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Sonntag, 12. Februar 2012
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Europäische Union Hintze, ach

15.06.2008 ·  Peter Hintze fiel bisher vor allem durch seinen unablässigen Redefluss auf, der selten der Sache diente. Wo er den Mund auftat, kippte die Stimmung ins Bange und Bodenlose. Jetzt soll er EU-Kommissar werden. „Womit hat Europa das verdient?“

Von Christian Geyer
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Es gibt mal wieder Grund, über Peter Hintze zu reden. Es schien so schön still um diesen Blasebalg ewig heißer Luft geworden zu sein. Nun ist der notorische durch-dick-und-dünn-Diener als EU-Kommissar im Gespräch. Man glaubt es nicht. Als sei Europa nicht schon genug gebeutelt, als hätten nicht eben die Iren einen weiteren schweren Schlag ins europäische Kontor geführt, als sei man, was die Regierung Europas angeht, nicht dringend auf Spitzenpersonal angewiesen.

In Ermangelung einer starken europäischen Idee lässt man zu, dass Europa als Versorgungsanstalt für japsendes und plapperndes Bodenpersonal erscheint. Womit hat Europa Hintze verdient? Womit hat Hintze Europa verdient? Ist das europäische public viewing derzeit nicht schon trostlos genug? Uns verlorenen Gestalten, die da im Zeichen Europas vor den Flachbildschirmen frieren, die wir uns vor den Ösis fürchten und kleinmütig dem WM-Rausch vergangener Jahre nachsehnen - uns Zerzausten will man im Moment des größten Zitterns jetzt also den turbulenten Peter Hintze auf den europäischen Flachbildschirmen präsentieren. Wie weit glaubt man, den europäischen Bürger noch demütigen zu können?

Selbst die größten Defaitisten des politischen Betriebs hätten es nicht für möglich gehalten, dass die Hintzesche Unaufhaltsamkeit einmal bis nach Europa führen würde. Tatsächlich war das Unaufhaltsame seines Redeflusses bislang die zentrale politische Botschaft des Peter Hintze. Immer dann, wenn er auftauchte, kippte einem die Stimmung ins Bange und Bodenlose. Stimmung als Existential, nicht als Laune, die kommt und geht. Peter Hintze machte den Mund auf (um ihn dann nicht mehr zu schließen) - und die Welt kam als gegebene abhanden.

Sehe ich Hintze, dann droht mir der Verlust der natürlichen Selbstverständlichkeit, wie es ein (derzeit leider vergriffener) Buchtitel des Psychotherapeuten Wolfgang Blankenburg treffend bemerkt. Übermächtig wird mein Bewusstsein von dem, was fehlt. Eine Unwucht in meinem Getriebe bringt das, was eben noch rund lief, zum Eiern. Es folgt ein unruhiger Lauf, die Seelenmasse debalanciert, der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf der Drehachse. Im Blick auf Hintze scheint das Dasein Europas vergriffen. Politiker aller Länder, stoppt einen Unaufhaltsamen: Noch ist Zeit, Europa diese Unwucht zu ersparen.

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