zielsetzungen nicht zu rütteln ist. Bayreuther Festspiele und Wagner sind identisch, die Erkennung des Profils dieser Festspiele in der Welt ist gewährleistet - weit mehr als etwa Mozarts Salzburg, das Ansbach Johann Sebastian Bachs oder das Halle Georg Friedrich Händels.
Das ist ein großer Vorteil gegenüber allen anderen Festspielen, bedeutet aber auch eine Gefährdung. In der Kunst ist es niemals mit Besitz und Sachwaltung getan, Kunst hat immer mit Phantasie, Neuschöpfung und Zukunft zu tun. Dies galt für Richard Wagner, der sein Festspielhaus und sein Festspielkonzept aus dem Geist seiner Kunst und seiner Zeit modelliert hat, dies gilt aber auch für diejenigen, die sein Haus in seinem Sinn führen wollen. Routine einerseits und Boulevardisierung und Kommerz andrerseits sind ein Verrat der Festspielidee Richard Wagners.
Problemstellung
Seit der Wiedereröffnung im Jahr 1951, seit den bahnbrechenden szenischen Innovationen durch Wieland Wagner und den Errungenschaften des modernen Regietheaters seit 1976 stellen sich heute neue und andere Probleme:
1.) Wie dem besonderen Status Bayreuths als erster Wagner-Bühne gerecht werden?
2.) Wie für eine lebendige Auseinandersetzung mit Wagners Werk stehen und Erneuerungen einleiten, ohne die Tradition zu gefährden?
3.) Wie die wirtschaftlichen Kapazitäten steigern, um dem erhöhten finanziellen Druck zu begegnen, den die Neustrukturierung der Verhältnisse nach Wolfgang Wagner erwarten lassen?
4.) Wie mit den allgemeinen Globalisierungstendenzen, die auch die Oper betreffen, umgehen? Bayreuth steht zwar allein auf Grünem Hügel, kann sich aber den Ansprüchen und Standards der „medialen Gesellschaft“ auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht entziehen.
„Erste Wagner-Bühne“
Unstreitbar haben andere Wagnerbühnen in den letzten Jahrzehnten gegen Bayreuth Position bezogen - u.a. im Frankfurt der Ruth Berghaus, im Brüssel Herbert Wernickes, im Stuttgart Klaus Zeheleins. Dies gilt es wettzumachen. Bayreuth muss sich wieder die Vorreiter-Rolle in der internationalen Wagnerinterpretation zu verschaffen. Bayreuth muss den maßgeblich „besten“, den gegenwärtigen Wagner bieten. Bayreuth muss leisten, was andere Häuser kaum vermögen. Das ist schwierig: die spezifischen Wagner-Sänger und -Sängerinnen sind keineswegs dicht gesät, überall treffen wir auf dieselben Star-Dirigenten und -Regisseure. Nicht dass Bayreuth von diesem internationalen Karussell abspringen könnte, aber es kann aufgrund seiner privilegierten Festival-Situation die Mitarbeiter besonders sorgfältig aussuchen und die Musiker/Regisseure phantasievoll kombinieren, kann Talente entdecken und sie pflegen, vor allem aber eine intensive und durchdachte Aufführungstradition schaffen.
Besondere Pflege braucht der Wagnergesang. Hochqualifizierte Studienleiter, Korrepetitoren und die Dirigenten selbst sind für eine stilistische Schulung des „singenden Schauspielers“, wie Wagner ihn wollte, verantwortlich, die internationale Sänger-Riege ist auf ein homogenes Klang- und Sprachbild der Wagner-Interpretation einzuschwören.
Die Wahl des „Sängertypus“ steht außerdem in engem Zusammenhang mit dem Charakter eines Aufführungskonzeptes. Vorherige Absprachen mit dem jeweiligen Regisseur und dem Dirigenten sind hier vonnöten - nicht die Agenturen übernehmen die Besetzung, wie heute oft üblich. Ebenso abhängig von Absprache und Koordination ist das Verhältnis zwischen Bühne und Orchester. Es muss darauf geachtet werden, dass Regisseur und Dirigent „am selben Strang ziehen“, muss gewährleistet sein, dass der Musiker, Szeniker und die Dramaturgie sich vorher auf ein gemeinsames Konzept einigen und es frühzeitig und gemeinsam ausarbeiten. Bühne und Orchester dürfen in ihren Zielsetzungen nie auseinanderfallen. Das verlangt die Idee des „Gesamtkunstwerkes“.
