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Documenta-Empfehlung Das „New Babylon“ des Künstlers Constant

02.07.2002 ·  „New Babylon“ nannte der Niederländer Constant sein Modell einer Stadtutopie, die dem spielerischen Menschen gewidmet ist.

Von Hans-Ulrich Obrist
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Auf der Documenta11 wird ein Projekt neu vorgestellt, das der niederländische Maler Constant zwischen 1956 und 1974 als utopischen Lebens-Entwurf unter dem Namen „New Babylon“ entwickelte und das heute erneut die Zeitgenossen fasziniert. Die Idee des Homo Ludens, des spielerisch lebenden Menschen, liegt der Vorstellung von „New Babylon“ zu Grunde.

„New Babylon ist kein Projekt der Stadtplanung, sondern eine Art des Denkens, des Imaginierens, eine Blickweise auf die Dinge und das Leben“ meinte der heute 82-jährige Künstler. „New Babylon ist die Welt des Homo Ludens, die Welt des spielerischen Menschen. Es ist eine Art Gesellschaftsmuster, das den Gedanken permanenter Veränderungen und Transformationen mit einbezieht.“

Mobile Lebensstrukturen

„New Babylon“ wurde von Grund auf und bis ins Detail als flexible Lebensumgebung geplant. Eine offene Stadt ohne Grenzen sollte es sein, die sich wie eine Flüssigkeit in alle Richtungen ausdehnen kann. „New Babylon“ sollte als Ort begriffen werden, der über die Vorstellung der Stadt als Ort der Identität hinausgewachsen ist.

Constant stellte sich unterschiedliche Bedeutungsebenen in der von ihm konzipierten Stadt vor, die auf allen Ebenen miteinander vernetzt sein sollte. Um ein horizontales Geflecht herzustellen, sollte jeder Ort für jeden zugänglich sein. Die Einwohner von „New Babylon“ sind damit einer Art ununterbrochener Reisetätigkeit ausgesetzt, die jeweils neue, spontane Beziehungen zu ihrer Umgebung erfordert. Jede Intervention, jede Aktion eines Einzelnen verändert in diesem System unmittelbar das Ganze und ruft Reaktionen der anderen hervor.

Flexibilität und Wandel über allem

Der Künstler betonte, dass ihm eine Partizipationskette vorschwebte, die ihren Höhepunkt dann hatte, „wenn der Gipfel eines Gemeinschaftswerks erreicht sei. Der Rhythmus zwischen Werden und Vergehen solcher Momente stellt die Raum-Zeit-Schiene von „New Babylon“ dar.“

„New Babylon“ sollte eine flexible und mobile Struktur für einen modernen Menschentypen bieten. Verkehrs- und Lebensräume sollten voneinander getrennt existieren. Ebenso künstlich strukturierte Zonen und jene der freien Natur. Constants Vorstellungen haben Architekten wie Rem Kohlhaas beeinflusst. Sie griffen unserer auf Wandel, Flexibilität und spielerische Kommunikation ausgerichteten Gegenwart deutlich vor, und das macht diese auf der D11 wiedergezeigten Modelle so spannend.

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