22.07.2003 · Die Dürre bedroht auch deutsche Kulturlandschaften. Beispiel Wörlitz: Im dortigen Gartenreich trocken die Gewässer aus, die Gondoliere sind ohne Einkommen. Doch auch die Politik macht den Gärten zu schaffen.
Von Frank PergandeDie Gondeln im Wörlitzer Park können derzeit nicht mehr auf den Kanälen fahren, sondern nur noch auf dem See am Schloß. Es ist zu wenig Wasser da. Im vergangenen Jahr konnten die Gondeln nicht fahren, weil das Hochwasser drohte, das von der Elbe nur durch den Deich getrennte Gartenreich zu verschlingen.
Wenn die Gondeln nicht fahren können, versäumen die Parkbesucher nicht nur ein besonderes Erlebnis. Die Gondoliere sind ohne Einkommen. Die Gondeln sind bei etwa einer Million Besucher im Jahr ein Wirtschaftsfaktor. Hier sind etwa zwei Dutzend der insgesamt siebenhundert Arbeitsplätze zu finden, die direkt oder indirekt vom Gartenreich Dessau-Wörlitz in Sachsen-Anhalt abhängen.
Neues Bangen
Zum Anfang des Jahrtausends wurde das Gartenreich Weltkulturerbe. Das konnte die Kulturstiftung, welche die einst von dem anhaltischen Fürst Franz, einem geistvollen Romantiker, geschaffene künstliche Landschaft verwaltet, noch einmal richtig feiern. Dann wurde das Gartenreich auch noch auf die sogenannte Blaubuch-Liste national bedeutender kultureller Orte in den neuen Ländern gesetzt. Seitdem geht es bergab. Nicht nur die Natur brachte alle Pläne durcheinander. Jahr für Jahr bedeutet der Haushalt ein neues Bangen. Es fehlten die Ruhe und Planungssicherheit, um das Wunder dieses riesigen Gartens nahe Dessau nicht nur zu pflegen, sondern es dort wiederzugewinnen, wo es in der DDR-Zeit verlorengegangen war.
Der Haushalt der Kulturstiftung beträgt etwas mehr als sieben Millionen Euro. Den Hauptanteil dabei zahlt das Land Sachsen-Anhalt. Knapp 1,3 Millionen Euro kommen vom Bund. Ein erster Versuch noch unter der sozialdemokratischen Regierung in Magdeburg, deutlich weniger Geld für das Gartenreich auszugeben, scheiterte zunächst am Wahlergebnis.
Zehn Prozent Kürzung
Der CDU/FDP-Regierung muß die Schönheit und Bedeutung des Gartenreiches nicht erklärt werden. Dennoch kommt nun auch sie nicht umhin, den Gartenreich-Etat um zehn Prozent zu kürzen. Das ist eine knappe halbe Million Euro. Die achtzig Mitarbeiter haben keinen Blick mehr für ihre einzigartigen Arbeitsplätze. Sie rechnen. Was bringt es, wenn nur noch achtunddreißig oder fünfunddreißig Stunden in der Woche gearbeitet wird? Schließen die Museen wochentags? Gibt es betriebsbedingte Kündigungen? Soll die Werkstatt ausgelagert werden? Bleibt eine freie Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit unbesetzt, obgleich gerade die öffentliche Präsentation des Gartenreiches kritisiert wird?
Als das Gartenreich Weltkulturerbe wurde, sagte der Bund bedauernd, es würden keine weiteren Einrichtungen neben Bauhaus und Lutherstätten - beides gleichfalls Welterbestätten in Sachsen-Anhalt - institutionell gefördert werden. Aber was gilt dieses Wort, da sich der Bund gerade anschickt, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Künste zu übernehmen? Im nächsten Jahr soll es sechs Millionen Euro für die zwanzig im Blaubuch genannten Einrichtungen geben. Niemand weiß, wie das Geld verteilt wird.
Das Kultusministerium in Sachsen-Anhalt will der Kulturstaatsministerin in einem Brief die Lage der Kulturstiftung erklären und um Hilfe bitten. Es werden gegenwärtig viele Briefe an die Kulturstaatsministerin geschrieben. Derweil wird wohl das in diesem Sommer endlich zugänglich gemachte prächtig-niederländische Schloß von Oranienbaum wieder geschlossen werden.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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