Qualitätsmaßstäbe und „Werkstatt“- Gedanke
Das Regietheater ist mit wechselnden Erfolgen längst in Bayreuth eingezogen und das ist prinzipiell gut so, insofern das Regietheater gegen Routine und immergleiche Lesarten eines Werkes zu Felde zieht. Wagner hat sich als „Zukunftsmusiker“ verstanden und wir müssen bereit sein, seine Werke mit den Augen von heute zu betrachten. Sie sind vielschichtig genug und gewinnen dabei neue Aktualität.
Doch auch im Regietheater haben sich inzwischen Qualitätsmaßstäbe herauskristallisiert. Die „Provokation“ um ihrer selbst willen ist lächerlich und passé, das „Neue“, nur weil es „anders“ ist, keine aufregende Wagner-Deutung. Die Substanz der Wagnerschen Werke muss erarbeitet werden. Sich hier auszukennen, erfordert viel Erfahrung und eine internationale Kenntnis der Künstler und Interpreten, des internationalen Theaters überhaupt.
Der von Wieland Wagner erfundene und gegen das alte Vorkriegs-Bayreuth polemisch eingesetzte „Werkstatt“-Begriff sollte einer genaueren Prüfung unterzogen werden: Bayreuth ist keine Ausbildungsstätte für halbe Anfänger oder Hasardeure, die den Werkstatt-Begriff dazu benutzen, um ihre unfertigen Leistungen damit zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Diese Art der „Werkstatt“- Ideologie ist vorbei, weil ein Gralshüter-Bayreuth alten Schlages längst nicht mehr existiert. Wie kein anderes Theater auf der Welt bietet Bayreuth sowohl die zeitlichen als auch materiellen Dimensionen, um einem künstlerischen Auftrag verantwortungsvoll nachzukommen. Sonst ist die angestrebte „Vorreiter“- Rolle bloßes Wunschdenken.
Der „Werkstatt“-Gedanke ist deshalb aber nicht aufzugeben. Er muss nur an anderer und deklarierter (!) Stelle realisiert werden. Wir plädieren für eine „Off-Season“ am Pfingstwochenende, für einen „Wagner tomorrow“: Hier sind junge Künstler aufgerufen, die Wagnersche Idee des Gesamtkunstwerks und des Bayreuther Raumklangs mit ihren Mitteln weiterzudenken, im Sinne Wagners mit multimedialen Formen zu arbeiten. Eine Werkstatt dieser Art kann durchaus auch junge „workshop“-Orchester einbeziehen. Die Auswahl der Künstler kann in Form von Ausschreibungen über die Musik- und Kunsthochschulen laufen oder in Form von Wettbewerbs-Siegerehrungen (wie z.B. beim Wagner-Forum Graz).
Damit wäre einer Mission Bayreuths, sich um die „Zukunft des Gesamtkunstwerks“ zu kümmern, in schöpferischer Form nachgekommen und zugleich ein Anlaufplatz für junges Publikum geschaffen. Wer im Pfingsten-Bayreuth war, wird auch ins Sommer-Bayreuth gehen, die „Hemmschwelle“ ist abgebaut.
Nachwuchspflege
Zweifellos aber hat sich Bayreuth auch um eine Pflege des künstlerischen Wagner-Nachwuchses zu bemühen. Nun ist ein Festival aber keine Musikhochschule, auch keine Elite-Musikhochschule. Für produktiver als eine real kaum durchführbare und zudem kostspielige „Wagner-Akademie“ halten wir das Modell einer „opéra en création“, wie es z.B. beim Festival in Aix-en-Provence erfolgreich praktiziert wird: Ausgewählten jungen Komponisten, Schriftstellern, Regisseuren, Choreografen, bildenden Künstler wird ein Einblick in die Vielfalt der Prozesse vermittelt, die zum Entstehen einer Opernaufführung nötig sind. Mit der Ausrichtung an einem solchen Modell nehmen wir auch die Tradition jener „master-classes“ auf, die Friedelind Wagner ins Leben gerufen und jahrzehntelang in Bayreuth durchgeführt hat: eine Hommage an diese wunderbar engagierte Enkelin Richard Wagners! Finanziell sollte diese Form der Nachwuchspflege von den Wagnerverbänden getragen werden. Eine enge Anbindung an das Jugendfestspieltreffen erscheint uns selbstverständlich.
