26.11.2011 · Die Bundesregierung sucht einen Ort für das Endlager deutschen Atommülls, der Sicherheit für eine Million Jahre bietet. Eine Million Jahre. Wie absurd ist das genau?
Von Tobias MünchmeyerRichtlinien für Lesermeinungen
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Das erinnert mich an die 2°C-Initiative der Bundesregierung
die globalen Erderwärmung auf 2° Celsius gegenüber dem
vorindustriellen Niveau zu begrenzen.
(Nachdem Gott zum großen Teil abgeschafft wurde, versuchen sich
andere an dessen Stelle zu setzen.)
Die vom Autor erwähnten Uranisotope mit extrem langen Halbwertszeiten lagern natürlicherweise und ohne menschliches Zutun in großen Mengen in geologischen Lagerstätten. Vielleicht will Greenpeace demnächst auch gegen natürliche Uranlagerstätten und deren mangelnde Sicherheit protestieren? Und wo bleiben die Demonstrationen gegen die radioaktiven Abfälle aus der Medizin? Oder gegen hochgiftige Knollenblätterpilze, die ohne Warnschild an jeder Ecke wachsen? Das Lagerproblem ist definitiv schwierig, und auch ich sehe u.a. wegen des Giftabfalls die klassische Kernreaktortechnik probematisch, aber in anderen Bereichen werden Giftabfälle und der Umgangs mit giftigen Stoffen weit weniger problematisiert als in der Atomindustrie.
Nun ist der Autor Atomexperte bei Greenpeace und bringt hier einen
Beitrag, dem man im Prinzip nicht widersprechen kann. Trotz dieses
Umstandes kann er folgenden Satz nicht lassen:
"Das Schaudern verstärkt sich noch, wenn man bedenkt, dass ein
Endlager unter anderem auch mit folgenden Isotopen umgehen muss:
Jod-129: 16 Millionen Jahre Halbwertszeit, Uran-235: 704 Millionen Jahre
und Uran-238: über 4 Milliarden Jahre. "
Mit der Aufzählung der Halbwertszeiten verschweigt er, dass die
Elemente mit steigender Halbwertszeit auch entsprechend weniger aktiv
sind und er sagt nichts aus über deren Anteil in den ausgebrannten
Kernelementen. Anscheinend wieder ein Beispiel dafür, dass auch
Greenpeace einseitige, verzerrende Information betreibt. Das gilt zwar
auch für die Betreiber der Kernenergie. Aber wenn man im Besitz der
Wahrheit sein will, sollte man das eigentlich nicht nötig haben.
Die Rückholbarkeit der Abfälle ist auch unter der zukünftig eventuell möglichen Transmutation der radioaktiven Stoffe ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Auch die Atommüllentsorgung muss dem Nachhaltigkeitsgebot entsprechen
Folgende Kriterien scheinen mir sinnvoll als Orientierung für einen
nachhaltigen Umgang mit Atommüll.
1. im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist es das Beste, wenn der
Stoffkreislauf für Atommüll geschlossen wird, d.h., dass der
Müll wieder in seine ungefährlichen Ausgangsstoffe
zurückgeführt wird. Dieses Ziel sollte gelten, solange die
Möglichkeit dieses Recycelns nicht aus prinzipiellen Gründen
ausgeschlossen werden muss.
2. Innovation und Forschung sind auf diese Kreislaufwirtschaft auszurichten.
3. Jeder Umgang mit Atommüll sollte nur Verhältnisse erzeugen,
die umkehrbar, rückholbar sind, für die Zeit, da die
Kreislaufwirtschaft realisiert werden kann.
4. Jeder Umgang mit Atommüll in Deutschand muss prinzipiell als
Vorbild für den Umgang der Welt mit Atommüll taugen.
Aus diesen Kriterien folgt, dass wir kein zentrales Endlager suchen
sollten, sondern den Atommüll in den nächsten Jahrzehnten
dezentral, überwacht und beobachtet, am besten unterirdisch zwischenlagern.
