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Die U-Bahn von Köln : Sankt Schlendrian

Schildbürger vom Rhein: In Köln hat man das erste Teilstück der neuen U-Bahn eröffnet. Es führt vom Hauptbahnhof zum Alten Markt - und stört nun den Gottesdienst im Dom.

          Es begann damit, dass sich im September 2004 der Turm der Kirche St.Johann Baptist neigte. Ein Versorgungsschacht, der für die Kölner U-Bahn gegraben wurde, ließ ihn einen Meter nach vorne kippen und sorgte, Pisa am Rhein, für eine temporäre Touristenattraktion.

          Als Menetekel wurde das nicht verstanden, und auch als die Bauarbeiten zwei Monate später die Schließung der romanischen Kirche St.Maria im Kapitol erzwangen und sich 2007 im Turmkeller des Rathauses der Boden senkte, schrillten keine Alarmglocken.

          Eine U-Bahn, die unter dem lockeren, mit römischer Geschichte gepflasterten Sand-Kies-Bett des alten Rheins verlief, musste schon sein als Nord-Süd-Verbindung im einst hillije Kölle, und so hatte sich die bereits damals hochverschuldete Kommune, eine oberirdische Strecke hätte nur ein Zehntel so viel gekostet, für die teuerste Variante entschieden.

          Auch der Einsturz des Stadtarchivs, der drei Menschenleben gefordert und, Schadenshöhe mindestens eine Milliarde Euro, das Kölner Selbstbewusstsein erschüttert hat, änderte nichts daran. Stur wurde an dem Projekt festgehalten, obwohl nun offensichtlich war, dass die Stadt mit den Zuständigkeiten auch die Kompetenz verloren hatte.

          Kurz vor Weihnachten wurde das erste Teilstück, vom Hauptbahnhof bis zum Alten Markt, eröffnet. „Stolz wie Bolle“ war der Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrsbetriebe, als er die neue Haltestelle, eine bessere Bretterbude im finnischen Sauna-Look, präsentierte, doch das dürfte sich schnell gelegt haben.

          Denn mit der Inbetriebnahme der Strecke, die hinter dem Domchor verläuft, kam die Bescherung: Seitdem sind in der Hohen Domkirche Erschütterungen und Geräusche zu vernehmen, die den Gottesdienst beeinträchtigen. Ein erster Ortstermin, zu dem sich gestern Dom- und KVB-Vertreter trafen, ergab zwar, dass „zu unmittelbarer Sorge kein Anlass besteht“, doch könne auch „nicht ausgeschlossen werden, dass die Auswirkungen langfristig Gebäudeschäden verursachen“.

          Als erste Maßnahme wurde das Tempo der Bahn auf zwanzig Stundenkilometer gedrosselt. Womit der erhoffte Zeitgewinn wieder weg ist. Noch wird darüber gerätselt, wie es zu der neuen Schieflage kommen konnte. Ja, doch wohl nur deshalb, weil, der Kölner denkt historisch, Meister Gerhard, als er 1248 mit dem Bau des Chores begann, schon geschlampt und versäumt hat, das Gebäude auf schalldämpfende Fundamente zu stellen.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

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