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Über Essen und Kleckern : Mensch gegen Sauce

Riskant: Weich und gewichtig sind die Pommes, farbintensiv ist der Ketchup. Bild: picture alliance / Arco Image

Ob Pasta oder Ketchup: Wie landet, was man isst, im Mund und nicht auf dem Hemd? Über die bewundernswerte Kunst der unfallfreien Gabelführung.

          Früher begann der Tag mit einer Schusswunde. Oder endete so. Und dabei ist es geblieben: Selten, dass ein Hemd mal Pasta ohne Saucenfleck übersteht oder eine Hose.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und die Versuche, diese Flecke dann durch panisches Aufspringen, In-die-Küche-Rennen, weiträumiges Auftragen von Spülmittel (hilft ja gegen Fett!) und hektisches Wässern und Einreiben zu entfernen, führen eben am Ende zu noch riesigeren, zu allem Überfluss dann durchweichten, dunkel triefenden Flecken, mit denen man sich aus der Küche zurück an den Tisch schleppt, geschlagen und gedemütigt und mit dieser Dartscheibe auf der Brust, jedes Mal die gleiche Geschichte vom Showdown zwischen dir und der Sauce: Zwölf Uhr mittags, nicht nur mittags.

          Und wenn es nicht Sauce ist, sind es Pommes, die vom Ketchup so schwer geworden sind, dass sie durchbrechen, kurz bevor sie im Mund landen. Stattdessen landen sie dann auf dem Knie. Oder Bratwürste, die vom Pappteller kullern, weil sie kein Halten kennen.

          Und der Fleck geht trotzdem nie raus, egal, wie man ihn wässert und reibt, und wenn er doch rausgeht, dann mit ihm die Farbe aus der Hose. Damit bliebe er dann für immer.

          Es gibt zwar Tricks: Manche spannen den Fleck über ein Glas, dann laufen Spülmittel und Wasser nicht über den runden Rand hinaus, der sich so bildet, aber dazu müsste man schon Hemd oder Hose ausziehen, und versuchen Sie das mal zur Rushhour im „Einstein“ oder dem „Fichtekränzi“.

          Es gibt einen Sketch von Olli Dittrich, da spielt er Manfred Hackenberg aus der Lüneburger Heide, der eines Morgens seinen Kaffee umstößt, und der Fleck auf seiner Tischdecke nimmt die Form von Roy Black an. Ein Wunder! Also nimmt er Eintritt.

          So was ist mir noch nie passiert. Was mir aber passiert ist, und das waren auch Meisterwerke: Linguini alla Checca auf himmelblauer Baumwolle, schon mit der ersten Gabel. Und etwas später, auf der gleichen Baumwolle: vietnamesische Erdnusssauce.

          Vielleicht sind Jackson Pollocks Drip-Paintings gar nicht innere Land-, sondern einfach nur Speisekarten? Oder die Fettecke von Beuys - doch nur Fettflecke in Formation? Es ist jedenfalls eine Kunst, unfallfrei zu essen, und ich bewundere jeden dafür.

          Freitagmorgen war es dann die Milchkanne. Bald nehme ich Eintritt.

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