weil wir Antidepressiva genommen haben;
weil wir vom 1. Januar an keine Praxisgebühr mehr bezahlen müssen, um noch mehr Antidepressiva zu bekommen;
weil es nun endlich, endlich Sinn ergibt, dass Florian Illies jüngst ein Buch über das Jahr 1913 veröffentlicht hat;
weil wir als Anhänger der britischen Monarchie 2013 einem ganz besonders freudigen Ereignis entgegensehen: die Queen wird 87;
weil es sich bald eventuell ausgegangnamt haben wird;
weil die Welt nicht untergegangen ist;
weil Mitt Romney als Rentner in La Jolla eine sagenhaft gute Figur macht;
weil Papst Benedikt XVI. und Bret Easton Ellis via Twitter auch weiterhin für ordentlich gute Laune sorgen werden;
weil wir die Tränen, die wir nach Michael Hanekes „Amour“ zum Trocknen aufgehängt haben, endlich wieder von der Leine nehmen können;
weil auch die Taschentücher, die wir in „Amour“ dabeihatten, getrocknet und gebügelt sind;
weil „50 Shades of Grey“ angeblich das Verruchteste war, was dieses Jahr zu bieten hatte;
weil Lana Del Rey doch wohl nie wieder für eine H&M-Kampagne modeln wird;
weil die Hoffnung zuletzt stirbt;
weil Philip Roth Ruhe gibt und wir endlich Zeit haben, seine ganzen alten Romane zu lesen;
weil es Zeit für neue gute Vorsätze ist;
weil im Stuttgarter Schlossgarten nie mehr Laubstaubsauger dröhnen werden, da es ja wegen S21 dort fast keine Bäume mehr gibt;
weil die „Costa Concordia“ vor der italienischen Küste so ein pittoreskes Ausflugsziel ist (und man weiß ja - von München aus nur ein Katzenschritt);
weil die griechischen Inseln noch nicht wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis sind;
weil Per Johansson wohl seinen ersten und letzten Schwedenkrimi geschrieben hat;
weil wir ganz froh sind, dass manche Urheber neuerdings lieber Aufrufe unterzeichnen, statt Bücher zu schreiben;
weil auf der letzten Buchmesse schon wieder keine ordentlichen Prügeleien zwischen Kritikern und Schriftstellern stattfanden, obwohl es Anlass genug dafür gegeben hätte;
weil Barack Obama nur die erste Zeile von „Let’s Stay Together“ gesungen hat, fürs ganze Lied bleiben ihm jetzt noch vier Jahre;
weil Lance Armstrong endlich bekommen hat, was er verdient: allein die millionenfach verkauften gelben Armbändchen von Nike brachten ihm mehr als achtzig Millionen Dollar ein;
weil Oscar Niemeyer mit 105 einfach gestorben ist, statt noch weitere fünfzig Jahre weiter Kette zu rauchen und zu beweisen, dass es den Tod auf seinen Betonkurven immer wieder auf die Nase haut;
weil das Amt nicht länger in Gefahr ist;
weil endlich bewiesen ist, dass es Gott gibt - oder zumindest ein Teilchen von ihm;
weil wir dringend die neue Staffel von „Homeland“ brauchen! Und die von „Game of Thrones“;
weil wir an Saul Berenson glauben;
weil Frühling schon so lange her ist;
weil TXL noch eine große Zukunft hat;
weil Halle Berry und Tom Hanks wieder in Freiheit sind;
weil Joachim Gauck gar nicht nervt, und gewaschen hat er sich inzwischen ja auch;
weil die deutsche Fußballnationalmannschaft 2013 weder bei einer EM noch einer WM vor dem Finale rausfliegen kann - so gerne sie das vielleicht würde;
weil Kristina Schröder ein Buch geschrieben hat und deshalb erst mal kein neues zu befürchten ist;
