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Dokumentationszentrum Bergen-Belsen : Beton schwebt über den Gräbern

  • -Aktualisiert am

Im Dokumentationszentrum Bergen-Belsen Bild: ddp

Auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers Bergen-Belsen ist ein Dokumentationszentrum eröffnet worden. Interviews mit Überlebenden und Schriftstücke der Lagerverwaltung schildern das Schicksal der Häftlinge.

          Nichts soll ablenken von der Botschaft und der Stimmung. Ein knapp zweihundert Meter langes Gebäude aus Beton wirkt massiv, sollte man glauben. Das neue Dokumentationszentrum des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen aber schwebt trotz seiner Ausmaße und seines Bestimmungszwecks - als Ort, der das historische Gedächtnis und die Erinnerung an siebzigtausend Ermordete speichert und wiedergibt. Ein langer, von hohen Betonmauern umgebener Gang vom Zentrum zum Gelände des ehemaligen KZ trägt bei zur Besinnung und dem Gefühl der Bedrängnis, aber auch zum Ausblick: Er führt in eine spätherbstliche Heide, unter deren Boden ermordete jüdische, sowjetische und polnische Gefangene ruhen.

          Dies sei das wichtigste neue Bauwerk Niedersachsens seit Jahren, glaubt der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann, der seit fünf Jahren den Bau betrieb, dessen Kosten von dreizehn Millionen Euro Bund und Land je zur Hälfte trugen. Zur Eröffnung am Sonntag kamen nicht nur Politiker aus Bund und Land und Vertreter jüdischer Verbände, sondern auch mehr als hundert Überlebende. Trotz der hohen Opferzahl gab es hier mehr Überlebende als anderswo, zu annähernd zweitausend hat die Gedenkstätte Kontakt.

          Einmalige Geschichte

          Das beruht auf der insofern einmaligen Geschichte des Lagers: Es wurde 1935 ausgebaut zum damals größten Truppenübungsplatz des Deutschen Reiches. Daraus wurde 1941 ein Lager für sowjetische und polnische Kriegsgefangene und italienische Internierte und erst 1943 ein KZ. Nach 1945 boten die nahen Kasernen fünf Jahre lang zwölftausend überlebenden Juden als „Displaced Persons“ Unterkunft: Erst mit der Gründung des Staates Israel 1948 fanden sie eine neue Heimstatt. Mehr als tausend Juden haben so Bergen-Belsen als Geburtsort in ihrem Pass eingetragen. Aus dem Ort des Todes wurde so ein Ort des Neubeginns jüdischen Lebens in Deutschland - und ein Ort der Hoffnung. Schon im Oktober 1945 kam der spätere erste Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, zu Besuch nach Bergen-Belsen, und bald darauf wurden dort ein jüdisches Gymnasium, eine Zeitung und eine Theatergruppe gegründet.

          Knapp zweihundert Meter langer Betonbau

          Anders als Auschwitz war Bergen-Belsen nicht als Vernichtungslager konzipiert. Ein Teil der jüdischen Häftlinge wurde als Geiseln gehalten für geplante Austausche mit deutschen Gefangenen oder zum Menschenhandel gegen Devisen. Diese „Austauschjuden“, unter ihnen viele Kinder, wurden etwas besser behandelt und ernährt als in anderen Lagern. Zwanzigtausend der Toten waren Kriegsgefangene, mehr als fünfzigtausend KZ-Insassen. Die hohe Totenzahl beruht nicht zuletzt auf einer Fleckfieberepidemie in den letzten Monaten vor der kampflosen Übergabe an die Briten am 15. April 1945 - sie befreiten 55.000 Überlebende.

          „Sterbelager“ für Todkranke

          Zudem diente Bergen-Belsen im letzten Kriegsjahr als „Sterbelager“ für todkranke Häftlinge anderer Konzentrationslager wie Mittelbau-Dora. Dass allein im März 1945 in Bergen-Belsen achtzehntausend Menschen starben, ein Viertel der gesamten Opferzahl, beruht schließlich darauf, dass Ende 1944 das Lager einen neuen Kommandanten und Wächter erhielt, die aus Auschwitz kamen. Unter den Toten war Anne Frank, deren Tagebuch dazu beitrug, dass weit mehr amerikanischen Schülern Bergen-Belsen bekannt sein dürfte als das nahe Hannover. Unter den jährlich knapp zweihunderttausend Besuchern der Gedenkstätte schon vor ihrer Neugestaltung sind viele Ausländer.

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