Home
http://www.faz.net/-gqz-75lkp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.01.2013, 17:47 Uhr

Enke-Witwe klagt gegen Gorki-Theater Nachspiel auf der juristischen Bühne

Ein Berliner Theaterstück behandelt den Suizid des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke. Dessen Witwe geht jetzt juristisch gegen die Anverwandlung der Familientragödie vor.

© imago stock&people Szene aus dem inkriminierten Stück „demenz depression und revolution“ von Armin Petras

Teresa Enke, Witwe des 2009 gestorbenen Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke, geht mit Hilfe eines Rechtsanwalts gegen das Berliner Maxim Gorki Theater vor. Sie will verhindern, dass ihre Familientragödie auf der Bühne vermarktet wird. Anlass ist das neue Stück „Demenz, Depression und Revolution“ von Fritz Kater. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der scheidende Theaterchef Armin Petras. Das Stück habe Teresa Enke sehr verärgert, weil es sich ungefragt an der Enke-Biografie von Ronald Reng entlanghangele, sagte der frühere Manager des Torwarts, Jörg Neblung.

Mehrere Medien hatten berichtet, dass die 36 Jahre alte Witwe eine Klage gegen das Theater prüft. Der Torwart von Hannover 96 litt unter schweren Depressionen und nahm sich im November 2009 das Leben. Das am vergangenen Samstag uraufgeführte Stück „Demenz, Depression und Revolution“ besteht aus drei unabhängigen Teilen. Im Mittelteil geht es um einen depressiven Torwart, der schließlich Suizid begeht, und um die Frau an seiner Seite. Auch vom Tod des Kindes ist die Rede. Die herzkranke Tochter der Enkes war im Alter von zwei Jahren gestorben.

Verletzung des Privaten

Das Theater in Berlin teilte am Dienstag mit, dass sich Anwälte von Teresa Enke per Fax gemeldet hätten. „Zu den Inhalten des Schreibens können wir derzeit noch nichts sagen“, erklärte eine Sprecherin des Theaters.  „Es liegen eindeutig Persönlichkeitsrechtsverletzungen vor“, sagte Enkes Rechtsanwalt Heiko Klatt. Obwohl der Torwart aus dem Stück in Braunschweig lebt, sei die Familie Enke eindeutig zu identifizieren. Möglicherweise werde auch das Urheberrecht verletzt.

Der Berliner Henschel Schauspiel Theaterverlag, der die Nutzungsrechte des Stückes verwaltet, sieht indes keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Dies sagte Geschäftsführer Andreas Leusink. Die Film- und Aufführungsrechte der im Piper Verlag erschienenen Biografie liegen bei Teresa Enke. Dafür hatte sie in den Vertragsverhandlungen gesorgt. „Speziell so kurz nach dem Tod wollte Teresa Enke sichergehen, dass das Buch nicht ungefragt verfilmt, vertont oder aufgeführt wird“, sagte der Berater und Freund der Familie, Neblung. Eine Kommerzialisierung der Tragödie sollte verhindert werden.

Mehr zum Thema

Teresa Enke setzt sich mit der Robert Enke Stiftung für eine Enttabuisierung der Krankheit Depressionen und für herzkranke Kinder ein, möchte aber ihr Privatleben schützen.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reaktion auf Brief an Merkel Hacker greifen Webseite von Friedenspreisträger Kermani an

Durch einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, sich für die Menschenrechte in der Türkei einzusetzen, hat sich Friedenspreisträger Kermani zum Ziel von Hackern gemacht. Er gehört auch zu den Erstunterstützern der Kölner Botschaft. Mehr

23.01.2016, 12:03 Uhr | Feuilleton
Afrikanische Union Mugabe schläft bei Gipfeltreffen ein

Der simbabwische Langzeit-Präsident Robert Mugabe ist beim Treffen der Afrikanischen Union in Addis Abeba zunächst auf der Bühne eingeschlafen und danach auf dem Weg zum Rednerpult gefährlich gestolpert. Der 91-Jährige ist das weltweit älteste Staatsoberhaupt. Mehr

30.01.2016, 19:15 Uhr | Gesellschaft
Bilder von uns am Theater Bonn Können Sie nicht aufpassen, Mann!

Es beginnt wie ein Psychokrimi und stürzt seinen Protagonisten in eine Verwirrung, aus der er sich nicht befreien kann: Alice Buddeberg inszeniert die Uraufführung von Thomas Melles Missbrauchsdrama Bilder von uns am Theater Bonn. Mehr Von Andreas Rossmann

25.01.2016, 11:29 Uhr | Feuilleton
Berlin Jäger berichtet vor Innenausschuss

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger hat nach seinem Auftritt vor dem Bundestags-Ausschuss in Berlin die in der Kölner Silvesternacht eingesetzten Polizeibeamten in Schutz genommen. CDU-Politiker forderten ein Nachspiel im Düsseldorfer Landtag. Mehr

13.01.2016, 16:45 Uhr | Politik
Hirndegeneration Kann man Demenz verhindern?

Viele Alzheimer-Erkrankungen könnten mit verstärkten Präventionsmaßnahmen vermieden werden. Denn ein großer Teil geht auf sieben Risikofaktoren wie etwa Rauchen oder mangelnde Bewegung zurück. Mehr Von HILDEGARD KAULEN

05.02.2016, 17:43 Uhr | Wissen
Glosse

Hochhackig

Von Kerstin Holm

Ob man damit ein neues Publikum anzieht? Zumindest bringt man das Publikum dazu, sich hohe Schuhe anzuziehen: In Moskau gewährt eine Galerie freien Eintritt für Absätze über zehn Zentimetern. Mehr 3

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“