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„Europäische Begegnungen“ in Berlin Sachzwang, Redekunst

A.L. Kennedy und Ingo Schulze lasen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europäische Begegnungen“ in der Akademie der Künste in Berlin. Trotz des einigenden Anliegens der Veranstalter zeigte sich hier vor allem eines: Differenz.

© dpa Ingo Schulze

Die Veranstaltungsreihe „Europäische Begegnungen“ ist eine Koproduktion der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung mit ihren Partnern in Dänemark, Schweden, Ungarn und England. Sie soll, wie es im Programmheft heißt, das am Mittwochabend in der Berliner Akademie der Künste auslag, „nationalen Verengungen“ entgegentreten und „ein Beispiel gelebter europäischer Kultur“ geben.

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Der Abend in Berlin gab aber dann vor allem ein Beispiel gelebter künstlerischer Differenz. Diese muss keine nationalen Gründe haben, sie kann, wie bei A.L. Kennedy und Ingo Schulze, ganz allein aus dem Schriftstellerischen, aus der Haltung des Schreibenden kommen. Schulze, als Berliner Akademiemitglied so etwas wie der Lokalmatador der Veranstaltung, hat einen Buchessay zur politischen Lage geschrieben, aus dem er auch las: „Gegen eine marktkonforme Demokratie - für demokratiekonforme Märkte“. Und die Schottin Kennedy schreibt einen Blog für den englischen „Guardian“, aus dem sie einen im letzten April erschienenen Eintrag vortrug: „Warum ich den Mythos vom leidenden Künstler hasse“. Zwei Proben literarischen Engagements. Und doch wie Tag und Nacht.

Politischer Kommentar hier, politische Literatur dort

Denn während Schulze mit seiner Schilderung einer Publikumsdiskussion in Portugal und des Denkprozesses, den sie in ihm ausgelöst hatte, einen Text zum Besten gab, in dem der Autor ganz und gar hinter den Staatsbürger und Leitartikler zurücktrat, beschrieb A.L. Kennedy in ihrem Blog eine Szene aus dem Leben. Sie hatte einen Filmproduzenten getroffen, der von van Goghs Wahnsinn und Tschechows Tuberkulose schwadronierte und davon, wie persönliches Unglück die künstlerische Inspiration beflügele. Und ihr waren die verarmten britischen Rentner eingefallen, die Überlebenden der Kriegsgeneration, die trotz allen Leids keine Oden und Oratorien schrieben, und ihre eigenen Schmerzen, die sie, wenn sie kamen, vom Schreiben abhielten. Sie schilderte das alles in einer einfachen, direkten, aber immer literarisch geformten Sprache. Und das machte den Unterschied. Ingo Schulze hat einen politischen Kommentar geschrieben. A.L. Kennedy schreibt politische Literatur.

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Vergleiche sind eine Krankheit, bei Kritikern wie Literaten, in Europa und anderswo. Deshalb als Fundstück dieses Abends, der von der bewährten literarischen Kanzlistin Sigrid Löffler mit bewährter Routine moderiert wurde, nur noch ein unvergleichlicher Satz von A.L. Kennedy: „Schreiben heißt, jemand anderem die Wahrheit mit Respekt zu sagen.“ Die Reihe wird fortgesetzt.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.01.2013, 17:35 Uhr

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