Bayreuther Dramaturgie
Um Tradition und Innovation in lebendiger Balance zu halten, braucht Bayreuth eine Dramaturgie. Eine Dramaturgie hat es in Bayreuth bisher nicht gegeben. Erbaut wurde das Festspielhaus, um den „Ring“ als Gesamtaufführung zu ermöglichen, für die Bayreuther Akustik allerdings wurde nur der „Parsifal“ komponiert. Nur hier stimmt der Klang im Sinn der Vorstellung des Komponisten. Die anderen Werke hinzuzunehmen, beginnend mit dem „Holländer“, über „Tannhäuser“, „ Lohengrin“, „Tristan“ zu den „Meistersingern“ hat erst Wagners Witwe beschlossen. Sie musste einen „Spielplan“ erstellen, um das Theater lebensfähig zu machen.
Wenn die Witwe sich die Freiheit nahm, Werke zuzulassen, die nicht für den berühmten Bayreuther Mischklang geschaffen wurden, die streng genommen, in Bayreuth „falsch“ klingen, so müssen die Nachkommen hier anknüpfen, Cosimas Freiheit im Umgang mit dem „Ring“- und „Parsifal“-Haus weiterführen. Die „Feen“, das „Liebesverbot“ und vor allem der „Rienzi“ sollten gezielt aufgeführt werden. Was nicht heißt, dass sie, wie alle anderen Werke, fünf Jahre lang beibehalten werden müssen. Während das Standard-Repertoire jedoch durchs Regietheater nahezu ausgereizt erscheint, müssen die frühen Werke noch die Probe auf ihre Tauglichkeit heute bestehen. Die ungeheure Entwicklungsfähigkeit Wagners dürfte, erlaubt man den Bogen zwischen Frühwerk und Reifezeit, sichtbar werden. Aufregend zu sehen, wie sich eine Thematik, die wir aus dem „Parsifal“ kennen, schon im „Liebesverbot“ zeigt. Die gängige Praxis, gewisse Vorstellungen im „Paket“ anzubieten, dürfte sich hier bewähren.
In jedem Falle aber sollen bis zu zwei Neuinszenierungen in jeder Saison stattfinden. Insbesondere sollen die bisher üblichen premierenlosen Spieljahre im zeitlichen Umfeld des „Rings“ durch geeignete haushaltswirtschaftliche Dispositionen vermieden werden.
In einem Beiprogramm - außerhalb des Festspielhauses - sollten vermehrt Einführungen, Symposien, Gesprächsrunden, musikalische, literarische, philosophische, dramaturgische und ideengeschichtliche Erläuterungen zum Werk Richard Wagners stattfinden. Namhafte Wissenschaftler und Künstler übernehmen die Vermittlungsarbeit. Immer wieder ist aus dem Publikum zu hören, dass der „Koloss“ Wagner auf diese Weise leichter begreifbar wird. Sorgfältig komponierte Beiprogramme kommen dem unbestreitbaren Wissensbedürfnis des Publikums nach. Wer mehr „weiß“, versteht auch mehr und geht nicht unter im Strom des Wagnerschen Klangzaubers ...
Wirtschaft / Finanzen/ Medialisierung / Marketing
Aus verschiedenen Gründen ist davon auszugehen, dass der Finanzbedarf der Festspiele sich nach Wolfgang Wagner erhöhen wird. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Zusatzbedarf - aufgefangen durch die „Freunde“ - im letzten Jahr sogar gravierende Deckungslücken. Der Eigenfinanzierungs-Anteil wird aufgestockt werden müssen, denn es steht zu bezweifeln, dass die öffentlichen Geldgeber über ihre Drittelfinanzierung hinausgehen werden. Gleichwohl müssen diesbezüglich Anträge an den Bund, das Land und die Stadt gestellt werden.
Der Eigenfinanzierungs-Anteil kann folgendermaßen erhöht werden:
1.) Veränderte Kartenpolitik
2.) Mediale Nutzungen
3.) Erhöhte Einwerbung über Privatsponsoren (vor allem für das Pfingst-Wochenende)
Von den Maßstäben an internationalen Opernhäusern ausgehend, muss die Preisgestaltung in Bayreuth andere Wege gehen. Schon die notorische Differenz zwischen Angebot und Nachfrage gebietet es, die „Schere“ zu öffnen: Erhöhung der oberen Kategorien bei gleichbleibend niedrigen Sätzen für die unteren Kategorien. Bayreuth kann sich das erlauben, ohne die demokratischen Ideale Wagners zu verraten.
