04.09.2007 · „Die unbezähmbare Leni Peickert“ ist ein schöner Epilog zu den „Artisten“. Das Ereignis auf dieser DVD ist aber die Fernsehaufzeichnung „Reformzirkus“ von 1970. Unglaublich, dass es sich beim Fernsehen von damals und dem von heute um ein und dasselbe Medium handelt.
„Die unbezähmbare Leni Peickert“ ist ein schöner Epilog zu den „Artisten“. Da ist eine listige Naivität, mit der Leni und ihre Gehilfen, die es ins Fernsehen verschlagen hat, eine Sendung ins Programm schmuggeln - ohne dass die Zuschauer die Abweichung bemerken, weshalb sich Leni wieder dem Zirkus zuwendet und propagiert: „Show raus, Sinn rein!“ Das Ereignis auf dieser DVD ist aber „Reformzirkus“ (1970), eine zweistündige Diskussion im WDR. Hier nimmt die Abweichung die Form einer anarchischen Performance an.
Es wird über „Gesellschaft und Film“ diskutiert, nach 45 Minuten reicht der Redakteur dem Moderator einen Zettel, Kluge reißt ihn an sich und muss lesen, der Moderator solle verhindern, dass Kluge die Diskussion dominiere. Dann setzt sich Georg Alexander, der Redakteur, einfach an den Tisch, die Vierer- wird zur Fünferrunde, das Gespräch wuchert zum Meta-Gespräch, Techniker und Redakteure stehen dabei und diskutieren, ob es weitergehen soll - es geht weiter, die Umgangsformen bleiben auch im Eklat intakt, und es fällt schwer zu glauben, dass es sich beim Fernsehen von damals und dem von heute um ein und dasselbe Medium handelt.