24.12.2012 · Ausgebrannt zu sein ist heute kein persönliches Schicksal mehr, sondern ein gesellschaftliches. Es rührt von einem System her, das die Kosten historischer Umbrüche immer nur auf denselben Schultern ablädt.
Von Nils MinkmarRichtlinien für Lesermeinungen
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Vielen Dank für diesen Beitrag.
Mittlerweile kann eine Familie kaum noch von einem Gehalt ernährt werden, was früher normal war. Der Druck auf die Mittelschicht nimmt stetig zu!
Dank für dies wunderbare Betrachtung mit hoffnungsvollem Ausblick.
Die vernetzten Vorteilssucher und sich abhebenden Metastützen der
Gesellschaft haben übertrieben.
Superreich rechnet vielleicht mit privilegiert sicheren
offshore-Domizilen, politisch mächtig mit Enklaven für die Funktionärsklasse.
Beides falsch, denn Not wirkt allgemein insbesondere in der dann
zwangsläufig räuberischen Gesellschaft.
Die Lösung war schon immer Engagement für ein geordnet
prosperierendes Gemeinwesen. Sehr lesenswert beschreibt Greg Smith die
Degeneration der tradierten Geschäftsethik von Goldman Sachs und
lobt mit hochinteressantem Zitat belegt das Wertesystem und Engagement
von John Pierpont Morgan.
Die Schlüsselempfehlung bei Greg Smith wie von Nils Minkmar: Mut zu
wirksamen Reformen.
Island hat richtig gehandelt, bei uns dagegen scheint auch nach dem
dritten Coup des Finanzsektors Täterschutz Vorrang zu geniessen.
ich bin kein Mediziner, ich gestehe es gleich, und ich bin darob froh.
Jedoch, wenn ich mir die Menschen meiner Umgebung anschaue, in denen
in fortgeschrittenem Alter zur Diagnose Demenz gegriffen wird, und man
das Leben kennt, fällt ein anderes (laienhafte) Urteil: wenn der
jugendliche Sturm der Arbeitskraft verloren geht, oder die sexuelle
Frische abhanden kommt, was bleibt ? es bleibt Demenz. Und das kann
schon sehr früh beginnen.
in der Geschichte ist, dass dem Ausgebrannt-Sein keine Müdigkeit
vorangeht. Das Ausgebrannt-Sein ist ein Zustand, der einen dann
erwischt, wenn man mit 250 km/h über die Überholspur des
Lebens rast. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es keinerlei
Ankündigung gibt, keine Symptome, kein Unwohlsein und keinen
kleinen Kollaps vor dem Großen.
Die große Müdigkeit und Leere stellt sich nach dem
Zusammenbruch ein und voran geht ein Zustand der schwebenden
Ungläubigkeit: Wie? Was? Warum? Zusammenbruch? Ich?
Der große Irrtum, dem die deutsche Politik unterliegt, ist die
verbreitete Ansicht, dass man immer noch etwas obendrauf laden kann,
dass man die Daumenschrauben noch enger zurren kann, dass es noch mehr
gibt, was sich wirtschaftlich verwursten lässt. Ehe, Familie,
Kinder.... und andere Werte - die bisher noch kein Preisschild trugen.
Vor dem Bankrott wird alles meistbietend verhökert.
Vor Jahren ausgewandert gibt es für uns kein Zurück mehr ins
"Vorzeigeland". Nie wieder!
Wir haben die treibenden Kräfte der Globalisierung noch nicht verstanden
Hier bietet der Artikel wenig Neues; muß er ja auch nicht. Da er aber explizit auf Vermögen und ihre Nichtrolle oder Verantwortungslosigkeit in den Nationalstaaten eingeht, muß ich auf die riesigen anonymen und staatenlosenVermögen in der Welt hinweisen.
Am Anfang steht Nachdenklichkeit
In der Tat ein bemerkenswerter Artikel vom sonst eher pseudolinken Feuilleton der FAZ. Die Fortschrittsagenda von Finanzoligarchie, CDU, FDP, SPD, Grünlingen wird mit ihren Resultaten konfrontiert. Deshalb war es mir eine Freude, den Artikel bei Facebook sofort zu verlinken.
Im letzten Jahrhundert gab es mal Gewerkschaften
Im letzten Jahrhundert gab es mal mächtige Gewerkschaften, und die
waren tatsächlich zu irgendwas gut. Auch wenn das jahrzehntelang
keiner mehr wahrhaben wollte.
Guten Morgen.
Warum so pessimistisch, Herr Minkmar?
Na, wenigstens die beiden letzten Sätze lassen hoffen!