Die radioaktive Strahlung ist deutlich weniger gefährlich als
die Verlogenheit, Unwissenheit, Dummheit und Ignoranz von Fakten der
sog. Wut"Bürger, und Politiker. Wer nicht der
ökologisch-antiatomaren Relgion huldigt ist im einfachsten Fall ein
rechtspopulistischer Rüpel mit Neigung zur Menschenverachtung.
Dabei ist es genau ungekehrt. Die o. g. Schreihälse sind die wahren
Vorbereiter eines Unterganges.
Auch hier gilt D. Nuhrs Aussage zur Politik: Wer keine Ahnung sollte
einfach mal den Mund halten.
1. Asse war und ist sicher (z. B. ist heute dort weniger
Radiaktivität als vor dem Salzabbau!)
2. nach etwas über 1000 Jahre ist die Strahlungsaktivität des
sog. "Atommülls" auf Werte gesunken, die wir bereits
heute im Schwarzwald messen können.
3. sog. Atommüll sind wertvolle Rohstoffe für die
Energieversorgung in der Zukunft. Das Uran ist gerade mal einmal um ca.
5-7% energetisch ausgebeutet worden
Ich bin vielleicht etwas naiv, aber kann man das Zeug nicht ins All
schießen ?
Nicht sofort alles, sondern über einen langen Zeitraum, damit einem
die kosten nicht über den Kopf wachsen. Meinetwegen auf den Jupiter
oder einfach gradeaus in die Sonne oder wasweißich wohin
Das sollte doch in 50-80 Jahren einigermaßen kostengünstig
von statten gehen. So lange müsste man es in Zwischenlagern
speichert.
Oder steht der Lösung etwas im Wege ? Ich bin beileibe kein
Fachmann ;)
Wenn jetzt noch jemand das Breitwandformat...
in sein alltägliches Schmalspurformat zurück verengt ("Kernkraft ist sicher, umweltfreundlich und billig. Es sichert darüber hinaus Arbeitsplätze und unsern Wohlstand".) gehört er/sie zurückversetzt in die Sexta oder - bei Wiederholung - relegiert. Eine sehr gute Lernhilfe, was die zeitliche Wirkungsdimension unserer so tollen friedlichen Kernkraft angeht, Herr Münchmeyer !
Angenommen, es hätte vor 2000 Jahren Kernkraftwerke gegeben, deren Abfall in Salzstöcken oder Granitschichten abgelagert worden wäre. Nicht einmal die unmittelbaren Bewohner wären in ihrer Gänze gefährdet, umso weniger der Rest der Menschheit. Wodurch denn hätten wir, die wir 2000 Jahre später leben, denn gefährdet werden können? Entweder wären wir technisch auf dem gleichen oder einem höheren Stand wie vor 2000 Jahren, dann hätten wir auch die entsprechende Messtechnik und das Wissen, die Gefährdung zu umgehen. Oder wir hätten alles Wissen verloren, dann wüssten wir wahrscheinlich auch nicht, wie man Bergwerke baut und Tiefbohrungen durchführt, und wären nie auch nur in die Nähe vergrabener Atommüllfässer gelangt. Warum sollte aus einem in Vergessenheit geratenen Bergstollen eine tödliche Gefahr erwachsen?
"Endlagerung" ist ein Scheinproblem
und genauso absurd wie die technologiefeindliche Forderung nach Ausschluss jedweden Risikos bei neuen Entwicklungen. Wie die Lösung aussehen wird, können wir uns genausowenig vorstellen, wie ein Mensch im Mittelalter die Energiegewinnung aus Kernspaltung oder Kernfusion oder auch nur ein Fahrrad- und das ist nicht eine Million Jahre her, sondern gerade mal 500.Allein, es wird sie geben, eine technologische Lösung. Und sie wird umso schneller gefunden werden, je mehr materielle und geistige Ressourcen für die Suche nach ihr eingesetzt werden. Die durch Atomausstieg und Endlagersuche sinnlos vergeudeten Milliarden könnten wahrlich effektiver eingesetzt werden. Sollten sich die angstschlotternden Befürworter des "Zurück zur Natur" allerdings durchsetzen, wäre eine Priesterkaste zru Bewahrung des Wissens in der zwangsläufig hereinbrechenden finsteren Nacht des Vergessens und der allgemeinen Dummheit wohl immer noch die preisgünstigste Variante. Lem bitte gründlich lesen: Summa technologiae
Student der Politikwissenschaften und Slawistik
Hat sich dieser Herr Münchmeyer den Titel "Atomexperte"
selbst gegeben oder qualifiziert man sich als Student der
Politikwissenschaften und Slawistik schon automatisch dazu?
