Home
http://www.faz.net/-gqz-75lkp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Enke-Witwe klagt gegen Gorki-Theater Nachspiel auf der juristischen Bühne

Ein Berliner Theaterstück behandelt den Suizid des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke. Dessen Witwe geht jetzt juristisch gegen die Anverwandlung der Familientragödie vor.

© imago stock&people Vergrößern Szene aus dem inkriminierten Stück „demenz depression und revolution“ von Armin Petras

Teresa Enke, Witwe des 2009 gestorbenen Fußball-Nationaltorhüters Robert Enke, geht mit Hilfe eines Rechtsanwalts gegen das Berliner Maxim Gorki Theater vor. Sie will verhindern, dass ihre Familientragödie auf der Bühne vermarktet wird. Anlass ist das neue Stück „Demenz, Depression und Revolution“ von Fritz Kater. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der scheidende Theaterchef Armin Petras. Das Stück habe Teresa Enke sehr verärgert, weil es sich ungefragt an der Enke-Biografie von Ronald Reng entlanghangele, sagte der frühere Manager des Torwarts, Jörg Neblung.

Mehrere Medien hatten berichtet, dass die 36 Jahre alte Witwe eine Klage gegen das Theater prüft. Der Torwart von Hannover 96 litt unter schweren Depressionen und nahm sich im November 2009 das Leben. Das am vergangenen Samstag uraufgeführte Stück „Demenz, Depression und Revolution“ besteht aus drei unabhängigen Teilen. Im Mittelteil geht es um einen depressiven Torwart, der schließlich Suizid begeht, und um die Frau an seiner Seite. Auch vom Tod des Kindes ist die Rede. Die herzkranke Tochter der Enkes war im Alter von zwei Jahren gestorben.

Verletzung des Privaten

Das Theater in Berlin teilte am Dienstag mit, dass sich Anwälte von Teresa Enke per Fax gemeldet hätten. „Zu den Inhalten des Schreibens können wir derzeit noch nichts sagen“, erklärte eine Sprecherin des Theaters.  „Es liegen eindeutig Persönlichkeitsrechtsverletzungen vor“, sagte Enkes Rechtsanwalt Heiko Klatt. Obwohl der Torwart aus dem Stück in Braunschweig lebt, sei die Familie Enke eindeutig zu identifizieren. Möglicherweise werde auch das Urheberrecht verletzt.

Der Berliner Henschel Schauspiel Theaterverlag, der die Nutzungsrechte des Stückes verwaltet, sieht indes keine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Dies sagte Geschäftsführer Andreas Leusink. Die Film- und Aufführungsrechte der im Piper Verlag erschienenen Biografie liegen bei Teresa Enke. Dafür hatte sie in den Vertragsverhandlungen gesorgt. „Speziell so kurz nach dem Tod wollte Teresa Enke sichergehen, dass das Buch nicht ungefragt verfilmt, vertont oder aufgeführt wird“, sagte der Berater und Freund der Familie, Neblung. Eine Kommerzialisierung der Tragödie sollte verhindert werden.

Mehr zum Thema

Teresa Enke setzt sich mit der Robert Enke Stiftung für eine Enttabuisierung der Krankheit Depressionen und für herzkranke Kinder ein, möchte aber ihr Privatleben schützen.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Psychiater-Gespräch Ein regelmäßiger Check der Psyche ist sinnvoll

Hätte man die Absichten des Kopiloten vorher erkennen können? Der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing ist skeptisch. Dennoch seien Psycho-Checks für Piloten sinnvoll. Mehr Von Joachim Müller-Jung

27.03.2015, 18:05 Uhr | Wissen
Steuertrick in Spanien Alte Pornoheftchen als Theater-Tickets

Zeitschriften werden in Spanien kaum besteuert, Theater-, Konzert- und Kinokarten trifft dagegen der volle Mehrwertsteuersatz- und die Besucher machen sich rar. Darum verkauft eine weibliche Schauspiel-Truppe in Madrid nun alte Pornohefte. Eintrittskarten für ihre Aufführungen spanischer Klassiker gibt es gratis dazu. Mehr

06.12.2014, 10:08 Uhr | Feuilleton
Theater Bloß keinen Koller kriegen

Es gibt in einem Jahr elf Premieren, viele Gaststpiele und dazu noch enges Proben und gemeinsames Wohnen: Die Theaterwelt im fränkischen Maßbach ist speziell. Mehr Von Daniel Schmitt, Bayernkolleg, Schweinfurt

20.03.2015, 14:03 Uhr | Gesellschaft
Paarungszeit der Hirsche Röhren und betören zur Brunft

Bühne frei heißt es im Oktober für die Damhirsche. Denn zur Paarungszeit veranstalten sie großes Theater, um ihr weibliches Pendant zu betören. Hören Sie selbst, wie sich das anhört. Mehr

31.10.2014, 19:20 Uhr | Rhein-Main
Was Sie heute erwartet Neue Studie zu Doping am Arbeitsplatz

Millionen Menschen in Deutschland dopen sich mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Mehr

17.03.2015, 07:08 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.01.2013, 17:47 Uhr

Ein Testfall

Von Fridtjof Küchemann

Die amerikanische Bildungsfirma Pearson will verhindern, dass ihre Eignungstests fürs College im Internet auftauchen. Daher überwacht sie Schüler in den sozialen Netzwerken. Die Öffentlichkeit ist empört. Mehr 6 8