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Ein Jahr Konsumverzicht : Keine neuen Pumps, keine teure Ökotour

  • -Aktualisiert am

Wer konsumiert, gehört dazu Bild: dpa

Tagebuch einer Askese: Judith Levine hat ein Jahr lang nur das Nötigste gekauft. Plötzlich hatte die New Yorker Autorin überraschend viel Zeit zur Verfügung - und gewann einige Erkenntnisse. Von Nina Rehfeld.

          Als sich Judith Levine vor drei Jahren im Weihnachtsstress durch die Straßenschluchten ihrer Heimatstadt schob, hatte sie eine Eingebung. „Während ich mich so umschaute“, sagt die New Yorker Journalistin und Autorin, „wurde mir schlagartig klar, dass in spätestens sechs Monaten die meisten dieser vielen elektronischen Spielzeuge, die vielen Pullover, die niemand tragen wollte, und die ganzen Spielzeuge, derer die Kinder bald überdrüssig wären, auf irgendeiner Müllhalde landen würden.“

          Überwältigt von einer plötzlichen Abscheu gegen den hemmungslosen Kaufrausch, der auch sie aufs Neue ergriffen hatte, fasste sie einen wagemutigen Entschluss: ein ganzes Jahr Konsumverzicht. Keine neuen Pumps, keine schicken Wohnungsaccessoires, kein elektronischer Krimskrams, aber auch kein Frühstück im Café oder Abendessen im Restaurant, kein Kino- oder Theaterbesuch. Nicht einmal einen Buchkauf gestattete sie sich. Und Geschenke mussten fortan selbst gebastelt werden. In einem Tagebuch hielt die fünfundfünfzig Jahre alte Autorin den Verlauf fest, und unter dem Titel „No Shopping“ ist es jetzt auch auf Deutsch zu haben - eine amüsante, aber auch informative Abhandlung über das Phänomen Konsum, das eben mehr ist als eine private Handlung.

          Offizielles Krisenheilmittel

          Gleich zu Beginn erinnert Judith Levine ihre Leser daran, dass Konsum in Amerika nicht nur als Selbstverständlichkeit, sondern als offizielles Krisenheilmittel betrachtet wird. „Galt Shopping in den Vereinigten Staaten schon seit langem als ein vergnügliches Hobby“, schreibt Levine, „so wurde es nach dem 11. September zur patriotischen Pflicht. ,Kauft einen Flachbildfernseher', befahl uns die Regierung, ,oder der Terrorismus hat gesiegt!'“

          Im Laufe ihrer zwölfmonatigen Weigerung, ihr Vaterland und dessen Einzelhandel zu unterstützen, taten sich für die Autorin überraschende Erkenntnisse auf. Eigentlich, sagt Judith Levine, habe sie sich immer für eine eher moderate Konsumentin gehalten. Doch kaum hatte sie sich das Einkaufengehen untersagt, stellte sie fest, wie sehr es ihr fehlte: „Ich gehe zwar samstags nicht in die Kaufhäuser, um mir die Zeit zu vertreiben“, sagt sie, „aber ich hänge doch von Konsumgütern ab - sie vertreiben meine Langeweile, sie machen Spaß, sie geben mir ein Gefühl der Befriedigung und helfen mir, meine Identität zu definieren.“

          Auch das Kulturleben gestrichen

          Für ihren Selbstversuch erklärte Judith Levine die Enthaltsamkeit zur obersten Priorität: Gekauft werden darf nur, was gebraucht wird, alles in der Kategorie „Begehren“ ist für zwölf Monate gestrichen - auch das Kulturleben. „Ich wollte mich komplett aus der Welt des Konsums zurückziehen“, begründet sie das, „auch aus dem kulturellen Marktplatz. Hier werden zwar keine Dinge gehandelt, aber doch Güter, die eine Identität zum Ausdruck bringen. Man kauft eine Ökotour in Costa Rica, eine Shiatsu-Massage, ein bestimmtes Buch - Identitätsstifter, mit denen man seine Weltanschauung, seine politische Zugehörigkeit, seinen Stand in der Welt signalisiert.“

          Erlaubt waren lediglich Besuche von Gratisveranstaltungen wie öffentliche Gedichtlesungen, die städtische Leihbücherei, Konzerte im Park. Ganz allein wagte sich Levine indes nicht in die Ödnis des Nichtkaufens: Sie trat das Experiment gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Paul an. „Da Einkaufen vor allem den Zweck zu haben scheint, uns über Ängste und Gefühle der Unzufriedenheit hinwegzuhelfen“, sagt die Autorin, „hilft es, jemanden dabeizuhaben, der einen dann von diesen Gefühlen ablenkt.“ Nebenbei eröffneten sich ihr dabei auch Erkenntnisse über die Unterschiede im Konsumverhalten von Männern und Frauen. Paul, sagt Judith Levine, war ihr sowohl Inspiration als auch Irritation „mit seiner Fähigkeit, sich des Konsums ohne große Schwierigkeiten zu enthalten“.

          Ein gewisser Druck

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