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Einstweilige Verfügung : Papst gegen „Titanic“

Der Gegenstand der Unterlassungserklärung: Umschlag der aktuellen Ausgabe des Magazins „Titanic“. Bild: Titanic

Der Vatikan erwirkt vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin „Titanic“. Titelbild und Rückseite der aktuellen Ausgabe dürfen nicht weiter verbreitet werden.

          Papst Benedikt XVI. hat vor dem Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin „Titanic“ erwirkt. Wie eine Sprecherin des Gerichts am Dienstag mitteilte, dürfe die „Titanic“ die Hefte der aktuellen Ausgabe nicht weiter verbreiten und Bilder des Papstes auch nicht im Internet zeigen. Sollte sich das Blatt nicht daran halten, drohen ihm Strafzahlungen. Die schon im Handel befindlichen Hefte müssen aber nicht zurückgezogen werden.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Das Titelbild zeigt unter der Überschrift „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ den Papst mit einer befleckten Soutane. Auf der Rückseite ist ein Foto des Papstes von hinten mit einem braunen Fleck auf der Soutane und dem Titel „Noch eine undichte Stelle gefunden!“ Das Blatt nimmt damit Bezug auf die sogenannte Vatileaks-Affäre in der in den vergangenen Wochen immer wieder vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt sind. Wer die Dokumente herausgegeben hat und warum, ist bis dato noch ungeklärt.

          „Nach rechtlicher Überprüfung“

          Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte am Dienstag in Bonn, der Kurienbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat habe der „Titanic“ über die Bonner Anwaltskanzlei Redeker, Sellner und Dahs am Sonntagabend eine Unterlassungserklärung zukommen lassen, auf die das Magazin aber nicht einging. Für den Vatikan überschreite die Darstellung des Papstes jedes Maß an Zumutbarem.

          Eine rechtliche Prüfung habe ergeben, dass das Titelbild und die Rückseite der aktuellen „Titanic“ rechtswidrig seien und den Papst in seinen Persönlichkeitsrechten verletzten. Unterzeichner des Faxes an die „Titanic“-Redaktion war der Rechtsanwalt Gernot Lehr, der in der Bonner Kanzlei wirkt und auch schon den damaligen Bundespräsidenten Christian Wullf vertreten hatte, bevor dieser zurücktrat. Die Kanzlei hielt sich mit Stellungnahmen zurück.

          Frist bis zum 11. Juli

          Der Chefredakteur der „Titanic“, Leo Fischer, versicherte, dass es sich nicht um Witz des Blatts handele. Vielmehr habe man dort an einen Scherz geglaubt, als das Fax aus Bonn eintraf, sich nach Rücksprache mit der Kanzlei und der Bischofskonferenz aber von der Echtheit überzeugt. Von dem Urteil des Hamburger Gerichts sei man enttäuscht. Das Magazin sei aber entschlossen gegen das Urteil den Instanzenweg zu gehen, „notfalls bis zum Jüngsten Gericht“, wie es hieß.

          Fischer sagte, der Papst müsse das Magazin missverstanden haben. Das Bild zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Vatileaks-Affäre, feiere und ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet habe. Weiter hieß es, man hoffe auf ein persönliches Gespräch mit dem Papst, um alle Missverständnisse zu klären.

          Wegen ihrer Titelbilder war die „Titanic“ schon des öfteren Ziel von Klagen. Zuletzt entschied im Jahr 2006 das Landgericht Hamburg, dass eine Ausgabe nicht mehr nachgedruckt werden darf, auf der Ministerpräsident Kurt Beck zu sehen war. Auch die katholische Kirche versuchte schon achtmal vergeblich gegen das Blatt vorzugehen, es ist jetzt jedoch das erste Mal, dass der Papst gegen das Satiremagazin tätig wird.

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