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Emoticons und Emoji : Gelächter im Dunkeln

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Nirgends ist man vor ihnen sicher, auch wenn’s nur ein Smiley ist Bild: dpa

Aubergine? Steinkopf? Oder ein Zwinkergesicht? Kommt man überhaupt noch ohne sie aus? Und wie kommt man von ihnen los? Warum Emoticons und Emoji mehr über uns erzählen, als wir mit ihnen

          Im April 1969 erfand Vladimir Nabokov das Smiley. Er gab der „New York Times“ ein Interview, in dem er unter anderem gefragt wurde, wo er sich selbst im Vergleich zu seinen Schriftstellerkollegen – den lebenden und denen der jüngsten Vergangenheit – einordne.

          Seine Antwort: „Ich denke oft, es sollte ein spezielles typographisches Zeichen für ein Lächeln geben – eine Art konkave Markierung, eine auf dem Rücken liegende runde Klammer, welche ich als Antwort auf Ihre Frage nun gerne nachzeichnen würde.“

          Es dauerte dann noch ein paar technische Errungenschaften, bis sich eine solche Markierung weltweit durchsetzen sollte. Das klassische Smiley-Symbol, bestehend aus Doppelpunkt, Gedankenstrich und einer zugehenden Klammer, wurde im Jahr 1982 von dem amerikanischen Informatiker Scott Fahlman erfunden. Er hatte nach einer Kennzeichnung für Ironie gesucht, nachdem irgendein Scherzbold an seiner Uni in einer Art Mailvorläufer rundgeschrieben hatte, wegen eines Physikexperiments sei der Aufzug mit Quecksilber verseucht.

          Im selben Jahr, in dem Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision Song Contest gewann, hatte Fahlman damit etwas ganz Entscheidendes zur Verständigung zwischen den Menschen geleistet: Fortan würde jeder selber schuld sein, der jemand anderen in einem Schriftstück beleidigt, ohne es zu beabsichtigen. Fortan gab es eine Wahl zwischen: „Penner!“ und „Penner! ;-)“.

          Die klassischen Schreibmaschinentastatur-Symbole, Emoticons genannt, die nicht nur lächeln, sondern auch zwinkern (s.o.), laut lachen oder traurig gucken können (sogar rauchen, sogar mit Barett auf, wie jeder anständige Franzose), sind inzwischen natürlich so überholt wie, nun ja, Mobiltelefone, die man hauptsächlich zum Telefonieren verwendete.

          Man kommt nicht daran vorbei

          Man kann sie immer noch benutzen, aber so leicht ist das gar nicht, da sich die jeweilige Kombination meistens auf der Stelle in ein hässliches gelbes Rundgesicht verwandelt. Seit 2011 stattet Apple das iPhone mit einer Tastatur für Bildchen aus, Emoji genannt. Seither kommt man an den Dingern nicht mehr vorbei. Auf Twitter werden Filmhandlungen in Emoji nacherzählt, manch einer (der Rapper Drake) tätowiert sich ein Emoji (das mit den betenden Händen) auf den Arm, es wird diskutiert, ob Pin-Nummern durch Emojis ersetzt werden könnten.

          „A great way to make friends and family laugh“ ist es, laut Internet, sich Emojis von Siri vorlesen zu lassen. Und „eggplant“, also Aubergine, ist im angelsächsischen Sprachraum ein neues Slangwort für das männliche Geschlechtsteil (das Gemüse ist auf dem Apple-Emoji recht schmal und lang geraten), auf Instagram werden mit dem Hashtag „eggplant“ markierte Beiträge seither sofort entfernt.

          Aubergine. Okay. Warum aber befindet sich unter den Bildchen auf meinem Telefon auch eines von einem Kopf einer dieser Steinstatuen von den Osterinseln? Und, noch absurder: Warum, allen Ernstes, verschicke ich es? Nicht oft, ich schwöre, aber es kam vor. Denn nach anfänglichem Widerstand habe auch ich irgendwann damit angefangen, Emojis in Textnachrichten einzusetzen.

          Warum? Weil es die anderen auch alle machen und man als höflicher Mensch einem gewissen Gruppenzwang zu unterliegen meint? Weil ich mich damit jung fühle, wirklich jung, also circa elf Jahre – so das Alter, in dem man auf dem Pausenhof Aufkleber tauscht (also gleich nach der Phase mit den nach Obst riechenden Radiergummis)? Weil es Spaß macht?

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