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Eine Maschine im Einsatz Drohjaner

Seit einiger Zeit setzt die deutsche Polizei zur Überwachung Drohnen ein. Das ist kaum bekannt, aber vom Gesetz gedeckt. Nur warum verhalten sich dann alle, die mit dem Gerät arbeiten, so verdächtig?

© Caro/Sorge Vergrößern Irgendetwas muss am 13. Juni 2011 in Hannover los gewesen sein, das den Einsatz einer Drohne erzwang. Aber was?

Als Kind wohnte ich nur ein paar Kilometer von einem Altenheim und von einer Justizvollzugsanstalt entfernt. Aus beiden brachen gelegentlich Menschen aus. Wenn dann ein Hubschrauber aufstieg, um nach ihnen zu suchen, und wir Kinder diesen Hubschrauber hörten, rannten wir so schnell wie möglich im Schatten der Weiden am Bach entlang. Wir verhielten uns absichtlich wie Flüchtende, um den Verdacht auf uns zu lenken. Wir haben tatsächlich geglaubt, dass der Hubschrauber erst abdreht, nachdem die Besatzung erkannt hat, dass wir noch Kinder waren. Sich verdächtig verhalten, aber eigentlich unschuldig sein - beides zugleich war damals noch ein Kinderspiel.

Daran habe ich wieder denken müssen, als ich vor einiger Zeit in Siegen eine mittelgroße Firma besuchte, die Drohnen baut. Drohnen sind unbemannte Fluggeräte, die im militärischen Bereich sowohl zur Aufklärung als auch zum Töten eingesetzt werden. Jene Modelle, die von den Amerikanern in Afghanistan, in Pakistan und zuletzt im Jemen eingesetzt wurden, lassen sich aus beliebiger Entfernung steuern. Die Firma in Siegen baut deutlich kleinere Maschinen. Sie werden von Elektromotoren angetrieben, fliegen in der Regel nicht außerhalb der Sichtweite desjenigen, der sie steuert, und sind statt mit einer Waffe mit einer Kamera ausgestattet. In Siegen baut man zwei Typen von Drohnen. Die Polizei in Hannover hat sich für das kleinere Modell entschieden.

Ein Koffer für die Drohne

Herr Knoche hat mich für einen Dienstag in die Firma eingeladen. Der direkte Weg vom Bahnhof zu dem Tal am Stadtrand, wo der Betrieb liegt, ist voller Hindernisse. Eine Ausweichbewegung führt mich durch ein kleines Waldstück. Vereinzelte Frauen führen ihre Hunde aus. Anhand eines Computerausdrucks die Luftlinie zu Herrn Knoche zu wandern ist anspruchsvoller als gedacht. Ein kleiner Abhang will mich zu einem weiteren Umweg zwingen. Ich bin stur und rutsche aus. Die Hose ist dreckig. Ich schaue mich um. Scheinbar hat niemand etwas gesehen.

Bereits aus der Ferne sieht man einen merkwürdigen Turm auf dem Firmengelände. Am Eingang sind zwei Männer dabei, einen großen schwarzen Koffer in einen großen weißen Kombi zu packen. In dem Koffer, das weiß ich schon, liegt eine Drohne. Herr Knoche ist nett und klärt mich noch über den Turm auf. Er gehörte früher zu einer Kirche. Unser Gespräch darf ich nicht aufzeichnen, Notizen sind aber kein Problem. Welche Perspektiven hat so eine Drohne?

Produktwerbung ist erwünscht

Herr Knoche denkt an mehr Nutzlast, mehr Reichweite, also insgesamt mehr Leistung und mehr Autarkie. Er baut unbewaffnete Drohnen. Trotzdem denke ich an die amerikanische Luftwaffe. Sie hofft, in fünfunddreißig Jahren eine Drohne zu haben, die selbständig Tötungsentscheidungen trifft. Von diesem Horror bleibt Herr Knoche unberührt. Die zivilen Produkte seiner Firma lobt er konsequent. Stolz ist er besonders auf die Leistung der Akkus. Bei Stückzahlen ist er zurückhaltender, und immer, wenn ich von Angst rede, korrigiert er mich. „Vorbehalte“ und „Bedenken“ sind ihm lieber. Ich denke allerdings weiterhin „Angst“, und gelegentlich sage ich es auch. Da steht auf einmal Herr Jürss in der Tür. Er ist der Sohn des Firmengründers und möchte wissen, was vereinbart sei. Er fragt, wie es mit der Nennung des Firmennamens und der Nennung des Modelltyps aussehe. Fragen, denen ich in einem Telefonat mit Herrn Knoche schon ausgewichen bin.

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