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Digitale Autonomie Europa 3.0

Wieso soll es ausgerechnet bei den digitalen Systemen keinen Wettbewerb geben? Amerika das IT-Monopol kampflos zu überlassen, zeugt von einer bemerkenswerten alteuropäischen Müdigkeit.

Die Menschen sollten hellhörig werden, wenn ihnen jetzt ausgerechnet aus Europa defätistisch eingeredet wird, wir könnten nicht anders, als uns den Digital-Monopolen des Silicon Valley zu unterwerfen. Wohlgemerkt angesichts von Technologien, deren Erfolgsgeschichte sich - neben staatlicher Subvention - dem Ingenium der Gehirne von zwei, drei Menschen und einer Garage verdankt. Wollen wir eigentlich jede Form europäischer Souveränität aufgeben? Eine eigene Luftfahrtindustrie pflegen, ja; aber da, wo es ums eigene Denken, Leben und Planen geht, ein Tochterkonzern bleiben?

Frank Schirrmacher † Folgen:  

Digitale Autonomie wird im Zeitalter der Informationsökonomie zu einer Frage persönlicher und, wie die Snowden-Affäre zeigt, staatlicher Souveränität. Schlimmer als müde historische Vergleiche („Hat schon in der Vergangenheit nicht geklappt“) ist dabei die vorauseilende Kapitulation vor einem technologischen Determinismus, über den offenbar allein das Silicon Valley zu entscheiden hat. So traurig die Bilanz der Europäer in der Vergangenheit auch aussieht - vom gescheiterten Galileo-Projekt bis zur französischen Suchmaschine -; die politischen und technologischen Bedingungen haben sich seither radikal verändert. Was einst wie ein „nice to have“ aussah, entpuppt sich nun als zentrale Steuereinheit moderner Gesellschaften und ihrer Bürger.

Es gibt gar keine Alternative

Mehr noch: Digitale Technologien entscheiden bald über Identität und Wert des Individuums selbst. Die Snowden-Affäre zeigt, dass die Maschinen unseres alltäglichen Lebens Politik machen. Sie sind immer auch Apparaturen jener „Informations-Kriege“, von denen es in einer Prognose für das Jahr 2020 heißt, dass es in ihnen um „Ideen und Erkenntnis“ geht, darum, „Menschen und ihre Entscheidungen zu beeinflussen“ - so Colonel Richard Szafranski. In so einer Situation von vornherein auszuschließen, dass Europa, neben China und Amerika, eine eigene technologische Gründerzeit erleben könnte, wenn man es sich nur zutrauen und entsprechend fördern würde, verrät bemerkenswerte alteuropäische Müdigkeit.

In Wahrheit gibt es dramatischen Bedarf: Soziale Netzwerke, Email-Verkehr, die Cloud und die Suche sind längst Bestandteile der Daseinsvorsorge. Ein Angebot, auf das große Teile der Welt warten, sind immune, gleichsam „verfassungstreue“ Systeme. Skeptiker werden einwenden, auch hier werde es Hintertüren geben. Aber das ist eine Frage demokratischer Kontrolle, in einem Territorium, in dem wir immer noch souverän sind, souveräner jedenfalls als unter der Cloud des Valley. Zehntausende Gründe fallen einem ein, die dagegen sprechen, die Rolle der Briten und Franzosen an erster Stelle. Einer, der dafür spricht: Es gibt gar keine Alternative dazu. Wir brauchen echten Wettbewerb. Denn die Zukunft wird nicht nur ein Wettbewerb sein zwischen der Intelligenz von Systemen, sondern, solange Menschen souverän bleiben wollen, auch zwischen ihren ethischen Grundsätzen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.07.2013, 16:21 Uhr

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