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Digitale Reputation : Vergiss mich!

Eine Website hilft denen, die bei Google verschwinden wollen. Doch die Sache hat einen Haken.

          Haben Sie die aktivistischen Überzeugungen früherer Jahre hinter sich gelassen und fürchten jetzt um Ihren guten Ruf? Haben Sie einst schlechte Noten bekommen, die im Internet noch auffindbar sind? Hat Ihr Ex nach der Trennung Nacktfotos von Ihnen ins Netz gestellt, wurden Sie fälschlich der Korruption bezichtigt oder betrunken auf Studentenpartys fotografiert und möchten jetzt, dass Sie so bei Google nicht mehr gefunden werden? Das ist, wie der Europäische Gerichtshof Mitte Mai entschieden hat, Ihr gutes Recht.

          Prompt hat der Suchmaschinenbetreiber ein Verfahren eingerichtet, mit dem jedermann seine Löschanträge vorbringen und begründen kann, rasch sind Zehntausende von ihnen eingegangen, und die Bundesregierung plant eine Schlichtungsstelle für Streitfälle: Die Sache läuft. Damit sie noch leichter läuft, hat die französische Firma Reputation VIP jetzt ein Angebot ins Netz gestellt, das den Dreischritt der Antragstellung – kompromittierende Links suchen, Begründungen für deren Löschung formulieren, Scan eines Identifikationsdokuments hochladen – zu wenigen Klicks zusammenfasst.

          Wer sich bei forget.me anmeldet und seinen Namen in ein Suchfeld einträgt, bekommt dieselben Ergebnisse angezeigt, die auch die Google-Suche bringt. Der Unterschied: Gleich daneben findet sich das „Vergiss mich“-Feld, der Nutzer kann sich bequem durch die Liste klicken, in einem zweiten Schritt die passende vorformulierte Begründung hinzufügen und das Ganze mit dem erforderlichen ID-Scan an Google schicken lassen. Die Sache läuft. Sie hat nur einen Haken. Und eine Pointe.

          Dass dieser Service es so einfach macht, Suchergebnisse löschen zu lassen, kann leicht die Balance zwischen dem Interesse am Verschwinden und dem an der Auffindbarkeit bestimmter Informationen beispielsweise über Personen des öffentlichen Lebens verschieben, die Balance also von Privatsphäre und Zensur. Zum anderen liefert jeder Nutzer dem Anbieter eine Liste seiner wunden Punkte im Internet, um die sich Reputation VIP in einem unverbindlichen Angebot bestimmt gern kümmern würde. Denn mit der Löschung der Links beim Suchmaschinenriesen sind die Inhalte selbst nicht etwa verschwunden. Google ist ja, dem Auftreten des Unternehmens zum Trotz, nicht das Internet.

          Quelle: F.A.Z.

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