08.02.2013 · Während in Talkshows über Sexismus debattiert wird, zelebriert der Karneval Zoten und Übergriffe auf allen Kanälen. Wie passt das zusammen?
Von Jan WieleRichtlinien für Lesermeinungen
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Genau das ist mir, Herr Mertes, vor Jahren selbst widerfahren: Die "ausführende" Kollegin, um Jahrzehnte jünger, und ich blickten uns danach an und ... schüttelten uns krumm vor Lachen! Wortlos verstanden wir uns und worum es ihr ging: Eine Parodie (griech.: Gegenlied, verspottende Nachahmung) eben und ... ein Kompliment an mich, weil ich nie "grapschte".
Werbemäßig bin ich nicht so ganz auf der Höhe der Zeit,
weil ich da beim Fernsehen meistens wegzappe. Kürzlich ist mir aber
ein Werbespot eines Handyherstellers aufgefallen, wo eine junge Frau im
Vorbeigehen ihrem männlichen Kollegen frech an den Hintern fasst.
Nun weiß ich gar nicht, wie lange der schon läuft. Auf jeden
Fall wird das offensichtlich als ok angesehen. Ich hab da auch kein
Problem mit, stelle mir aber gerade vor, wie es wäre, wenn in dem
Spot ein Mann seiner Kollegin auf den Po geklatscht hätte:
Der Werberat hätte einschreiten müssen, Boykottaufrufe von
Frauenrechtlerinnen gegen den Handyhersteller, öffentliche Proteste
junger und nicht mehr ganz so junger Frauen mit entblößtem
Hinterteil und auf den Pobacken steht: "Mein A... gehört
mir" während sie in Schuhen mit spitzen Absätzen Handys
des Herstellers medienwirksam kurz und klein treten. Der Fantasie sind
keine Grenzen gesetzt. Und Sex-Karneval ist in Deutschland eigentlich immer.
Seit meiner Pubertät wundert es mich auch, ...
... warum ich 9 Monate des Kalenderjahres ein "Spanner" wäre, versuchte ich weiblichen Wesen unter die seither kurz gewordenen Röcke zu gucken, aber mir in 3 Monaten des Jahres die langen Beine und Höschenzwickel als Kulturgut mit kirchlicher Genehmigung förmlich in's Gesicht geschleudert werden. Und da das ganze immer noch zu deutsch-bieder ist, importieren wir nun, zunehmend weltmännisch, wiederum im Namen der Kultur und Völkerverständigung brasilanische Karnevalstänzerinnen, weil die ja doch noch "ein bißchen mehr hergeben". Ließe sich doppelte Moral noch deuticher öffentlich darstellen?