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Eine wahre Regentin **** II.

 ·  „Shut the **** up!“ rief die Queen den Demonstranten zu und brachte die Aufmüpfigen zum Schweigen. Der Skandal wird ausbleiben, denn diese Königin war nicht ganz echt.

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© AP/dpa Vergrößern Sowohl auf der Bühne des Gielgud Theaters als auch vor dem Gebäude überzeugend: Helen Mirren als Queen in Peter Morgans Stück „The Audience“

Als Ihre Majestät, die Königin Elisabeth II., gerade ihren Premierminister zur Audienz empfängt, versteht sie ihr eigenes Wort nicht mehr und das des Premiers schon gar nicht. Eine Transgender-Gay-and-Lesbian-Drum-Group macht vor dem Palast einen derartigen Lärm mit Trommeln und Kreischen und Tamtam und Tralala und Po und Pop und Rock und Schmock, dass die Audienz ins Schlingern gerät.

Also stürmt die Queen nach draußen und schreit den Dezibel-Tunten zu, sie sollten gefälligst das halten, was die in diesen Dingen bekanntlich absolut sittsame, ja, geradezu prüde englische Boulevardpresse nur mit ein paar Scham-Sternchen wiederzugeben errötend sich traut: „Shut the **** up!“ Dass es darob nicht zu einer nationalen, ja, internationalen, worldwide-political-correct-transgender-based Revolte beziehungsweise einem Aufschrei kam und sich weder Margot Käßmann („Ich vermisse eine Kultur des ****!“) noch Joachim Gauck („Freiheit geht über ****!“) noch Claudia Roth („Ich bin tief ****-betroffen!“) auf dem Evangelischen Kirchentag („Alles, was **** braucht“) zu Wort meldeten, liegt daran, dass es sich bei der Queen um die Schauspielerin Helen Mirren handelte, die gerade im Londoner Gielgud Theatre in der Komödie „The Audience“ von Peter Morgan die Königin spielt, die sozusagen die Parade aller ihrer Premierminister seit 1952 abnimmt. Und sich von den schwulen Trommlern auf dem Platz vor dem Theater schwer gestört fühlte. Und in vollem Queen-Ornat hinausstürmte und ihren ****!-Befehl vorbrachte. Dem sofort Folge geleistet ward.

Ob es zu Hofknicksen der Gay-Scene kam, ist nicht überliefert. Denn da Helen Mirren nicht nur für ihre Elisabeth-Rolle in dem Film „The Queen“ einen Oscar erhielt, sondern auch ständig mit der echten britischen Königin verwechselt wird, ja, sie besser spielt, als diese je sich selbst spielen können wird, auch wenn die echte niemals das ****!-Wort in den königlichen Mund nehmen würde, zeigt sich wieder einmal, dass das Theater eine ungeheure Macht ist: Es zeigt wirklich eine Königin, die in Wirklichkeit gar nicht da ist, aber dieselbe Wirkung hat. Selbst mit ****!

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06.05.2013, 17:06 Uhr

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Unsere Geschichten, nur anders erzählt

Von Andreas Platthaus

Mit Kafka teilte er die Einfühlung in das Schicksal der Bedrängten. Das Erfolgsrezept seiner Bücher könnte den Titel eines Aufsatzes tragen, den er 1993 veröffentlicht hat. Zum Tod von Gabriel García Márquez. Mehr 1 2