weil sich andere Texte auch ohne die Hilfe von Ghostwritern schreiben lassen: etwa ein Rücktrittsgesuch;
weil bald keine deutschen Soldaten mehr in Afghanistan sein werden, denen Til Schweiger Nutella schicken muss;
weil nächstes Jahr vielleicht besseres Wetter ist;
weil nächstes Jahr hoffentlich besseres Wetter ist;
weil das Wetter ja gar nicht noch einmal so schlimm werden kann;
weil es nach Jean-Claude Van Damme endlich wieder einen belgischen Filmstar gibt: Gérard Depardieu;
weil alle Welt begriffen hat, dass Baschar al Assad ein Diktator ist (außer für Jürgen Todenhöfer);
weil die FDP im neuen Jahr ihre wahre Bestimmung als außerparlamentarische Oppositionspartei erkennen und entschlossen und tapfer annehmen wird;
weil unser „SZ“-Kollege Günter Grass bestimmt noch einige lustige Gedichte in petto hat;
weil das mal gesagt werden musste;
weil man doch wohl noch wird sagen dürfen, dass jetzt wirklich jeder Gedichte schreiben kann;
weil jetzt erst mal niemand mehr auf die Idee kommen wird, sein Kind „Sandy“ zu nennen;
weil wir bei Yves Saint Laurent in der Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris nicht mehr stundenlang an der Kasse warten müssen, bis Frau Ben Ali endlich all ihre tunesischen Schecks eingelöst hat;
weil die Elternzeit von Sigmar Gabriel vorbei ist und er uns nun nicht länger mit Geschichten über Mariechen auf die Nerven geht;
weil es immer noch Zeitungen gibt;
weil es immer noch Buchläden gibt;
weil es uns immer noch gibt;
weil 2012 kein gutes Jahr für freche, laute junge Frauen war, die in Kirchen einfach mal ein bisschen herumtoben wollten - jedenfalls nicht in Russland;
weil diese blöde Zeit „zwischen den Jahren“ morgen endlich vorbei ist;
weil wir uns auf Neuigkeiten vom Mars freuen;
weil es keine neue Folge der „Wanderhure“ mehr geben wird;
weil es doch auch irgendwann wieder aufwärtsgehen muss;
weil Bushido, Sylvie van der Vaart und Peer Steinbrück auch ohne Doktortitel was geworden sind, Frau Schavan;
weil die Schlecker-Frauen wie Löwinnen gekämpft haben, Toupier-Frisuren aber trotzdem nicht wieder in Mode gekommen sind;
weil in den pinken Überraschungseiern, die es jetzt extra für Mädchen gibt, auch Plastikprinzen drin sind, die nicht richtig stehen können;
weil die pinken Überraschungseier am Ende gar nicht für Mädchen sind, sondern für manche Männer;
weil wir inzwischen wahnsinnig krisenerprobt sind;
weil wir inzwischen, wenn wir neue Krisen nur in der Ferne wittern, rufen: Bring ’em on!;
weil Deutschland endlich 500 Intellektuelle hat;
weil in einer wahren Demokratie nämlich jeder das Recht hat, sich einen Intellektuellen zu nennen;
weil in der gelenkten russischen Demokratie aber Wladimir Putin dafür gesorgt hat, dass Angelina Jolie und Brad Pitt kein russisches Kind adoptieren dürfen;
weil wir das Preisgeld für unseren hart verdienten Friedensnobelpreis ja wohl hoffentlich noch irgendwann ausbezahlt bekommen;
weil bestimmt bald wieder ein „Spiegel“-Titel mit spannenden neuen Erkenntnissen über Jesus oder Hitler kommt (müsste doch, war schon länger nicht);
weil erbitterte Feuilleton-Debatten neuerdings auf Facebook geführt werden, wo man sie wunderbar nicht mitkriegen kann;
