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Eliteuniversitäten Uphearen bitte!

„Brain up!“ heißt die neue Aktion der Bildungsministerin. Statt Geld in eine notdürftig international klingende Kampagne zu stecken, wären Schritte zum Erreichen echter Hochschulinternationalität sinnvoller.

Wer an Realsatire glaubt, besorge sich das Redemanuskript: "Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten" nennt Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn einen Wettbewerb, der einigen leistungsstarken Hochschulen erfreuliche Sonderzuschüsse von je 250 Millionen Euro bringen soll.

"Brain up" - dieser Pseudoanglizismus erinnerte englischsprachige Zuhörer an Deutsche, die glauben, Mobiltelephone hießen in Amerika "Handys". Daß einem als erster Kandidat für die Jury zur Auswahl der Spitzenuniversitäten nun Dieter Bohlen in den Sinn kommt, zählte zu den weiteren besonderen Noten einer Tagung mit dem consultingfirmendeutschen Titel "Deutschland. Das von morgen", zu der Bulmahn am Montag in Frank Gehrys wunderbares Haus am Pariser Platz eingeladen hat.

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Der Ministerin, die das Wort Deutschland in ihrer ganzen Rede nicht ohne den Zusatz "Das von morgen" benutzen durfte, war ein aus Deutschland stammender Nobelpreisträger zur Seite gestellt, der statt Kalauer Humor aufbrachte und von seiner eigenen Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb berichten konnte. Horst Störmer ist vor 27 Jahren aus Deutschland, also dem von vorgestern, nach Amerika gegangen,und er würde nach Deutschland, dem von heute, nicht zurückkehren, wie er gleich im zweiten Satz betonte.

Einer der wichtigsten Gründe, in Amerka zu forschen, ist für Störmer, der an der Columbia University arbeitet und 1998 den Nobelpreis für Physik erhalten hat, die Internationalität der Universitäten. Seine Abteilung rekrutiere aus Thailand, China, Bangladesh, sechs von neun neu berufenen Professoren seien Immigranten, sein Gebäude sei voll von "Leuten mit großer Energie, die bereit waren, den Koffer zu packen und in ein anderes Land zu gehen".

Zwar gibt es auch in Deutschland zahlreiche ausländische Studenten und Forscher, doch müssen sie dank eines drakonischen Ausländerrechts im Regelfall nach kurzer Zeit wieder gehen. Ein Klima der Offenheit gegenüber ausländischen Eliten, das der Nobelpreisträger forderte, gibt es noch nicht, wie schon der Umstand zeigt, daß die Union erleichterte Einreiseregeln für ausländische Spitzenforscher blockiert. Fraglich ist indes, ob Chinesen, Amerikaner und Inder in ein Land kämen, dessen Wissenschaftsförderprogramme ausgerechnet nach den hirnlosesten Fernsehsendungen des Planeten benannt werden.

Quelle: csl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2004, Nr. 22 / Seite 36

 
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Veröffentlicht: 27.01.2004, 00:10 Uhr

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Von Swantje Karich

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