Home
http://www.faz.net/-gqz-oirr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Eliteuniversitäten Uphearen bitte!

„Brain up!“ heißt die neue Aktion der Bildungsministerin. Statt Geld in eine notdürftig international klingende Kampagne zu stecken, wären Schritte zum Erreichen echter Hochschulinternationalität sinnvoller.

Wer an Realsatire glaubt, besorge sich das Redemanuskript: "Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten" nennt Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn einen Wettbewerb, der einigen leistungsstarken Hochschulen erfreuliche Sonderzuschüsse von je 250 Millionen Euro bringen soll.

"Brain up" - dieser Pseudoanglizismus erinnerte englischsprachige Zuhörer an Deutsche, die glauben, Mobiltelephone hießen in Amerika "Handys". Daß einem als erster Kandidat für die Jury zur Auswahl der Spitzenuniversitäten nun Dieter Bohlen in den Sinn kommt, zählte zu den weiteren besonderen Noten einer Tagung mit dem consultingfirmendeutschen Titel "Deutschland. Das von morgen", zu der Bulmahn am Montag in Frank Gehrys wunderbares Haus am Pariser Platz eingeladen hat.

Mehr zum Thema

Drakonisches Ausländerrecht

Der Ministerin, die das Wort Deutschland in ihrer ganzen Rede nicht ohne den Zusatz "Das von morgen" benutzen durfte, war ein aus Deutschland stammender Nobelpreisträger zur Seite gestellt, der statt Kalauer Humor aufbrachte und von seiner eigenen Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb berichten konnte. Horst Störmer ist vor 27 Jahren aus Deutschland, also dem von vorgestern, nach Amerika gegangen,und er würde nach Deutschland, dem von heute, nicht zurückkehren, wie er gleich im zweiten Satz betonte.

Einer der wichtigsten Gründe, in Amerka zu forschen, ist für Störmer, der an der Columbia University arbeitet und 1998 den Nobelpreis für Physik erhalten hat, die Internationalität der Universitäten. Seine Abteilung rekrutiere aus Thailand, China, Bangladesh, sechs von neun neu berufenen Professoren seien Immigranten, sein Gebäude sei voll von "Leuten mit großer Energie, die bereit waren, den Koffer zu packen und in ein anderes Land zu gehen".

Zwar gibt es auch in Deutschland zahlreiche ausländische Studenten und Forscher, doch müssen sie dank eines drakonischen Ausländerrechts im Regelfall nach kurzer Zeit wieder gehen. Ein Klima der Offenheit gegenüber ausländischen Eliten, das der Nobelpreisträger forderte, gibt es noch nicht, wie schon der Umstand zeigt, daß die Union erleichterte Einreiseregeln für ausländische Spitzenforscher blockiert. Fraglich ist indes, ob Chinesen, Amerikaner und Inder in ein Land kämen, dessen Wissenschaftsförderprogramme ausgerechnet nach den hirnlosesten Fernsehsendungen des Planeten benannt werden.

Quelle: csl., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2004, Nr. 22 / Seite 36

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was Sie heute berwartet Deutsches Wachstum

In Berlin tagt der Untersuchungsausschusses zum Hauptstadtflughafen. Am amerikanischen Anleihemarkt wird kürzer gehandelt. Am Samstag gibt es das erste FIA-Rennen für Elektro-Autos. Mehr

22.05.2015, 06:27 Uhr | Wirtschaft
Bayern Seehofer will keine Personaldiskussion

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beteuerte auf der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth keine Personaldiskussion um seine Nachfolge 2018 zu wollen. Mehr

08.01.2015, 09:47 Uhr | Politik
Dänisches Kronprinzenpaar Die Bayern zeigen den Dänen das gesunde Leben

Bei seinem Kurzbesuch in München erlebt das dänische Kronprinzenpaar trotz Regen die schönen Seiten Bayerns. Da kann man den ganzen Tag über Gesundheit und Diabetes diskutieren und am Ende gibt es trotzdem eine Maß Bier. Mehr Von Karin Truscheit, München

20.05.2015, 18:16 Uhr | Gesellschaft
Trailer Polizeiruf 110: Ikarus

Ein letztes Mal ermitteln Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) gemeinsam einen Fall um einen abgestürzten Piloten. Der Polizeiruf läuft am Sonntag, den 10. Mai um 20:15 im Ersten. Mehr

10.05.2015, 10:53 Uhr | Feuilleton
Gebührenordnung EU attackiert Steuerberater und Architekten

Die Europäische Kommission droht, die Gebührenordnung für freie Berufe in Deutschland zu kippen. Die Bundesregierung reagiert zurückhaltend, die Branchenverbände sind entsetzt - und befürchten einen Dammbruch. Mehr Von Joachim Jahn und Manfred Schäfers, Berlin

13.05.2015, 07:11 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.01.2004, 00:10 Uhr

Irlands Zeitsprung

Von Gina Thomas

In Irland soll die Heirat von Gleichgeschlechtlichen durch einen Volksentscheid in der Verfassung verankert werden. Persönliche Loyalitäten sind stärker geworden als die Autorität von Kirche und Staat. Mehr 21 4