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Drogenreport Grüner Leipziger

05.01.2008 ·  Seit dem vergangenen August sind in Leipzig mehr als hundertdreißig Fälle von Bleivergiftung festgestellt worden. Bei den Opfern stellte man eine Gemeinsamkeit fest: Sie rauchen Marihuana.

Von Andreas Platthaus
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Seine letzte Massenvergiftung hatte Leipzig 1930 erlebt. Damals waren mehrere hundert Bürger durch Blei im Trinkwasser gesundheitlich schwer geschädigt worden. Schuld daran waren aus Blei angefertigte Leitungsrohre. Die gibt es in der Stadt heute nicht mehr. Und dennoch sind beim Leipziger Gesundheitsamt seit dem vergangene August mehr als hundertdreißig Fälle von Bleivergiftung festgestellt worden.

Anfangs war rätselhaft, was die hohen Blutwerte, die die als gesundheitsschädlich geltenden Werte teilweise noch um das Zehnfache übersteigen, verursacht hatte, doch schließlich stellte man bei allen Opfern eine Gemeinsamkeit fest: Sie rauchen Marihuana, einen Schadstoff der anderen Art. Tatsächlich ist seitdem in Leipzig bei mehreren Haschischproben beigemischtes Bleisulfid gefunden worden, und immer mehr unter Beschwerden leidende Drogenkonsumenten nehmen die anonyme Untersuchung, die das Gesundheitsamt seit November gegen Gebühr anbietet, in Anspruch - bislang waren die meisten vergiftet.

Glas, Plastik oder Sand

Beimischungen zu Marihuana dienen der Gewichterhöhung, denn Drogen werden nach Gramm verkauft. Schon lange klagen die Interessenvertreter (in einem Land, das für alles seine Vereinigung hat, gibt es selbstverständlich auch den Deutschen Hanf-Verband), dass man vermehrt Glas, Plastik oder Sand in Cannabisprodukten finde. Blei hat ein besonders hohes spezifisches Gewicht, ist aber auch besonders giftig. Die notorisch ums Wohl von Haschischkonsumenten besorgte „taz“ vermutet, dass die Marihuanapflanzen bereits in der Wachstumsphase mit Blei bestreut worden seien.

Wir sehen vor unserem inneren Auge den Sämann mit schweren Armen durch die Reihen seiner Plantage schreiten. Ginge es nicht noch etwas umständlicher, zum Beispiel durch einzelne Bleibestäubung der Blüten? Und gibt es wirklich irgendwo das Treibhaus, wo nur Marihuana für Leipzig angebaut wird? Denn aus anderen Städten gibt es noch keine Vergiftungsmeldungen. Wir glauben ja gerne an die Diversifizierungsstrategien der Weltwirtschaft, aber diese Spezialisierung schiene uns wenig ökonomisch. Marktwirtschaftlich dagegen handeln die Käufer, die zu Recht den Lieferanten nicht mehr trauen. Die winzigen Marihuanapflanzungen in Blumentöpfen, auf die man als Jogger in den Leipziger Auenlandschaften leicht stoßen kann, könnten bereits die Reaktion auf die neue Marktlage für Schadstoff sein.

Quelle: F.A.Z., 05.01.2008, Nr. 4 / Seite 31
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