20.03.2004 · Newcomer Max hat namhafte Konkurrenten wie Sabrina Setlur, Laith Al-Deen und Scooter aus dem Feld geschlagen: Mit großer Mehrheit siegte der 22jährige beim deutschen Vorentscheid des „Eurovision Song Contest“ (ESC).
„Der Sieger heißt...Max.“ Als die Moderatoren Jörg Pilawa und Sarah Kuttner am Freitagabend den Gewinner des diesjährigen Vorentscheids für den Grand Prix ausriefen, stand die Berliner Arena Kopf. Der 22jährige Abiturient wird für Deutschland am 15. Mai in Istanbul singen und dort um die Pop-Krone im Eurovision Song Contest wetteifern. Seine Pop-Ballade „Can't Wait Until Tonight“ ging den Fans im Saal und den Fernsehzuschauern gleichermaßen unter die Haut. 92 Prozent der Zuschauer stimmten im Finale für den sympathischen Sänger aus Waldshut in Baden-Württemberg.
Auf den zweiten Platz schaffte es überraschend das Techno-Überfallkommando Scooter mit dem Song „Jigga Jigga“. Mit Feuerwerk-Fontänen, spärlich bekleideten Gogo-Girls und einer gewohnt schrillen Bühnenshow gaben die Hamburger stampfende Beats zum Besten. Obwohl die Band um Frontmann H.P. Baxxter schon mehr als zehn Millionen Tonträger in 30 Ländern verkauft hat, sind die drei Jungs vor allem den Techno-Jüngern ein Begriff.
Abgeschlagen: Mia
Max überzeugte seine zahlreich angereisten Fans nicht nur durch seine ungewöhnliche Stimme, sondern auch durch Ausdruck. In schwarzem Rollkragenpullover und mit geschlossenen Augen gab er sich ganz seiner Liebesballade hin. Im Saal gingen die Feuerzeuge an. Der Abiturient hatte sich bei einer Casting-Show von Comedy-Star Stefan Raab mit seiner bluesigen Stimme durchgesetzt. Raab, Mentor und Stückeschreiber von Max, hält seinen Schützling für die „Sensation des Jahres“, wie er nach der Show verkündete. Max dagegen war noch immer überrascht über so viel Ehre: „Ich dachte überhaupt nicht, daß ich gewinne.“ Als er gehört habe, daß Scooter im Finale sei, „hab ich gedacht, in Deutschland ist alles möglich“, setzte Raab noch eins drauf. Das Erfolgsgespann Stefan und Max will auch künftig zusammen arbeiten und neue Projekte realisieren. Doch zuerst will Maximilian Mutzke, wie er mit vollständigem Namen heißt, sein Abitur genauso erfolgreich wie die Musik über die Bühne bringen. „Das hat Priorität“ verkündete er.
Abgeschlagen auf den weiteren Plätzen landete die Berliner Punk-Band Mia, die zuvor auch zu den Favoriten gezählt wurde. Die Musiker und Sängerin Mieze im rosa Kleid heizten dem Publikum mit ihrem Lied „Hungriges Herz“ ordentlich ein. Trotz großartiger Stimmung im Saal reichte es am Ende nicht für den Sieg. Zu den bekanntesten Teilnehmern gehörte ohne Zweifel die ruppige Rapperin Sabrina Setlur. Die einst zur erotischsten Frau Deutschlands gekürte Frankfurterin wollte auf dem Song Contest ein musikalisches Comeback feiern. Doch eher lieblos und gelangweilt kam ihr Titel „Liebe“ in Berlin daher. Keine Chance gegen Max hatte auch Laith-Al-Deen. Der Mannheimer mit der samtigen Stimme brachte dem Publikum zwar Gänsehaut, bekam aber nicht genügend Punkte für den Sieg zusammen. Den wohl skurrilsten Auftritt legten die Discjokeys von Westbam and Afrika Islam hin. Mit Polizeigewalt ließen sie sich von der Bühne abführen.
Grand Prix wurde gründlich entstaubt
Eigentlich sollte in diesem Jahr alles anders werden beim Grand Prix, der jetzt offiziell Song Contest heißt. Alles, nur kein Schlager, so lautete das Motto. Der alte Grand Prix war in die Jahre gekommen. Der Song Contest solle moderner und international konkurrenzfähiger sein, verkündete NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer. Doch trotz aller Neuerungen und Regeländerungen: Gleich geblieben ist die Abstimmung durch das Publikum. Per Telefon oder SMS konnten die Fernsehzuschauer ihren Favoriten küren. Ein wenig Trost für alle Anhänger des herkömmlichen Grand Prix: Ralph Siegel bleibt dem Schlagerpublikum erhalten. Nach Zeitungsmeldungen will der Schlagerproduzent die Teilnehmer aus Malta beim Song Contest betreuen und damit zum Sieg führen.