Home
http://www.faz.net/-gqz-135xi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dienstwagenaffäre Witz auf Rädern

 ·  Dass Ulla Schmidts Dienstwagen nun wiederaufgetaucht ist, macht den Fall eher noch rätselhafter und wird der Ministerin, wenn es hart auf hart kommt, kaum den Kopf retten. Doch wir ahnen die wahren Hintergründe.

Artikel Lesermeinungen (1)

Wenn wir die Sache noch einmal durchrechnen, dann war es wohl doch billiger, dass Ulla Schmidt sich das Auto nach Spanien hat nachbringen lassen, statt sich dort eines zu leihen oder den Flieger zu nehmen. Denn nicht nur, dass sie ihre Badesachen mitnehmen musste - auch ihre Arbeitsutensilien wollten verstaut sein; es war ja von Anfang an klar, dass sie nicht nur zum Vergnügen verreisen würde, sondern Computer, Drucker, Papier, Adressbuch dabeihaben musste.

Ihr Staatssekretär spricht in diesem Zusammenhang von einer Büro-Mindestausstattung und rechnet vor, dass der Ausflug inklusive Zwischenübernachtungen - selbst der schnellste Chauffeur schafft es nicht in einem Tag nach Alicante -, Mautgebühren, allgemeinen Reisekosten und natürlich Kraftstoff mit 3200 Euro zu Buche schlug. Ein Flug hätte auf Grund des vielen Gepäcks und des Leihwagens, der dann fällig gewesen wäre, fünfhundert Euro mehr gekostet, zumal der Fahrer dann ja auch hätte fliegen müssen. Der Bund der Steuerzahler - oder war es die FDP? Egal, die sind eh kaum mehr voneinander zu unterscheiden - hatte erheblich großzügiger kalkuliert und war auf 9400 Euro gekommen, die Ulla Schmidt dem Steuerzahler damit praktisch gestohlen habe. Angesichts dieser Differenz muss man sagen: eins zu null für Ulla.

Das Spiel geht weiter

Aber das Spiel ist noch nicht zu Ende. Dass der als gestohlen gemeldete Dienstwagen nun wiederaufgetaucht ist, macht den Fall eher noch rätselhafter und wird der Ministerin, wenn es hart auf hart kommt, kaum den Kopf retten. Denn wieso sollte den Dieben die Sache zu heiß geworden sein? Auch wenn Ulla Schmidt in Spanien vielleicht nicht jedermann bekannt ist, müssen die Täter, als sie den Fahrer ausspionierten und, wie die „Bild“-Zeitung als Erste meldete, auch noch betäubten, um ihm die Autoschlüssel abzunehmen, gewusst haben, worauf sie sich einlassen. Da lässt man nicht einfach einen S-Klasse-Mercedes im Wert von hunderttausend Euro wieder laufen.

Es muss etwas anderes dahinterstecken: ein teuflischer Plan von Frank-Walter Steinmeier. Es wird so gewesen sein: Steinmeier und seine spin doctors brüteten über einer Wahlkampfstrategie, und als sie merkten, dass ihnen kein Thema einfiel, schlug einer von ihnen vor, dass man von dieser Tatsache wenigstens ablenken müsse. Der Kandidat war sofort einverstanden: „Lasst es wie einen Diebstahl aussehen.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen

Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

Jüngste Beiträge