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Ein Junggesellenabschied in Prag : Männersache

  • -Aktualisiert am

Im Club „Darling“ in Prag ist Fotografieren eigentlich verboten, alle anderen Genehmigungen allerdings kann man kaufen Bild: Thomas Hunter

Ein paar Freunde reisen nach Prag, um zu essen, zu trinken und ein wenig Spaß zu haben. Einer von ihnen wird in der Woche darauf heiraten.

          Die Gesichter der Männer sind angespannt, freudig verzerrt, begeistert. Fast so als wären sie wieder kleine Jungs, die man in die Spielwarenabteilung eines Kaufhauses führt und denen man sagt: „Das ist alles für dich! Es gehört dir! Greif zu!“ Ungläubiges Staunen. Das gibt’s doch gar nicht. Doch, das gibt es.

          Auf der tanzflächenartigen Bühne räkelt sich eine Frau. Sie ist nackt und spreizt die Beine. Die Männer grölen, lachen und hauen sich gegenseitig auf die Schulter. Es herrscht echte Begeisterung, die Stühle werden noch ein wenig näher an die Tanzfläche gerückt, worauf dann freundliche, breitschultrige Angestellte kommen, die darauf hinweisen, dass man doch bitte ein wenig Platz zwischen Bühne und Sitzreihe lassen solle.

          Danach bedankt sich eine tschechische Stimme bei der Tänzerin, die schnell ihre Sachen zusammen sucht, um dem nächsten Mädchen auf der Bühne Platz zu machen. Ich bin bei einem Junggesellenabschied und schon den ganzen Tag lief es genau darauf hinaus: Wir gehen in den Puff! Eigentlich hat unsere Fahrt nach Prag gar keinen anderen Sinn gehabt, als in diesem Club zu landen, der sich großspurig als „Cabaret“ bezeichnet.

          Die Ehe als Endpunkt

          Samstagmorgen, acht Uhr, Hamburg Hauptbahnhof. Die Reisegruppe ist trotz der frühen Stunde richtig gut drauf. Junge Männer aus gehobenen Kreisen, in legerer Freizeitkleidung mit guter Ausbildung. Hemd von Ralph Lauren, Slipper von Gucci, edle Uhren, eine gesunde Gesichtsfarbe. Der Bräutigam blickt nervös in die Runde und behauptet die ganze Zeit, dass er Angst habe, was seine Jungs mit ihm vorhätten. Unter lautem Gejohle steigen wir in den Zug der ungarischen Staatsbahn. Es ist die letzte „Ausfahrt in Freiheit“, das letzte mal „so richtig auf die Kacke hauen“, „durchdrehen“, „steil gehen“, wie immer man das bezeichnet. Gerade so, als ob der hochzeitswillige Junggeselle nach seiner Heirat sterben muss oder man in der Ehe keinen Spaß mehr hätte.

          Kaum haben wir unsere Sitzplätze eingenommen, das erste Bier ist verteilt, wird der Bräutigam darauf hingewiesen, dass die Frauen, die für heute Abend bestellt worden seien, wirklich überaus hässlich wären. So richtig behaart und naturbelassen, schließlich gehe es nach Budapest und von dort aus weiter in die Karpaten, man wisse ja, was die dort für Weiber hätten. Das zweite Bier wird fällig, und der Bräutigam muss sich umziehen. Das ist so üblich und gehört dazu. Wir brauchen einen Festochsen, den wir vor uns hertreiben können und der uns als willige Junggesellenabschiedspartycrowd kennzeichnet.

          Wo ist eigentlich das Bier?

          Unser Junggeselle muss eine mit einem Frauenkörper bemalte Schürze mit aufgeklebten dicken Schaumstofftitten tragen, eine Hose mit Herzen und eine Bierbrille. Weiter vorn im Zug sitzt eine andere Gruppe, ebenfalls eine Junggesellenabschiedsfahrt, die ihren Bräutigam als Hofnarr verkleidet hat. Das ist auch lustig und über alle Bildungsgrenzen hinweg wird Brüderschaft getrunken, denn die dort vorn sind ja eigentlich gar nicht wie wir. Kraftsportler, die in Berlin zugestiegen sind, wahrscheinlich aus dem Osten, wie man sieht. Handfeste Typen mit „Eisbären Berlin“-Aufnähern, während man selbst ja schon etwas auf seine hanseatische Herkunft hält. Trotz allem super Typen. Prost. Neues Bier. Zwischendurch noch ein kleiner Feigling und eine Stulle als Grundlage. Man muss ja noch lang durchhalten.

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