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Ein Treffen mit Nana Mouskouri Faule Griechen, deutsche Zuchtmeister?

Die griechische Sängerin Nana Mouskouri saß fünf Jahre im europäischen Parlament. Was sagt sie heute zur Krise ihrer Heimat, zum deutsch-griechischen Verhältnis und zu ihren neuen Duetten?

© Wonge Bergmann Vergrößern Das Lächeln einer Frau, die schon mehr als eine Krise erlebt hat: Nana Mouskouri am 29. Februar 2012 in Frankfurt

Mit ihr begann die große deutsch-griechische Liebe: Nachdem Nana Mouskouris „Weiße Rosen aus Athen“ 1961 monatelang die hiesige Hitparade angeführt hatten, machten wir uns als Urlauber auf den Weg dorthin und vertrauten im Gegenzug Tausende griechischer Gastarbeiter darauf, dass sie hier gut aufgenommen würden. Zur Vorbereitung einer kleinen Deutschlandtournee bereist die Sängerin momentan die Bundesrepublik. Und sie, die bald nach dem Rosenhit und dank ihm Weltkarriere machte, steht vor einem Scherbenhaufen: Viele Griechen sehen momentan in Deutschland den erpresserischen Finanzier Europas, der ihrem bankrottbedrohten Staat ruinöse Bedingungen diktiert, und hier kursiert das Klischee vom sorglosen Griechen, der auf Kosten deutscher Steuerzahler gelebt habe.

Soll man sagen, Nana Mouskouri sei erschüttert? Freundlich gelassen sitzt sie einem im karg designten Casino des Hessischen Rundfunks gegenüber, souverän, als wäre es die Halle eines Luxushotels in Athen oder Paris. Aber sie weicht vom üblichen Werbegeplauder über Tourneedaten und ihre neue CD ab, als die Rede auf den zweiten Rettungsschirm kommt. Nicht die Griechen seien verantwortlich, sagt sie, sondern „dreißig Jahre Lügen“.

Nach einer Amtszeit hatte sie genug

Gemeint sind die politischen Verhältnisse des Landes, die Parteien, denen es nach der Militärdiktatur trotz vieler reformerischer Ansätze nicht gelungen sei, Griechenland in einen Staat mit einem nach europäischem Standard geordneten Finanz- und Steuerwesen zu überführen. Nicht gelungen? Nein, die Mehrzahl der Verantwortlichen habe das nicht einmal gewollt. Was zu viele wollten, war „Geld, Geld, Geld!“ Was Wunder, dass die Bevölkerung, vor allem die ländliche, EU-Zuschüsse wie „Pakete aus dem Ausland“ sah, die man bedenkenlos annehmen und deren Inhalt man rückhaltlos aufbrauchen konnte.

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Nana Mouskouri weiß, wovon sie spricht: Sie saß von 1994 bis 1999 als Abgeordnete Griechenlands im Europaparlament. Eine zweite Amtszeit lehnte sie ab, weil es auch dort, so ihre damalige Begründung, zu oft „um Machterhalt und Parteipolitik, nicht um Wahrheit und Freiheit“ gegangen sei. Das drohende griechische Chaos schmerzt sie umso tiefer, als sie am eigenen Leib erfahren hat, wohin soziale Unruhen führen: Unmittelbar nach dem Staatsstreich der Obristen verließ sie Griechenland, weil sie sich als gute Freundin des Kommunisten Mikis Theodorakis und Interpretin seiner Volkslied-Zyklen verdächtig gemacht hatte.

In Loyalität zu Griechenland

Dass sich aus den Protesten in den griechischen Großstädten ein Bürgerkrieg entwickeln könnte, fürchtet Nana Mouskouri nicht. Man habe die entsetzlichen Kämpfe von 1949 ebenso wie die Diktatur zu lebhaft in Erinnerung, als dass man noch einmal ein solches Chaos riskierte. Die kommenden Neuwahlen? „Parteien, wenn sie so zerstritten sind wie bei uns, können momentan die Probleme nicht lösen. Ich glaube an die Leute, nicht an die Politik.“ Gefragt, was sie damit meine, antwortet sie mit Beschreibungen, die verblüffend an Papandreous beschwörende Reden im November 2011 erinnern: Die Griechen, so Nana Mouskouri, seien „nicht reich, aber stolz“. Wenn man diesen Stolz ansporne, sei Rettung möglich. Wenn man ihn verletze, treibe man das Land und damit Europa tiefer in die Krise.

Die Sängerin steht loyal zu ihrem Land: „Griechenland muss seine Seele zurückfinden!“ Dieser Schlüsselsatz ist nicht so wohlfeil wie Papandreous Formeln. Er gründet in einem Leben, das trotz langjährigen Exils immer mit Griechenland und der griechischen Gesellschaft verbunden war. Was umgekehrt nicht heißt, dass blinder Lokalpatriotismus Nana Mouskouri den Blick verstellte. Im Gegenteil, immer wieder verweist die Künstlerin darauf, dass sie in den fünfzig Jahren ihrer Karriere fast alle Kontinente bereist hat, oft monatelang in den Vereinigten Staaten lebte, ihr Genf und Paris zweite Heimat wurden.

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