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Popmusik mit Amore : Die Wahrheit über Wanda

Marco Michael Wanda, der Sänger der Wiener Band Wanda, bei seiner Hauptbeschäftigung (auf dem Melt Festival 2015) Bild: Redferns

Sie stehen für Amore. Sie kommen aus Wien. Alle lieben sie, und jetzt kommt auch schon die nächste Platte. Ein Versuch, den ganzen Wahnsinn der österreichischen Popband Wanda im Interview zu erklären.

          Vor nicht mal einem Jahr erschien „Amore“, das Debüt von Wanda, mit lauter Liedern zum Mitsingen, was bald Hunderttausende Fans konnten. Ein riesiger Hype, eine ausverkaufte, unendliche Tour – und als könnte das alles nicht schnell genug gehen, erscheint jetzt „Bussi“, die zweite Platte der Wiener Band um den Sänger Marco Michael Wanda und den Gitarrist Manuel Poppe. Die beide sitzen auf der spätsommerlichen Terrasse eines Berliner Restaurants, rauchend natürlich. Ihre Band ist schon jetzt ein Mythos und pflegt ihn selbst. Auch in diesem Interview.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es gibt kaum eine Band, die auf der Bühne so viel herumknutscht wie Wanda. Woher kommt das?

          Wanda: Wir ziehen uns irgendwie magisch an.

          War das immer schon so?

          Wanda: Immer schon. Wir haben uns kennengelernt und verliebt. Anders würden wir das auch alles gar nicht machen können. Das Fundament ist diese Freundschaft. Das gibt dem Ganzen eine Seele, sonst wäre es unerträglich.

          Als der Hype um Wanda losging, dachte man noch: Die müssen sich aneinander festhalten, weil sie nicht glauben können, was da passiert. Inzwischen ist das Alltag geworden, aber knutschen tun Sie immer noch.

          Wanda: Es wird sogar immer heftiger. Und es ist immer noch Luft nach oben. Wir können uns immer noch mehr ineinander verlieben. Die Konzerte werden immer ekstatischer.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Aber inzwischen trinken Sie Wasser auf der Bühne.

          Poppe: Ich trinke eigentlich kein Wasser.

          Richtig, neulich in Potsdam, da haben Sie Wein aus der Flasche getrunken.

          Poppe: Whisky!

          Wanda: Ich habe Wasser getrunken.

          Das hätte es vor einem halben Jahr noch nicht gegeben.

          Poppe: Wir haben vor dieser intensiven Zeit noch viel mehr getrunken und geraucht. Weil man mit dem Trinken vielleicht auch einen Leerraum zuschüttet. Jetzt trinken wir aus Durst und Freude.

          Was haben Sie vor Wanda gemacht?

          Poppe: Ich habe Sozialarbeit studiert und war dann Behindertenbetreuer. Und habe diesen Weg aber schon eingeschlagen, um nebenbei Musik zu machen.

          Wanda: Wir haben alle ein Doppelleben als Geheimagent oder Ehebrecher geführt. Es gab immer ein Scheinleben und die Fantasie, mit einer Band unsterblich zu werden. Jetzt konnten wir den Mantel des Scheins endlich abwerfen und unsterblich werden.

          Wanda, fünf Freunde auf großem Abenteuer. Dabei ist die Band eher eine Casting-Sache gewesen, oder?

          Wanda: Eine Casting-Sache? Aber das ist ja so falsch! Musiker finden sich, das ist überhaupt nichts neues!

          Aber Sie hatten Ihre Lieder doch fertig, bevor die anderen dazukamen.

          Wanda: Bei Nirvana wars nix anderes! Wir zwei kennen uns seit zehn Jahren.

          Wie haben Sie die anderen gefunden?

          Wanda: Man lernt jemand kennen und sagt: Komm rein! Und dann haut man ein paar raus und die Band ist fertig.

          Fünf Freunde auf großem Abenteuer: Wanda, rauchend.

          Der Grad an Verschworenheit bei Ihnen scheint einfach so groß, deshalb.

          Wanda: Wir sind halt empathische Menschen.

          Poppe: Wir haben keine Inserate aufgegeben.

          Wanda: Naja, den Bassist haben wir auf Elitepartner gefunden.

          Ach, kommen Sie.

          Wanda: Der Keyboarder ist ein alter Reiterfreund von mir, wir sind immer ausgeritten als Kinder.

          Glauben wir nicht.

          Wanda: Die haben sich halt alle auch in der Szene herumgetrieben! Unser Produzent hatte einen Bassist gesehen, der gleichzeitig rauchen und spielen kann, das hat uns alle beeindruckt. Der Schlagzeuger hat einfach einen geilen Beat gehabt und war ein netter Mensch.

          Sie haben mal gesagt, Marco: Ich bin über keinen Schritt der Karriere überrascht. Als hätten Sie immer gewusst, dass es so kommt.

          Poppe: Ich hab das mit 15 schon gedacht.

          Wanda: So hat jeder gedacht.

          Poppe: Man muss immer an was glauben, man darf es sich nur nicht so konkret ausmalen, weil man sonst enttäuscht wird. Als die Lieder da waren, wussten wir: Die werden gehört werden wollen.

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