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Dr. Seuss als Sammler Kater mit Hut

Der Kinderbuchautor Theodor Seuss - bekannt als Dr. Seuss - war Schöpfer surrealer Welten. Eine Ausstellung in New York zeigt seine Inspirationsquellen - ganz reale Hüte.

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In dem 1953 uraufgeführten Film „Die fünftausend Finger des Doktor T.“ wird ein kleiner Junge in eine Art Trainingslager für Klavierschüler gebracht, das sich bald als Gefängnis entpuppt, geleitet von dem Pianisten Dr. Terwiliker. Im Mittelpunkt steht dabei eine endlos lange Tastatur, an der fünfhundert Jungen nebeneinander spielen sollen, angetrieben von ihrem Lehrer, dem die Musik gar nicht laut und schnell genug sein kann. Als Erkennungszeichen tragen die Kinder eine flache Kappe, von der eine Stoffhand steil in die Höhe ragt - als Symbol dafür, dass die Finger der angehenden Pianisten Dr. T.s Willen unterworfen sind.

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Der Film stammt von Theodor Seuss Geisel, der sich als Autor von knapp fünfzig Kinderbüchern Dr. Seuss nannte, und die aberwitzige Geschichte, die wunderlichen Charaktere und nicht zuletzt die quietschbunte Ausstattung, die mit großer Geste alles vermeidet, was nach Realität aussehen könnte, weisen überdeutlich auf den Urheber - wer sonst könnte all dies geschaffen haben, wenn nicht Dr. Seuss? Dabei ist auch die Pianistenkappe ein Indiz, denn so wie der Autor fünfzehn Jahre zuvor in seinem Kinderbuch „The 500 Hats of Bartholomew Cubbins“ den Titelhelden mit einem reichen Vorrat an letztlich sogar lebensrettenden Hüten versehen hatte, so äußerte sich nun seine Kritik an Dr. T.s rigider Dauerklavierstunde auch darin, dass sich jetzt umgekehrt fünfhundert Menschen mit demselben armseligen Hutmodell begnügen müssen.

Was war eher da, der Hut oder das Buch?

Dieser Tage wurde in New York eine Ausstellung eröffnet, die an das fünfundsiebzigjährige Jubiläum von „The 500 Hats“ erinnert. Sie zeigt zum ersten Mal die ausufernde Sammlung an Kopfbedeckungen, die Dr. Seuss für den eigenen Bedarf anlegte oder sich von seinen Besuchern als Mitbringsel erbeten hatte. Unter den wirren, pelzigen, gefiederten, buntgemusterten und bisweilen geradezu unbeschreiblichen Hüten ist auch ein in die Länge gezogener, etwas schlaffer Zylinder.

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Über einer hellen Krempe schichten sich insgesamt fünf Streifen übereinander, abwechselnd rot und weiß - dasselbe Modell also, das der Titelheld von „The Cat in the Hat“ trägt, dem größten Erfolg des ohnehin sehr erfolgreichen Autors. Was war eher da, der Hut oder das Buch? Ewiges Rätsel. Eine Freundin schickte kürzlich Fotos aus der Nähe von San Diego, wo Dr. Seuss vierzig Jahre seines Lebens verbrachte. „Alle Palmen hier in der Gegend sehen nämlich aus wie Kreaturen von Dr. Seuss, belebte und beseelte Vegetation,“ schrieb sie. Und dass sie sich frage, ob die Palmen Dr. Seuss erfunden hätten oder Seuss die Palmen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.02.2013, 15:49 Uhr

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Von Swantje Karich

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