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Tablets im Unterricht : Digital First Lady

Schon weil die Schulbücher im Ranzen so schwer sind, sollten alle Schüler Tablets bekommen, findet die neue Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär. Bild: Frank Röth

Die neue Staatsministerin für Digitalisierung überschlägt sich, spricht von Visionen – und fordert Tablets für alle Schulkinder. Hat sie gehört, wie es um das Lesen, Schreiben und Rechnen an deutschen Schulen steht?

          Dorothee Bär (CSU), die neue Staatsministerin für Digitalisierung, überschlägt sich. Sie will in der Champions League Weltmeister werden. Deswegen ist sie gegen Klein-Klein-Szenarien, mit denen man keinen Blumentopf gewinnen kann. Ihre Aufgabe bestehe darin, Visionen aufzuzeigen. Beispielsweise ist es für sie eine wichtige Frage, ob man hierzulüfte bald die Möglichkeit hat, mit einem Flug-Taxi autonom „durch die Gegend zu können“. In Deutschland, fordert sie, müsse jemand, den man um drei Uhr früh aufwecke, als Erstes „Digitalisierung!“ sagen, weil das nämlich die Top-Geschichte, das Top-Thema Nummer eins und das Allerspannendste sei und nicht nur, wie bisher, das Zweitwichtigste.

          Vierzehn Milliarden in fünf Jahren

          Darum ist Bär gegen den bestehenden Datenschutz, der sei nämlich einer „wie im achtzehnten Jahrhundert“. Darum ist sie dafür, dass alle deutschen Schulkinder ein „Tablet“ bekommen. Schon weil die Schulbücher im Ranzen so schwer sind. Darum findet sie Programmieren im Unterricht genauso wichtig wie Lesen und Schreiben. Wie gut Bär programmieren kann, wissen wir nicht. Und wie erklärt sie sich, dass fast alles aus Plastik ist, aber fast niemand sich in Petrochemie auskennt? Was sie über das achtzehnte Jahrhundert weiß, bleibt offen. Visionen wie Kenntnisse können schließlich auf Hörensagen oder auf Lektüre beruhen und sind dann unterschiedlich interessant.

          Ob Bär einmal – Rechnen ist auch eine wichtige Kulturtechnik – überschlagen hat, was die Komplettversorgung der 40.000 deutschen Schulen und 7,9 Millionen Schüler mit dem Elektroschrott von morgen (Abschreibungszeitraum fünf Jahre) kosten würde? Oder nachgelesen hat, dass dafür selbst bei aberwitzig gering angesetztem Wartungsaufwand ein Bedarf an 2,8 Milliarden Euro jährlich – ohne Berufsschulen! – ausgerechnet wurde? Also vierzehn Milliarden in fünf Jahren, nicht fünf, wie in ihrem Koalitionsvertrag? Ob sie ahnt, dass das Programmieren mit „Tablets“ schwer werden wird? Dass die Dinger, die den Ranzen leichter machen würden, eBooks heißen, aber leider ebenfalls empfindlicher und teurer sind als Bücher? Hat sie gehört oder gelesen, wie es um das Lesen (immer weniger ganze Texte), Schreiben (zuletzt gern nach Gehör) und Rechnen (Dividieren mancherorts erst ganz am Ende der Grundschule) an deutschen Schulen steht?

          Man kann die Fragen leicht vermehren, die man der Digitalministerin und ihresgleichen gern stellen würde. Gleich früh um drei, wenn sie aus ihren Visionen oder dem genauso überflüssigen Albtraum aufgewacht ist, Deutschland verpasse den Anschluss woran auch immer, wenn es nicht dem Motto folgt „Digital First, Denken später“. Die Zukunft wird nicht unbedingt denen gehören, die am meisten die Backen aufblasen.

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