Home
http://www.faz.net/-gqz-rgwf
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eklat bei der Nobelrede Pinter sendet Breitseite gegen Bush und Blair

 ·  Harold Pinter, dem am Samstag der Literaturnobelpreis verliehen wird, nennt die Invasion des Irak einen „Banditenakt“. George W. Bush und Tony Blair gehörten vor Gericht, sagt er - ausgerechnet in seiner Nobelrede.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (5)

Der britische Schriftsteller Harold Pinter, dem am Samstag in Stockholm der Literaturnobelpreis verliehen wird, hat am Mittwoch in seiner Nobelrede gefordert, den amerikanischen Präsidenten Bush und den britischen Premierminister Blair vor den Internationalen Strafgerichtshof zu stellen.

Die Invasion des Irak sei „ein Banditenakt und Staatsterrorismus“ gewesen, der Tod von mindestens 100.000 Irakern für Bush und Blair eine „bedeutungslose Lappalie“. In seiner weitgehend politischen Rede - wegen seiner Erkrankung wurde sie in London auf Video aufgenommen - warf der Dramatiker Washington vor, „jede rechte Militärdiktatur nach dem Zweiten Weltkrieg“ unterstützt zu haben; das „erbärmliche Großbritannien“ sei diesen „systematischen Verbrechen“ wie „ein blökendes Lämmchen“ gefolgt. „Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig.“

Der Autor hatte seine Rede am Wochenende unmittelbar vor seiner Einlieferung in ein Londoner Krankenhaus in einem TV-Studio eingespielt. Schon vorher hatten Ärzte ihm für Samstag die Teilnahme an der Verleihungszeremonie mit dem schwedischen König Carl XVI. verboten (siehe: Pinter zu krank für Nobelpreis-Verleihung) .

Pinter sagte in seiner einstündigen Rede, die Vereinigten Staaten hätten zahlreiche Länder durch eine Strategie der „asymmetrischen Kriegführung“ („Low Intensity Conflict“) unterjocht. Auch dabei seien tausende von Menschen gestorben, aber nicht auf einen Schlag wie mit einer Bombe. „Es bedeutet, daß man das Herz des Landes infiziert, daß man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut, wie der Faulbrand erblüht“, meinte Pinter.

Dem mit Theaterstücken wie „Der Hausmeister“ (1960) berühmt gewordenen Dramatiker war der mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Nobelpreis im Oktober zuerkannt worden. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, daß Pinter „in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt hat und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen ist“.

Kompletter Redetext bei den Svenska Akademien: „Kunst, Wahrheit und Politik”

Quelle: FAZ.NET mit Material von v.L./F.A.Z., dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

99 Luftballons

Von Fridtjof Küchemann

Google will jetzt auch die Lufthoheit und lässt kommunizierende Ballons durch die Stratosphäre segeln. Wie niedlich, könnte man meinen, würde man den kalifornische Datensammler nicht besser kennen. Mehr 1 2