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„Dschungelkind“ Laßt Bäume sprechen

16.09.2005 ·  Wo Bäume wachsen, liegt häufig ein Grüner unterm Baum und schiebt Wache für die Natur. Wählen also die Leser von Sabine Kueglers „Dschungelkind“ die Grünen?

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Nicht überall, wo Bäume wachsen, liegt ein Grüner unterm Baum und schiebt Wache für die Natur. So auch hier: Wer Sabine Kueglers „Dschungelkind“ liest, der wählt nicht die Grünen, nur weil das Stück im Urwald spielt, sondern der wählt die CDU.

Ein Grüner würde sich über Kueglers ganz in Rosa gehaltenes Westpapua ärgern. Zuviel Idyllen-Promille. Der Grüne sagt sich: Wir sind eine Welt, und auf der einen Welt gilt (leider): Alles ist Politik. Und nun erfahren wir ja gar nichts über die politischen Verhältnisse dort unten. Der CDU-Leser dagegen ist ein Sphärenmensch, hier die Politik, dort das Privatgelände. Er wird die geordnete Westpapua-Welt Kueglers mögen - hier die Hütte mit der Mutter am Herd, dort der Wald mit den Jägern und Tieren, hier der Papa beim Grammatikstudium, dort die Horden antifeministischer Urmänner -, und er wird die zivilisierende Macht gutheißen, die mit den des Schreibens, Lesens und Rechnens kundigen Weißen in den Urwald getragen wird, wo sich die Einwohner letztlich ja nur gegenseitig die Köpfe einschlagen, wenn man sie sich selber überläßt.

Quelle: rtg / F.A.Z., 17.09.2005, Nr. 217 / Seite 39
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