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Ein hauptstädtisches Schauspiel : Triff, Theater

  • -Aktualisiert am

Das Berliner Theatertreffen ist wieder einmal ausverkauft. Eine willkommenen Gelegenheit für die Szene sich selbst zu feiern, für ein Fest ohne rechten Anlass.

          Natürlich ist das Berliner Theatertreffen, das morgen wieder seine Tore öffnet, eine fragwürdige Angelegenheit - denn wer dazu eingeladen wird, entscheidet eine Jury. Eine Jury aber besteht aus Menschen, und die menscheln mitunter: Man will ja nicht abseitsstehen, man will ja dort mitmachen und mitschreiben, wo der Hauptstrom rauscht. Und so geschah es nach und nach, dass die Jury sich zusehends den Mainstream-Direktiven eines tonangebenden Fachblattes unterwarf: wo „Theater heute“, da auch ein zweckdienliches Netzwerk.

          Die Einladung als Gütesiegel

          Deshalb fehlt die frühere Vielfalt der künstlerischen Handschriften beim Theatertreffen inzwischen völlig. Hofiert werden Inszenierungen, die sich dem Zeitgeist rückgratlos anbiedern. Widerstand, Pluralismus, Diversifikation - Fremdworte in den bevorzugt nach der Mode gehenden Auslesen. Wozu jedoch braucht man dann das Theatertreffen, das 1964 gegründet wurde, um den WestBerlinern die Bandbreite von „bemerkenswerten“ deutschsprachigen Produktionen aus der freien, weiten Welt zu zeigen?

          Dabei sein aber ist bis heute alles, jede Einladung ein lukratives Gütesiegel. Und die Zuschauer strömen wie eh und je. Ob die Aufführungen aus der Hoch- oder Möchtegernkultur, aus Metropolen oder der Provinz kommen, die Vorstellungen sind ausverkauft. Drum herum wird getrunken, debattiert, gejubelt. Und das Theater feiert sich, als wäre es in der Gesellschaft noch von Bedeutung. Vielleicht ist es das ja tatsächlich, denn wenn im Mai die lauen Abende locken, müsste man nicht unbedingt zu stattlichen Preisen in dunklen Sälen hocken. Doch dies geschieht so, Jahr für Jahr. Egal, wie dubios die Auswahl - die Berliner rennen hin. Ob es damit zu tun hat, dass die Stadt selbst, aus der (ein Schelm, wer dabei an Kostensenkung denkt) stets auch ein paar Inszenierungen stammen, theatermäßig längst recht wenig zu bieten hat?

          Ausgeblutet die Off-Szene; konzeptlos erstarrt die großen Häuser; bald insolvent womöglich das Grips-Theater; überfordert bis ignorant die Kulturpolitik. Das Publikum aber nährt unverdrossen in sich die Hoffnung, Qualität zumindest bei Gastspielen zu erleben. Dann wäre das Theatertreffen die Locke auf der Glatze der Hauptstadtbühnen - die sie sich in den Intendanten- wie Senatsbüros als eigene Löwenmähne schönreden, anstatt wieder einmal in den Spiegel zu schauen.

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