weil wir dieses Jahr so oft „unsubscribe“ in die Betreffzeile von Antwortmails geschrieben haben, dass die Flut unnützer E-Mails von Absendern, in deren Verteiler wir aufgenommen zu werden niemals gebeten haben, doch irgendwann versiegen muss;
weil auch die letzte Geschichte über Rihannas Marketing-Flug 777 nun endlich erschienen sein dürfte;
weil wir nie wieder Heidi und Seal in peinlichen Halloween-Kostümen sehen müssen, jedenfalls nicht zusammen;
weil Christian Kracht doch kein Nazi ist;
weil sich seit Clint Eastwoods Auftritt beim Parteitag der Republikaner niemand mehr schämen muss, beim Anschreien von Stühlen, Couchtischchen oder Kuckucksuhren erwischt zu werden;
weil wir uns aber, andererseits, fürs neue Jahr vorgenommen haben, zu unseren Stühlen, Couchtischchen und Kuckucksuhren ein bisschen freundlicher zu sein;
weil irgendwann vielleicht auch die Titel von Kunstausstellungen aufhören werden, einen in Großbuchstaben anzuschreien. „YOU KILLED ME FIRST“, „PRIVAT“, „FRAUEN. FRAUEN. FRAUEN“;
weil wir sonst in Großbuchstaben zurückschreien werden: „DU KUNST MICH MAL!“;
weil nicht nur der hundertste Geburtstag der „Prawda“, sondern auch der hundertste Geburtstag von Biene Maja zu feiern war, was alle vergessen haben, weil alle, die von Maya redeten, nur das Ende der Welt kommen sahen und keine hundertjährige Biene;
weil es nächstes Jahr weniger Maya und mehr Mayo gibt;
weil das sogenannte Pop-Duo Rosenstolz sich dankenswerterweise aufgelöst hat;
weil 2012 das Gerücht aufkam, Christian Wulff habe sein Gelbklinkerhaus in die Luft gejagt, seinen Škoda angezündet und sich mit Gerhard Schröder, Peter Hartz, Carsten Maschmeyer und sechzehn von VW bezahlten Brasilianerinnen in einer von Veronica Ferres gestalteten Kapsel durch ein Gasprom-Rohr nach Moskau schießen lassen, was sich leider als Falschmeldung herausstellte, uns aber immer noch zum Träumen bringt;
weil endlich wieder Kunstbiennale in Venedig!;
weil endlich wieder Rennrodel-Europameisterschaften in Thüringen!;
weil endlich wieder ringförmige Sonnenfinsternis (am 10. Mai);
weil Spargel! Pfifferlinge! Erdbeeren!;
weil Spargel, Pfifferlinge, Erdbeeren, wenn es nach Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev ginge, demnächst auch wählen dürfen;
weil es endlich wieder einen Anlass gibt, nach New York zu fahren, nämlich um der grandiosen Grand Central Station zum hundertsten Geburtstag zu gratulieren (2. Februar);
weil wir unbedingt sehen wollen, wie es mit Berlusconis Gesicht weitergeht;
weil 2013 Albert Camus hundert Jahre alt geworden wäre, und wenn das mal nicht mit einem schönen Fremden gefeiert werden muss;
weil die Quersumme von 2013 sechs ist, was deutlich sexier ist als die Quersumme von 2012;
weil nach dem koptischen Kalender jetzt das Jahr 1729 anbricht - und was war das für ein tolles Jahr: Bach komponierte einen Hit nach dem anderen, der Tuchhändler Nicolas Irénée Ruinart entdeckte, dass Champagner viel besser schmeckt als Tücher, und Ruinart-Champagner gibt es heute noch, und morgen Abend wird großräumig entkorkt!
Klare graphische Umsetzung des LISTEN-LOGOS 2013
Franz Becker (FBXL9)
- 31.12.2012, 13:04 Uhr
Da hofft die FAZ wohl vergeblich
Ralf Kowollik (InterNETkobold)
- 31.12.2012, 09:28 Uhr