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Dokumentarfilm „Serengeti“ Gnus in Partylaune

 ·  Tiere sind auch nur Menschen: „Serengeti“ im Ersten überzeugt als visuelles Spektakel über die unberührte Schönheit der nordtansanischen Savanne.

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© NDR/Reinhard Radke Hunderttausende Gnus versammeln sich auf den südlichen Grasländern um ihre Kälber zu setzen

Ein übervoller Sternhimmel kreist im Zeitraffer über die Steppe, Wolken sausen dahin, und während ein Löwe seine Mähne im Abendrot badet, schwebt ein Warzenschwein in vollendeter Eleganz über das Gras - der Zeitlupe sei Dank. Dann gleitet die Kamera rückwärts über das Panorama der Huftiere: Gnus, Zebras, Gazellen, so weit der Weitwinkel reicht, dargeboten wie die computergenerierten Heere in „Der Herr der Ringe“. Es ist eine überwältigende Szenerie. Selbst ohne die anschwellende Musik könnte sich ihr kaum jemand entziehen, und es brauchte auch nicht das atemlose Pathos in der Stimme von Hardy Krüger junior, der als Erzähler endlich den mythischen Namen raunt: „Serengeti“.

Mehr als fünfzig Jahre nach Bernhard Grzimeks Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“, der den Nationalpark zur Ikone machte und Grzimek einen Oscar in Hollywood einbrachte, hat 2011 der Tierfilmer und Verhaltensbiologe Reinhard Radke einen neuen Film über die Tierwelt der nordtansanischen Savanne in die Kinos gebracht. An den kommenden beiden Montagen strahlt die ARD, die an der Produktion beteiligt war, den Film in Form eines Zweiteilers zur besten Sendezeit aus. „Der große Aufbruch“ handelt von der einbrechenden Trockenzeit in der südlichen Serengeti. Sie zwingt jedes Jahr die größte Ansammlung von Huftieren der Welt auf Wanderschaft zu den fruchtbaren Regionen im Norden. Der zweite Teil erzählt vom „Wettlauf ums Leben“: gegen Dürre, Raubkatzen, Alligatoren und die Unbilden des Geländes.

Orakeln von den ewigen Gesetzen der Natur

Radkes Film ist kein biologisches Lehrstück und auch kein engagierter Film über das Leben bedrohter Tierarten in einem einzigartigen Ökosystem. Sein Vorgänger hat die Serengeti als Forschungsterrain gezeigt, mit Massai, Wilddieben und seinem Sohn Michael, der bei den Dreharbeiten ums Leben kam, um zu sagen: Diese Landschaft muss erhalten bleiben. Der neue Serengeti-Film zelebriert die Schönheit der Wildnis und will seine Zuschauer staunen machen über die Großartigkeit einer scheinbar unberührten Natur. Menschen kommen nicht vor. Und auch der inzwischen abgewendete Plan der tansanischen Regierung, mit einer Schnellstraße das Schutzgebiet zu zerschneiden, wird mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen scheinen Geparden förmlich aus dem Gras zu wachsen, das ihnen Deckung bietet, und der Angriff der Krokodile auf die saufenden Antilopen ist in Superzeitlupe ein visuelles Spektakel, das Kampfszenen in Actionfilmen in nichts nachsteht - selbst wenn die optische Verführungskraft auf dem Bildschirm zwangsläufig geringer ist als auf der Leinwand.

“Serengeti“ malt die Savanne als heroische Landschaft mit Tieren. Der Erzähler orakelt von den ewigen Gesetzen der Natur. Vor blutigen Szenen bleiben die Zuschauer verschont, stattdessen sehen wir viele kleine Happy Ends und das ästhetische Muskelspiel der Raubkatzen. Nicht einen Moment gibt Radke vor, dass es so etwas wie einen neutralen Blick des Menschen auf das Tier geben könnte. Schon gar nicht im Tierfilm. Er vermenschlicht so konsequent, dass es schmerzt.

Weiterbau am Mythos Serengeti

Es ist charmanter zu fabulieren, die Gazelle treibe ihren Spaß mit dem Löwen, als - wie Grzimek es tat - zu erklären, dass die potentielle Beute nicht flieht, solange der Angreifer die Mindestdistanz einhält. Wenn aber die Gepardin „Nervenstärke“ beweist, bei den Gnus „Partystimmung“ herrscht, sie sonst aber von „unbedingtem Durchhaltewillen“ erfüllt sind, ist das ist ungefähr so berechtigt, wie zu sagen: „Gnus sind doof“, weil am Mara-Fluss immer neu nachdrängende Tiere daran scheitern, den glitschigen Hang zu erklimmen, und eine Massenpanik ausbricht.

Nach zweimal einer Dreiviertelstunde hat man wenig gelernt über Lage und Größe der Serengeti, den Ursprung und die Bedrohung des Parks und selbst über die Tiere, die den prächtigen Bilderbogen bevölkerten. Der Zuschauer kann eigentlich nur in den Sessel zurücksinken und seufzen: „Ach, wie schön!“, und: „Dass es das noch gibt!“ Für einen Montagabend vor dem Fernseher ist das nicht ganz so schlecht. Und man kann dem Film zugutehalten, dass er zumindest weiterbaut am Mythos Serengeti, ohne den es vermutlich schwieriger wäre, das Schutzgebiet zu erhalten. Auch wenn der pastorale Schlusssatz, dass wir alle dafür verantwortlich sind, vermutlich im Fernsehsessel hängenbleibt.

„Serengeti“ läuft am 16. und 23. April, jeweils um 20.15 Uhr, im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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