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Eine Person in Fußnoten „Karl-Theodor zu Guttenberg“

Das öffentliche Bild von Karl-Theodor zu Guttenberg ist kein Plagiat. Es ist eine Eigenleistung der Presse und entstand in mühevoller Kleinarbeit. Die Vorwürfe, dabei sei bewusst getäuscht worden, sind abstrus. Eine Rekonstruktion.

© F.A.Z. Vergrößern

Der CSU-Vorstand hat am Montag den Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg einstimmig zum Generalsekretär der Partei berufen. Der 36 Jahre alte Politiker kündigte an, er wollen eine deutliche Aussprache pflegen, die auf Substanz gegründet sei.(1) Schon lange gilt Guttenberg als eines der Talente der CSU. Wenn Reportagen über vielversprechende Jungpolitiker geschrieben wurden, war zu Guttenberg stets an erster Stelle dabei.(2) Guttenberg wirkt jungenhaft, nachdenklich und freundlich. Dass er mehr als einmal die Worte „Da hab ich auch keine Lösung parat“ wählt, macht ihn zu einem eher untypischen Standesvertreter – wenn man bedenkt, dass viele Politiker wie auf Knopfdruck wortreich politische Stanzformeln absondern, selbst wenn sie keine Ahnung von der Sache haben.(3)

Er ist erst 37, aber von Geld versteht er was – schließlich hat Karl-Theodor zu Guttenberg jede Menge davon. Der neue Chef des Wirtschaftsministeriums ist wohl der reichste Minister, den die Bundesrepublik je hatte.(4) Vieles, was der bisherige CSU-Generalsekretär als Befähigungsnachweis für das Staatsamt aufzuweisen hat, wurzelt in seiner Familie. Wer sich über Jahrhunderte halten und dann noch ein gewisses Vermögen vorweisen kann, versteht überdurchschnittlich viel von Wirtschaft.(5)

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Der kometenhafte Aufstieg des Freiherrn, der in seiner Heimat mit „Herr Baron“ angesprochen wird, ist ein erstaunlicher Beleg dafür, dass der Adel noch immer einen besonderen Menschenschlag hervorbringt.(6) Christlich erzogen, mit Abendgebet und Kinderbibel. Sonntäglicher Kirchgang in der zum Abwesen gehörenden eigenen Schlosskirche inklusive.(7) Glaubt man einem einst engen Geschäftspartner der zu Guttenbergs, wurde der erstgeborene Karl-Theodor seit frühester Jugend darauf vorbereitet, dereinst das beträchtliche Familienvermögen zu vermehren, das auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt wird.(8) Dass er sich in eine geborene Bismarck-Schönhausen verliebte, passt zwar ins Adelsklischee – ist aber auch im 9. Ehejahr noch ein Fall von schwerer Liebe.(9) Er ist übrigens sehr athletisch und könnte im Gegensatz zum jetzigen Amtsinhaber bei Wehrübungen mühelos mithalten.(10) Dieser Bonvivant mit hohem Glamour-Faktor, der US-Star Tom Cruise zu seinen Freunden und Oscar-Preisträger Florian Graf Henckel von Donnersmarck als Cousin zu seinen Verwandten zählt.(11) Der fränkische Obama.(12)

Erst seit einem Monat ist der 37-Jährige im Amt, und doch ist er schon bekannter als mancher Kabinettskollege.(13) Manchmal scheint er seine neue Aufgabe wie im Rausch zu erfüllen. Zum Beispiel bei seiner USA-Visite.(14) Guttenberg vor der Kulisse Manhattans, mit ausladenden Handbewegungen und strahlendem Lächeln. Was kostet die Welt? Gestern noch ein unbekannter Franke, heute eine Berühmtheit, nach der sich die Touristen umdrehen.(16) Guttenberg arrogant? Er ist ungebrochen. Es ist eine Arroganz des Intakten.(17) 800 Jahre Adelsgeschichte in die Wiege gelegt, eine vornehme Vornamenskette, einen Verbündeten der Hitler-Attentäter um Stauffenberg und einen Staatssekretär im Stammbaum. Er ist mehrsprachig, heimatverbunden und weltläufig, hat eine Bismarck zur Frau und eine Dogge, die Freddy heißt.(18) Kein PR-Stratege hätte sich so eine Figur ausdenken können, ohne sich lächerlich zu machen.(19) Deutschland macht wieder eine gute Figur. Nicht länger haben die Engländer die guten Manieren gepachtet, die Franzosen das weltmännische Auftreten, die Italiener den taillierten Maßanzug.(20) Die Deutschen sind zurückgekehrt in die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, und das verdanken sie einzig ihm. Welches Mitglied der Bundesregierung spricht schon vernünftig Englisch?(21)

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