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Ramadan im Sommer : Unerwartete Unbequemlichkeiten

Kein schöner Land in dieser Zeit: Vom frühen Morgen oben im Norden wusste schon Jean Paul zu berichten. Hier kann der Ramadan nicht erfunden worden sein. Bild: dpa

Die Düsseldorfer Johanniter suchen freiwillige Helfer, damit das Essen in den fünften Stock eines Flüchtlingsheims kommt. Der Grund: ein defekter Fahrstuhl. Und Ramadan.

          Das „Glück eines schwedischen Pfarrers“, das sich Jean Paul einmal ausmalte, ist zweideutig. Obwohl es auch seine schönen Seiten hat – geht doch in Skandinavien die Sonne im Sommer viel früher auf als in Italien oder noch weiter südlich. Dann klopft also „der herrlich beladene längste Tag an seine Brust an, und hält die Morgenröte voll Lerchengesang schon um 1Uhr Nachts in der Hand“. Dann feiert der schwedische Pfarrer mit den Seinen einen wunderbaren Tag, und wenn sie abends müde ins Bett gehen, ist die Sonne immer noch nicht untergegangen, sondern legt „ein müdes Rot um die Häuser und an die Scheiben“.

          In diesem Schweden konnte der Ramadan nicht erfunden werden. Denn wer würde es über mehrere Wochen ertragen, nicht nach Sonnenaufgang und nicht vor Sonnenuntergang Speis und Trank zu sich zu nehmen? Und nur schwach wäre der Trost, dass der schwedische Winter die Gläubigen ja insofern entschädigt, als sie eigentlich ständig essen können, denn dann scheinen um 9Uhr früh noch die Sterne und „der helle Mond noch länger“, wie Jean Paul sagt. Um 4 Uhr nachmittags kann zur Winterzeit der schwedische Pfarrer „vielleicht schon unter einem am Himmel wallenden Nordschein spazieren gehen“, und der schwedische Muslim kann sich auch ohne übermäßige asketische Anstrengung wieder stärken.

          Wir denken zu wenig an solche Dinge. Nur die Johanniter tun es. Für das Düsseldorfer Quartier der Schutzsuchenden in der Roßstraße werden Freiwillige gesucht, die das Essen für die Geflüchteten in den fünften Stock tragen. Der Fahrstuhl geht ja nicht mehr! Und die Empfänger sind – siehe oben – durch den Ramadan geschwächt, der eben hier, in den langen Tagen des Sommers, Unbequemlichkeiten mit sich bringt, von denen sie in ihrer alten Heimat nichts ahnten.

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