Home
http://www.faz.net/-gqz-6ui2n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Eine Maschine im Einsatz Drohjaner

Seit einiger Zeit setzt die deutsche Polizei zur Überwachung Drohnen ein. Das ist kaum bekannt, aber vom Gesetz gedeckt. Nur warum verhalten sich dann alle, die mit dem Gerät arbeiten, so verdächtig?

© Caro/Sorge Irgendetwas muss am 13. Juni 2011 in Hannover los gewesen sein, das den Einsatz einer Drohne erzwang. Aber was?

Als Kind wohnte ich nur ein paar Kilometer von einem Altenheim und von einer Justizvollzugsanstalt entfernt. Aus beiden brachen gelegentlich Menschen aus. Wenn dann ein Hubschrauber aufstieg, um nach ihnen zu suchen, und wir Kinder diesen Hubschrauber hörten, rannten wir so schnell wie möglich im Schatten der Weiden am Bach entlang. Wir verhielten uns absichtlich wie Flüchtende, um den Verdacht auf uns zu lenken. Wir haben tatsächlich geglaubt, dass der Hubschrauber erst abdreht, nachdem die Besatzung erkannt hat, dass wir noch Kinder waren. Sich verdächtig verhalten, aber eigentlich unschuldig sein - beides zugleich war damals noch ein Kinderspiel.

Daran habe ich wieder denken müssen, als ich vor einiger Zeit in Siegen eine mittelgroße Firma besuchte, die Drohnen baut. Drohnen sind unbemannte Fluggeräte, die im militärischen Bereich sowohl zur Aufklärung als auch zum Töten eingesetzt werden. Jene Modelle, die von den Amerikanern in Afghanistan, in Pakistan und zuletzt im Jemen eingesetzt wurden, lassen sich aus beliebiger Entfernung steuern. Die Firma in Siegen baut deutlich kleinere Maschinen. Sie werden von Elektromotoren angetrieben, fliegen in der Regel nicht außerhalb der Sichtweite desjenigen, der sie steuert, und sind statt mit einer Waffe mit einer Kamera ausgestattet. In Siegen baut man zwei Typen von Drohnen. Die Polizei in Hannover hat sich für das kleinere Modell entschieden.

Ein Koffer für die Drohne

Herr Knoche hat mich für einen Dienstag in die Firma eingeladen. Der direkte Weg vom Bahnhof zu dem Tal am Stadtrand, wo der Betrieb liegt, ist voller Hindernisse. Eine Ausweichbewegung führt mich durch ein kleines Waldstück. Vereinzelte Frauen führen ihre Hunde aus. Anhand eines Computerausdrucks die Luftlinie zu Herrn Knoche zu wandern ist anspruchsvoller als gedacht. Ein kleiner Abhang will mich zu einem weiteren Umweg zwingen. Ich bin stur und rutsche aus. Die Hose ist dreckig. Ich schaue mich um. Scheinbar hat niemand etwas gesehen.

Bereits aus der Ferne sieht man einen merkwürdigen Turm auf dem Firmengelände. Am Eingang sind zwei Männer dabei, einen großen schwarzen Koffer in einen großen weißen Kombi zu packen. In dem Koffer, das weiß ich schon, liegt eine Drohne. Herr Knoche ist nett und klärt mich noch über den Turm auf. Er gehörte früher zu einer Kirche. Unser Gespräch darf ich nicht aufzeichnen, Notizen sind aber kein Problem. Welche Perspektiven hat so eine Drohne?

Produktwerbung ist erwünscht

Herr Knoche denkt an mehr Nutzlast, mehr Reichweite, also insgesamt mehr Leistung und mehr Autarkie. Er baut unbewaffnete Drohnen. Trotzdem denke ich an die amerikanische Luftwaffe. Sie hofft, in fünfunddreißig Jahren eine Drohne zu haben, die selbständig Tötungsentscheidungen trifft. Von diesem Horror bleibt Herr Knoche unberührt. Die zivilen Produkte seiner Firma lobt er konsequent. Stolz ist er besonders auf die Leistung der Akkus. Bei Stückzahlen ist er zurückhaltender, und immer, wenn ich von Angst rede, korrigiert er mich. „Vorbehalte“ und „Bedenken“ sind ihm lieber. Ich denke allerdings weiterhin „Angst“, und gelegentlich sage ich es auch. Da steht auf einmal Herr Jürss in der Tür. Er ist der Sohn des Firmengründers und möchte wissen, was vereinbart sei. Er fragt, wie es mit der Nennung des Firmennamens und der Nennung des Modelltyps aussehe. Fragen, denen ich in einem Telefonat mit Herrn Knoche schon ausgewichen bin.

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sächsische Polizei Wir basteln uns ein Einsatzkonzept

In Heidenau geriet die sächsische Polizei in den Notstand – und niemand half ihr. Wie es dazu kam, dass eine Polizisten-Altherrenmannschaft antreten musste. Mehr Von Peter Carstens

30.08.2015, 12:00 Uhr | Politik
Hightech am Himmel Billigfluglinie Easyjet setzt Drohnen zum Sparen ein

Die Billigfluglinie Easyjet testet den Einsatz von Drohnen bei der technischen Wartung ihrer Flugzeuge. Mehr

23.06.2015, 14:24 Uhr | Technik-Motor
Sächsische Polizei Am Ende der Kräfte

In Heidenau blieb es am Wochenende ruhig. Das ist endlich einmal eine gute Nachricht für Markus Ulbig, den Innenminister im Freistaat – denn die Polizei ist an ihre Grenzen gekommen. Mehr Von Stefan Locke, Heidenau

30.08.2015, 21:17 Uhr | Politik
Amerika Amazon darf Drohnen testen

Neben dem Online-Händler experimentieren auch Google und die Deutsche Post mit Drohnen, um ihre Pakete künftig mit den Mini-Fluggeräten auszuliefern. Mehr

20.03.2015, 11:01 Uhr | Wirtschaft
Fremdenfeindlichkeit Rechte bedrohen Heidenaus Bürgermeister

Heidenau in Sachsen kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Flüchtlingsheim ist nun der Bürgermeister in den Fokus der Rechtsextremisten gerückt. Die ostdeutschen Ministerpräsidenten warnen vor falschen Schlüssen. Mehr

30.08.2015, 04:45 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 24.10.2011, 18:07 Uhr

Glosse

Neunzig Millionen für „Sonstiges“

Von Andreas Kilb

Es war eine Gelegenheit, bei der die Hauptstadt mal wieder richtig Hauptstadt sein durfte: Bei der Eröffnung des Wettbewerbs für ein Museum der Moderne in Berlin sorgt die Kostenaufstellung für Lacher. Mehr 10 30