http://www.faz.net/-gqz-7ho7n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.09.2013, 17:51 Uhr

Eine Zukunft für das Brentanohaus Endlich gerettet!

In letzter Minute konnte der drohende Verlust eines bedeutenden Denkmals der Romantik abgewendet werden. Kurz vor der Wahl bekennt sich das Land Hessen zum Brentanohaus.

von
© Kretzer, Michael Die Keimzelle der Romantik: das Brentanohaus am Rhein

Kann es Zufall sein, dass die lang erhoffte Entscheidung des Ministeriums zur Rettung des Brentanohauses gerade jetzt fällt? Wenige Tage vor der Hessenwahl? Nein, das ist gewiss kein Zufall, vielmehr wirbt die CDU damit auf den letzten Metern bei jener Klientel für sich, die sich um Kulturdenkmäler sorgt, sich für Goethe, die Arnims oder die Grimms interessiert und die den drohenden Verlust der in Winkel am Rhein gelegenen Keimzelle der Romantik genau beobachtet hat. Doch allen politischen Rechenspielen zum Trotz ist die Entscheidung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, dieses „kulturhistorisch einzigartige Objekt für die Öffentlichkeit zu erhalten“, wie es in einer Mitteilung heißt, richtig und gut.

Sandra  Kegel Folgen:

Zwei Jahre lang hatte Wiesbaden sich geziert, den Eigentümern einen Hinweis zu geben, ob das Land am Erhalt des Erinnerungsorts interessiert sei. Aus eigener Kraft waren die Brentanos nicht mehr in der Lage, das 1751 errichtete Anwesen, in dem Goethe gleich mehrmals zu Gast war und die Romantiker sich sommers einfanden, zu bewirtschaften. Die Nachfahren von Clemens und Bettine von Brentano hatten dem Land mit dem Preis von einer Million Euro ein Angebot gemacht, das deutlich unter dem liegt, was sie auf dem freien Markt erzielen könnten. Aber dem Baron und seiner Frau ging es in erster Linie um den Erhalt des Hauses, dessen Einrichtung und Kunst noch aus der Goethe-Zeit stammen.

Mehr zum Thema

Unlängst hatte Udo von Brentano in dieser Zeitung dann deutlich gemacht, dass er nicht länger die Entscheidung des Landes abwarten könne und nach anderen Käufern suchen müsse. Unvorstellbar der Gedanke, dass aus dem verwunschenen Brentanohaus, in das sich jeder verliebt, der dort einmal durch Weingarten und Säle gewandelt ist, der Sitz einer chinesischen Autofirma oder ein Romantik-Hotel geworden wäre.

Das Land übernehme mit dem Angebot „Verantwortung für den Erhalt dieses Kulturdenkmals“, sagt Staatssekretär Ingmar Jung. Für die Sanierung des Anwesens, schätzt er, sei mit Kosten von etwa 2,1 Millionen Euro zu rechnen. Sie sollen sich auf die nächsten Jahre verteilen und von der Denkmalpflege sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übernommen werden, außerdem hofft man auf private Spenden. „Da haben wir die Nächte am Rhein verschwärmt“, erinnerte sich rückblickend Bettine von Arnim an die wilde Zeit im Sommerhaus ihrer Familie, „bis uns der Tag nach Hause trieb.“ Gut, dass die romantische Idee nicht politischem Pragmatismus zum Opfer gefallen ist.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Terror und Amokläufe Der Wahnsinn der Mörder ist ansteckend

Die freie Gesellschaft darf sich vom Wahnsinn der Mörder nicht anstecken lassen. Der wichtigste Erfolg für Terroristen ist jedoch, dass dies zum Teil schon geschehen ist. Mehr Von Friederike Haupt

23.07.2016, 19:07 Uhr | Politik
Ermittlungsfortschritte Amokläufer von München zu Freund: Hass auf Menschen

Der Todesschütze von München hat sich laut Polizei vor seiner Tat eng mit einem Freund ausgetauscht. Gemeinsam hielten sich die Jugendlichen, die sich in einer Psychatrie kennen gelernt hatten, etwa in der Nähe zum späteren Tatort auf. Mehr

25.07.2016, 17:26 Uhr | Gesellschaft
Gründerkultur Viele Studenten wissen nicht, was sie wollen

Deutsche Unternehmen schaffen es nicht, ein Start-up-Netzwerk zu etablieren. Der Blick auf Berlin reicht nicht - und im Kanzleramt wäre ein Staatsminister für Digitales nötig, sagt einer, der es wissen muss. Mehr

24.07.2016, 12:16 Uhr | Wirtschaft
Nachbarn des Schützen Todesschütze von München war ein guter Mensch

Neun Menschen hat der 18-jährige Amokläufer in München erschossen, bevor er sich selbst tötete. Den Ermittlern zufolge hat sich der Todesschütze, der offenbar wegen psychischer Probleme in Behandlung war, intensiv mit dem Thema Amoklauf beschäftigt. Seine genauen Motive sind bislang noch unklar. Nachbarn erinnern sich an einen unauffälligen und hilfsbereiten Jungen. Mehr

24.07.2016, 21:21 Uhr | Gesellschaft
Burg Breuberg im Odenwald Burgherren, Kriegsgreuel, Geldprobleme

Die Burg Breuberg, die größte im Odenwald, thront seit 850 Jahren über dem Mümlingtal. Sie ist nicht versteckt, und doch kommen die meisten Besucher als Schüler dorthin. Mehr Von Caroline Laakmann

24.07.2016, 20:47 Uhr | Rhein-Main
Glosse

Der Schlaf der Gehetzten

Von Thomas Thiel

Schon Heidegger schlief schlecht und brütete dabei abstruse Gedanken aus. Das könnte auch dem Silicon Valley zum Verhängnis werden. Mehr 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“