Wieder einmal nur pure Angstmacherei. "Das Schaudern verstärkt
sich noch" schreibt er im Hinblick auf Isotope die eine
Halbwertszeit von mehreren Millionen Jahren haben und vergisst dabei
ganz zufällig zu erwähnen, dass ein Isotop, welches lange
"strahlt" dementsprechend nur sehr wenig Strahlung abgibt.
Kalisalzbergwerke die für eine Endlagerung in Frage kommen haben
meist eine höhere - natürliche - Strahlenexposition als der
sogenannte "Müll" der darin zu lagern ist.
Die erfolgreiche Verhinderung der Transmutationstechnologie in D macht
das Verhältnis dieser grünen Spinner zum Endlager auch nicht logischer.
In diesen Kreisen bleibt wohl alles eine "soziologische, ja
philosophische und theologische Frage."
Die "Eine Million Jahre" Forderung ist nicht nur schwachsinnig. Sie ist gemeingefährlich!
Eine vernünftige Endlagersuche würde sich darauf konzentrieren, eine geologisch sichere Lagerstätte für vielleicht einige hundert Jahre zu finden. Sie entsprechend zu kennzeichnen, zu sichern und das gefährliche Material rückholbar (!) einzulagern. Die "Eine Million Jahre" Forderung macht ein Endlager nicht nur unmöglich. Sie ist darüber hinaus gemeingefährlich, weil sie denknotwendig die Nicht-Rückholbarkeit des Mülls impliziert. Dabei ist es nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich, dass wissenschaftlicher Fortschritt in nicht allzuferner Zukunft dazu führen kann, dass man auch hochradioaktiven Müll durch entsprechende Behandlung entweder entsorgen oder mindestens erheblich ungefährlicher machen kann. Weshalb die einzige europäische Endlagerstätte im bau - die finnische - weder für 1 Million noch für 10.000 Jahre ausgelegt ist. Sondern für einige hundert. Nur so wird und kann es funktionieren. Für Deutschland am wahrscheinlichsten ist, dass der Müll in Sibirien landet. Ungesichert.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.11.2011 13:52 UhrMeine Zustimmung, aber ein Problem bleibt...
...nämlich der Faktor Mensch bzw. Gesellschaft. Genau hier haben
wir Konservative ja geschlafen und sind einer blanken Ideotie
aufgesessen: der Annahme nämlich, das Atomkraft zu bejahen sei. Die
kurzfristige Stromgewinnung macht das Problem des ewig strahlenden,
hochgefährlichen Atommülls nicht einmal ansatzweise wieder
wett. An die folgenden Generationen denken? So etwas fällt uns im
Wirtschafts- und Finanzwesen ein, aber hier, bei diesen elementaren
Fragen haben wir versagt.
Natürlich dürfte - rein sachlich und aus heutiger Sicht (!)
betrachtet - die Rückholbarkeit ein wesentliches Element sein. Aber
rechnen wir einmal nur die letzten 1.000 Jahre zurück - eine
wirklich lächerliche Zeitspanne für diesen
hochgefährlichen Atommüll: wieviele Revolutionen, Kriege,
Völkerwanderungen, Weltkriege, Eroberungskriege, Seuchen,
Wandlungen hat es gegeben? Und was nach uns kommt können wir nur
raten. Sicher ist nichts.