Die demokratischen Ideale Wagners können an anderer Stelle eingelöst werden - über eine erheblich verstärkte Medialisierung Bayreuths, über ein neues „Bayreuth für alle“. Ein solches Streben nach erhöhter Breitenwirksamkeit durch „Medien“ ist mit den demokratischen Idealen Wagners auf erstaunliche Weise kompatibel. Sein Traum vom totalen Bühnenerleben führte ohnehin schon ins Kino, der Illusionsraum des Bayreuther Hauses wurde in den - demokratischen - Lichtspieltheatern des 20. Jahrhunderts nur perfektioniert.
Über die verstärkte Medialisierung der Bayreuther Aufführungen können aber vor allem zusätzliche Gewinne für die Festspiele abgeschöpft werden.
a.) verstärkte Video/DVD -Verwertung der Bayreuther Aufführungen. Opernverfilmungen sind ein Wachstums-Markt! Auch die sog „Boutique-Firmen“ (mit garantierter Distribution) sind interessant..
b.) In dem sich rasch entwickelnden Medienmarkt sind weitere sinnvolle Verbreitungsmöglichkeiten zu überprüfen und zu evaluieren (Internet)
c.) Verträge mit einzelnen Film-Labels
d.) Medienpartnerschaften mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (Live-Mitschnitte ZDF / 3sat / arte), aber auch mit den Privatsendern, die im heutigen cross-over-Markt bessere Marketing-Arbeit leisten.
Auch über internationale Vermarktung ist in diesem Zusammenhang nachzudenken. Dabei müssen technisch moderne Wege gefunden werden, um der Gefahr durch digitale Raubkopien zu begegnen. (Die digitalen Verwertungen sind mit jenen Medienpartnern abzusprechen, die Geld einbringen.)
e.) Ausstrahlung der Bayreuther Eröffnungen an ausgewählten Plätzen, auch über Deutschland hinaus - insbesondere in jene europäischen Städte, in denen Wagner gelebt und gearbeitet hat. Das gebietet der „Europäer“ Wagner. Die Screens und die Beschallungen perfektionieren sich ständig.
f.) Live-Übertragungen einzelner Produktionen in die Kinos nach dem Vorbild der MET. (Keine Neuinszenierungen)
g.) TV: Möglichkeiten von Aufzeichnungen für die Eurovisions-Sendungen nachgehen. Die EBU ist mittels der Gesellschafter ins Boot zu holen.
h.) Die Festspiele benötigen ein neues Marketing-Konzept. „Wagner-Souvenirs“ haben eine lange Tradition. Es sollten saisonbezogene Produkte entwickelt und im Zusammenhang mit den Programmheften, Tonträgern und neuesten Wagner-Publikationen angeboten werden dürfen.
Non-profit Veranstaltungen / Profilierung für neue Zielgruppen:
a.) Public Viewing: Open-Air Direktübertragungen einzelner Aufführungen an ausgesuchten Plätzen in der Stadt: Freier Eintritt. Das Einbeziehen der Bayreuther Bevölkerung ist überfällig.
b.) Verstärkte Internet-Auftritte: Diskussions-Foren, Chat-Rooms, neue Formen des „downloadens“ ganzer Aufführungen sind zu beobachten.
Die Medialisierung - eine Gefahr für Bayreuth?
Bedeutet diese verstärkte Medialisierung, das „Bayreuth für alle“ einen Verlust der „Exklusivität“ Bayreuths?
Nein. Das „Alleinstellungsmerkmal“ Bayreuths wird bleiben, die Identität der Wagnerfestspiele nicht untergraben oder in Frage gestellt. Das Live-Erlebnis im historischen Haus und die Aura des Ortes sind durch nichts zu ersetzen, die Kostbarkeit und „Exklusivität“ dieses Erlebens wird sich, im Gegenteil, sogar steigern. Der Wert des „Dabeiseins“, des Besonderen, erhöht sich, Bayreuth wird als gesellschaftliches Forum nur gewinnen. Obendrein funktioniert ein in die Medien abgeleiteter Wagnertourismus als Bayreuth-Werbung. Was man medialisiert erlebt hat, weckt die Sehnsucht nach dem wirklichen Erlebnis an Ort und Stelle.
Bedeutet die verstärkte Medialisierung nicht eine Kommerzialisierung, Boulevardisierung, Vulgarisierung von Bayreuth?
Nein. Solche Gefahren werden von Bayreuth eher abgelenkt. Die aktuell eingerissene Boulevardisierung von Bayreuth durch die Aufwertung von Unterhaltungsstars und politischen Selbstdarstellern - beide stehen dem Kunstideal Wagners scharf entgegen! - kann nur so eingedämmt werden. Bayreuth hat jede Art von grenzwertiger Selbstvermarktung nicht nötig.