Jürgen Schossig
Immer neue Regeln, weniger Konfliktfähigkeit
Das Ausbrennen der Mittelschicht hängt noch mit anderen Dingen
zusammen. Fehlverhalten kann heute nur noch selten durch passende
Sanktionen verändert werden. Wenn in einer Klinik ein
Sauberkeitsproblem besteht, dann wird nicht genau geschaut, wo dieses
Problem genau lokalisiert werden kann, sondern es wird über alle
Mitarbeiter ein neuer Regel- und Verhaltenskatalog ausgeschüttet,
an den sich alle zu halten haben, auch die, die bisher schon das meiste
richtig gemacht haben. Mitarbeiter, die sich bisher auch noch nicht an
die Regeln gehalten haben, werden auch weiterhin mogeln. Vielleicht
werden sie in Zukunft früher erwischt, aber zum Preis, daß
die Korrekten unnötige Arbeit haben.
Im privaten Leben ist es auch schwieriger geworden. Wie kann man sich
privat gegen Regelverstöße durchsetzen? Weggeworfenen
Müll, Ruhestörungen, Rücksichtslosigkeiten? Darunter
leiden die, die bereit sich, an Regeln zu halten. Das zehrt an den
Kräften, und mindert die Bereitschaft, Regeln einzuhalten.
Hat mit Globalisierung nichts zu tun
Was ich anspreche, hat mit der Globalisierung nichts zu tun. Wie wir hier mit Problemen umgehen ist unsere Sache. Und bei dem, was ich anspreche, geht es nicht um Sachzwänge, sondern um das, was wir wollen. Wenn wir nicht bereit sind, gewisse Anstrengungen auf uns zu nehmen und unbequeme Wege zu gehen, dann wird uns diese Bequemlichkeit bald auf die Füße fallen und mehr Unannehmlichkeiten mit sich bringen als die, die wir vermeiden wollten. Ein gutes Beispiel für so ein kurzfristiges Denken ist Kindererziehung, bei dem man auch manchmal Ärger und Streit in Kauf nehmen muß, um langfristig das zu erreichen, was man für richtig hält.
Nebenwirkungen
Auch diese unangenehmen Nebenwirkungen der Globalisierung sollen wir
doch akzeptieren. "Weniger Deutschland" erfordert halt Opfer.
Treffend analysiert, i.b. die Frage der Lastenverteilung der
Bankenkrise. Und eine Lösung für die gerechte Lastenverteilung
wird gleich mitgeliefert: Das Isländische Modell. Das Zauberwort
der "Systemrelevanz" verhindert ein Schicksal von Banken, das
jeden anderen trifft, wenn er schlecht wirtschaftet oder sich
verkalkuiert.
Treffen würde jede Bankenpleite - wie im Artikel gefordert - die
Vermögenden, denen die Banken gehören. Ja, darunter sind auch
kleine Leute, die sich nicht klar waren, dass sie bereits mit dem Kauf
eines Aktienfonds zu klassischen Kapitalisten werden, die
gefälligst ihr unternehmerisches Risiko selbst zu tragen haben,
wenn sie auch von den Chancen zu profitieren gedenken, die sie sich
erhoffen.
Denn ob großes oder kleines Vermögen: Es kann nicht sein,
dass zu deren Rettung auch Gelder jener herangezogen werden -
nämlich das der Steuerzahler - bei denen niemand danach fragt, ob
sie nach Abzug ihrer Steuern noch Geld zur Vermögensbildung
übrig haben.
Die Deutschen haben sich ihren Erfolg nach dem Krieg hart erarbeitet und waren trotzdem
nicht ausgebrannt. Leider hatten sie dann die falschen Volksvertreter gewählt. Diese förderten den Ausverkauf Deutschlands und Abschaffung der Deutschen. Doch immer noch glauben viele den Lügen der Volksvertreter und ihrer Medien: "Es geht nicht anders, es gibt zur Abschaffung Deutschlands keine Alternative!". Viele gehen nicht mehr zur Wahl und zappen sich ausgebrannt durch die Programme.
Der Besitzende soll zahlen,als ob das nicht bereits so wäre..z.B.Immobilienbesitz: Durchschnittsrendite um 1%,wenn es nicht eine niegelnagelneue Immobilie ist..50 -60 % der Kosten für Handwerker,Reparaturen und öffentliche Gebühren ,die nicht alle auf die Mieter abwälzbar sind.Die Mehrwertsteuer im Gegensatz zum gewerblichen Unternehmer nicht absetzbar;mieterschutzrechtliche Sonderkosten en masse..Dann die 10 % einkommensmäßig am meisten verdienden Steuerzahler bringen 60 bis 70 % der Steuereinahmen.. ist das nichts?Ich wundere mich schon über die FAZ ,die jetz auch auf die Reichenjagd geht.
Wann endet der Schlaf, wann erwachen die Kräfte?
Die Bestandsaufnahme ist weit gehend vollständig und in hohem
Maße kongruent mit der Wirklichkeit. Aber da ist doch wirklich
kein Licht am Horizont. Um wieviel müssen die Dinge denn noch
schlimmer werden, ehe sie besser werden?
Bleibt denn eine Alternative zur Gewalt, oder ist das Messer in den Kopf
der Massen schon so weit hineingetrieben, daß eine Besinnung auf
Selbstheilung und Entfaltung notwendiger Kräfte für eine
Renaissance oder sogar ein Revolution nie mehr erwachen wird?