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Downig Street 10 Der Moralist Gordon Brown

24.02.2010 ·  Zuerst die vor den Augen der Nation vergossenen Tränen über den Verlust seiner neugeborenen Tochter, dann die Enthüllungen in einem Buch des Journalisten Andrew Rawnsley: England entdeckt neue alte Seiten an Premierminister Gordon Brown.

Von Gina Thomas
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Die Briten haben in den vergangenen Tagen mehr über das Innenleben Gordon Browns erfahren, als manche Premierminister in ihrer ganzen Laufbahn preisgeben. Erst kamen die im Fernsehen vor den Augen der Nation vergossenen Tränen über den Verlust seiner neugeborenen Tochter. Sie brachten ihm Wogen der Sympathie entgegen und verkürzten – wie Zyniker hervorheben – den Vorsprung der Konservativen in den Umfragen um zwei Prozentpunkte.

Dieser Effekt aber wurde schnell zunichtegemacht durch die Enthüllungen in einem Buch des Journalisten Andrew Rawnsley, das ein Terrorregiment in Downing Street schildert und sogar behauptet, der jähzornige Brown sei gegen Mitarbeiter handgreiflich geworden. Seitdem muss sich der Premierminister gegen den Vorwurf verteidigen, er mobbe verschreckte Beamte, die in ihrer Not schon eine Mobbing-Hotline um Hilfe ersucht hätten.

Nichts überstürzen

Rawnsleys Blick hinter die Kulissen bestätigt den Ruf, der Brown anhaftet, seit die Formulierung, er sei „psychisch defekt“, vor drei Jahren wie ein übler Geruch aus dem Umkreis Tony Blairs nach außen drang und in der Luft hängenblieb. Die Bemerkungen des Schatzkanzlers Darling im Fernsehen, Downing Street habe „die Mächte der Hölle“ auf ihn losgelassen, als er ein schwärzeres Bild von der Wirtschaft zeichnete, als Brown recht war, dürfte den ohnedies gespannten Beziehungen der beiden nicht zuträglich gewesen sein.

Während diese Stürme um ihn wehen, hat Brown eine weitere Angriffsfläche eröffnet. Einen Tag bevor der Leiter der Strafverfolgungsbehörde im Lichte der jüngsten Gerichtsurteile neue, womöglich weniger strenge Richtlinien über die Sterbehilfe vorlegen soll, hat der Premier sich in einem Artikel im „Daily Telegraph“ mit aller Entschiedenheit gegen die Legalisierung des „mit Unterstützung verübten Selbstmordes“ ausgesprochen „Der Tod als Option oder Anrecht, auf welchen vom Gesetzgeber erdachten bürokratischen Wegen auch immer, würde unsere Einstellung zum Tod grundsätzlich verändern“, warnt Brown.

In seinem Herzen wisse er, dass es so etwas wie einen guten Tod nicht gebe, doch sei es die Pflicht der Gesellschaft, die qualifizierte und liebevolle Fürsorge zu leisten, die ein sanftes Sterben möglich mache. Es gehe darum, die bestehenden Gesetze insbesondere zur Palliativmedizin gut anzuwenden, statt sie überstürzt zu verändern. Nicht die Ansicht des Premierministers, sondern der Zeitpunkt der Veröffentlichung gibt zu denken. Man ist versucht, darin einen Fall von moralischem Mobbing zu sehen.

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