Die Medialisierung von Opernkunst ist heute selbstverständlich. Eine verstärkte Medialisierung Bayreuths darf deshalb nicht missverstanden werden als „Erneuerung“. Eine Erneuerung von Bayreuth in der komplizierter gewordenen gesellschaftlichen und künstlerischen Situation kann nur durch kreative Geister geschehen. Sie haben sich der Medien zu bedienen. Oder die Medien als schöpferische Mittel dort einzusetzen, wo sie künstlerisch Sinn machen - beispielsweise am Pfingst-Wochenende.
Dem Wagnerschen Gesamtkunstwerk als dem „Multimedium“ par excellence werden durch die neuen Medien neue Dimensionen erschlossen. Zugleich bleibt die „Weihestätte“ selbst in ihrer unvergleichlichen Aura und Tradition erhalten.
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Leitungsstruktur und Verteilung der Aufgaben/Kompetenzen
Eva Wagner-Pasquier hat sich aufgrund ihrer Ausbildung in Bayreuth selbst und ihrer jahrzehntelangen Arbeit in den großen internationalen Opernhäusern besondere Eignung fürs Opern-Management erworben. Zusätzlich dazu hat sie sich auf Operngesang spezialisiert.
Nike Wagner hat sich durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu den Werken Wagners profiliert und ist seit nunmehr fünf Jahren die künstlerische Leiterin eines bedeutenden Festivals in Weimar mit dem Schwerpunkt Musik.
Eva Wagner-Pasquier würde ihre internationalen Verbindungen für Bayreuth fruchtbar machen. Ihr obläge das Management des Hauses und die künstlerische Umsetzung. Nike Wagner würde die Außendarstellung der Festspiele in der Öffentlichkeit und die dramaturgisch-konzeptuelle Arbeit übernehmen.
Für die Besetzung der Sänger/Sängerinnen sollte in erster Linie Eva Wagner-Pasquier verantwortlich zeichnen. Die Wahl der Dirigenten und Regisseuren geschieht gemeinsam.
Ein Geschäftsführer übernimmt die kaufmännischen und ein technischer Direktor die technischen Obliegenheiten.
In Absprache mit dem Kuratorium der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth werden neue Wege der Einwerbung von finanziellen Mitteln gesucht. Die Formen des bisherigen Sponsoringsystems müssen erweitert werden.
Eine künstlerische „Doppelspitze“ aus den Töchtern von Wieland und Wolfgang Wagner, den Begründern Neubayreuths, würde die familiären Linien auf ideale Weise zusammenführen. Das ist für das Image Bayreuths unschätzbar. Kontinuität wäre gewahrt. Beide entsprechen aber nicht nur aufgrund ihres „richtigen Blutstropfens“, sondern vor allem durch ihre fachliche Eignung und ihre langjährigen Erfahrungen in Oper, Kunst und Kultur den Erfordernissen, wie sie durch die Stiftungssatzung formuliert wurden.
Hinweise zum gemeinsamen Konzept
Urheberschaft von Programm-Ideen: Wir möchten darauf hinweisen, dass in dem Konzept Nike Wagners, dem Stiftungsrat vorgelegt im Jahr 2000, drei Programmpunkte aufgeführt sind, die zunächst mit dem Partner Peter Ruzicka, nach dessen Aussteigen zugunsten der Leitung der Salzburger Festspiele dann mit Elmar Weingarten, damals Intendant der Berliner Philharmoniker, verwirklicht werden sollten. Es handelte sich um die Wiedergewinnung der „Vorreiter“-Rolle Bayreuths, um die Programmierung von zwei Premieren pro Spielzeit und um die verstärkte mediale Nutzung der Festspiele, u.a. die Open-Air-Veranstaltungen für die Stadt. Nun finden sich diese Programmpunkte in den öffentlichen Verlautbarungen als eigene Ideen des Gegenkonzeptes aufgeführt. Geistiges Eigentum mag „frei“ sein, man sollte dann aber auch so großzügig sein, die Quellen anzugeben.
Vorbehalt
Das vorliegende Konzept versteht sich als eine Skizze. Eine umfassende Ausführung und detaillierte Planung kann erst nach genauer Kenntnis der Wirtschaftslage und Auswertung der Finanzierungspläne der letzten Jahre sowie der Überprüfung bereits getroffener vertraglicher Vereinbarungen erfolgen, die uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugänglich sind. Insofern müssen einige der hier aufgeführten Punkte als „vorbehaltlich“ gelten.
Im März 2008