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Die ZDF-Affäre : Helden bei der Arbeit

Das Logo des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF). Bild: dpa

Der Anruf des inzwischen zurückgetretenen CSU-Sprechers in der „heute“-Redaktion wird als Mega-Skandal ausgegeben. Und das ZDF beweist Mut. Allerdings einen, den es gratis gibt.

          Beim ZDF kann man im Augenblick Helden bei der Arbeit zusehen. Sie stemmen sich mit vereinter Kraft gegen den Versuch, den unabhängigen Journalismus zu vernichten. Wir erinnern uns: Der inzwischen zurückgetretene CSU-Sprecher Hans Michael Strepp hatte in der „heute“-Nachrichtenredaktion angerufen um – was er bestreitet, wofür aber einiges spricht -, darauf hinzuwirken, dass über den Landesparteitag der SPD nicht berichtet werde.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was ein ebenso dreistes wie dämliches Ansinnen war. Ob berichtet wird oder nicht, ist Sache der Redaktion. Punkt. Nicht eines CSU-Sprechers. Es ist allerdings auch nicht der Untergang des Abendlandes und nicht, wie schon zu hören ist, der schlimmste Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit dreißig Jahren. Es ist, wie man an dem jetzigen Aufruhr sehen kann, ein schönes Wahlkampfthema, ein Elfmeter, eine Vorlage im politischen Meinungskampf, die man gar nicht liegen lassen kann. Zugleich lenkt es davon ab, wie politischer Einfluss wirklich funktioniert. Und reizt die Chefs im ZDF dazu, sich ein wenig mehr zu spreizen, als man das für angebracht halten kann.

          So etwa gab es seit zehn Jahren nicht

          Am Freitagabend zum Beispiel, in der Sendung „heute plus“, zu sehen im Internet und auf dem Digitalkanal ZDFinfo, im Anschluss an die „heute“-Nachrichten, die auf das Nachfolgende eigens hingewiesen hatten, ging es um den Anruf. Elmar Theveßen, der stellvertretende Chefredakteur, und Matthias Fornoff, der die „heute“-Redaktion leitet, saßen da, mit aufgeknöpftem Hemd, gemütlich im ungemütlichen Digitalstudio und ließen sich von einem ihrer Mitarbeiter zum Stand der Dinge befragen. So etwas habe es in den letzten zehn Jahren nicht mehr gegeben, sagte Theveßen. Man habe lange versucht, den Ball flach zu halten, ergänzte Fornoff, denn eigentlich sei es ja selbstverständlich, dass ein Redakteur ein solches Ansinnen, wie von dem CSU-Sprecher vorgetragen, ablehne. Genau.

          Und eigentlich wäre es selbstverständlich, nicht so zu tun, als nehme man die Sache cool, um sie zugleich nach draußen zu tragen. Eigentlich wäre es selbstverständlich, in Interviews nicht so zu tun, als sei das eigentlich nix, um darüber aber in Interviews ausgiebig darüber zu sprechen über die Weiterungen zu spekulieren und Sondersendungen dazu zu veranstalten. Und eigentlich müsste man jetzt nicht Mut beweisen, den mehr oder weniger gratis gibt. Aber nun geht es wohl nicht anders. Schon werden weitere Anrufe von CSU-Sprechern bekannt, wie das halt so geht, wenn sich Berichterstattung hochschaukelt und auf eine Klimax drängt.

          Wer geht als nächstes?

          Der CSU-Sprecher ist weg, als nächstes sollen der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt den ZDF-Fernsehrat und der Ministerpräsident Horst Seehofer den Verwaltungsrat des Senders verlassen. Darüber ließe sich reden, auch eingedenk der Rolle, welche die Unionsvertreter bei der Kaltstellung des früheren ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender gespielt haben. Allerdings sollte dann der Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD) – nur als Beispiel – gleich mitgehen, im Fernsehrat müsste sich eigentlich die Mehrheit der Vertreter verabschieden, wollte man den parteipolitischen Einfluss auf den Sender verringern. Sonst wäre gar nichts gewonnen.

          Und daher war auch die Frage eines Zuschauers in der Nabelschau-Sendung „heute plus“ gar nicht so uninteressant, warum die „heute“-Nachrichten über den Parteitag des SPD in Bayern berichtete, über den der CDU in Rheinland-Pfalz aber nicht. Denn in Rheinland-Pfalz sitzt bekanntlich das ZDF (der SWR mit einem großen Landesstudio natürlich auch), in dessen Verwaltungsrat an der Spitze sitzt der Ministerpräsident von der SPD, von dessen Staatskanzleichef es heißt, er warte darauf, Verwaltungsdirektor des Senders zu werden. Was vielleicht passiert, vielleicht auch nicht. Und woran man in viel stärkerem Maße erkennen könnte, wie eng oder wie distanziert das Verhältnis zwischen Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk ist, als an einem dummen Anruf. Was aber sicherlich nie Gegenstand einer Sondersendung im ZDF sein wird. Es sei denn, ein Parteisprecher ruft in der „heute“-Redaktion an und stellt irgendwelche dreisten Forderungen.

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