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Digitalvisionen : Unter Apparaten

Sollten wir uns den Computern anähneln? Ray Kurzweil glaubt, ein solcher Schritt müsse sich positiv auf unser gegenseitiges Verständnis auswirken. Die Probe auf die Theorie.

          Ach, wenn die Wirklichkeit doch nur so weit wäre, wie Raymond „Ray“ Kurzweil es in Gedanken schon ist. Dann wären wir jetzt nicht darauf beschränkt, uns mit ihm zu freuen. Wir wüssten vielmehr genau, wie es ist, Ray Kurzweil zu sein, und könnten uns gewissermaßen in ihm freuen, oder als er. Denn Kurzweil, der gerade als „Director of Engineering“ von Google angeheuert wurde, was für ihn in mancher Dimension sehr erfreulich sein dürfte, fordert seit langem, dass wir biologische Bedingtheiten hinter uns lassen und uns Computern anähneln sollten. Das würde unseren Gedanken nämlich eine höhere Haltbarkeit und vielseitigere Verwendbarkeit sichern.

          Tatsächlich ist es ja irgendwie ärgerlich, Software locker von einer Festplatte auf die nächste übertragen zu können, die Gedanken und Gedächtnisse der Individuen jedoch mit ihrer Hardware, vormals: ihrem sündigen Fleisch, vergehen zu sehen. Besser wäre es doch, findet Kurzweil, man könnte auch sie, gewissermaßen von Hardware zu Hardware, überspielen. Dazu müsste nur der Computeranteil unserer Intelligenz gesteigert werden, was glücklicherweise genau so komme wie die immer höhere Rechenfähigkeit der Maschinen.

          Absturz programmiert

          Kurzweil stellt sich vor, dass die dann mögliche Verschmelzung von Intelligenz, „wenn wir tiefer in das Bewusstsein eines anderen Menschen eindringen können“, sich auch „sehr positiv auf das Mitgefühl und das gegenseitige Verständnis“ auswirken würde. Interessanter Gedanke, dass das Mitgefühl mit der Durchdringung zunimmt! Machen wir hierauf, rein in Gedanken, einmal kurz die Probe. Lesen Sie dazu bitte doch noch einmal diese Nachricht über Kurzweils neuesten Karriereschritt. Und nun integrieren wir einfach das, was Ihnen dabei durch den Kopf geht, in die Software von Kurzweil.

          Was würde sich da wohl alles abspielen? Würde Kurzweil sich noch von Ihnen allen unterscheiden können? Und was würde passieren, wenn er nun buchstäblich in derselben Sekunde „Super gemacht, ich bin doch ein Hecht!“ und „Wieder so ein nützlicher Idiot, der sich Visionär nennt“ und „Ist doch mir egal“ und „Kurzweil, haha, so möcht ich auch gern heißen“ denken müsste? Würde Kurzweil nicht vermutlich sofort den Geist aufgeben, also abstürzen? Fragen eines rückständigen Endgeräts.

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